Leider wird von manchen Lesern Sinn und Zweck des Buchs missverstanden. Das Buch ist keine Menükarte, der ich einfach meine Preise entnehme. Dazu gibt es genug Tabellen und Empfehlungen seitens der Berufsverbände.
In dem Buch geht es darum, EUREN EIGENEN Stundensatz unter marktwirtschaftlichen Aspekten zu ermitteln - und auf dieser Grundlage Angebote richtig zu kalkulieren. Wer das Buch in 2 Stunden überblättert, hat den Nutzen des Buchs leider nicht verstanden: Es geht gerade darum, all die Listen, Tabellen, Hinweise und Formulare mit EIGENEN Werten zu füllen und den EIGENEN Stundensatz zu ermitteln! Erst wenn dieser "Mindeststundenlohn" definiert ist, wisst ihr, welcher Mindestpreis zu kalkulieren ist, um von der Arbeit leben zu können!
Stellt ihr am Ende EURER Berechnungen fest, dass ihr mit 20, 30 oder 50 Euro prima auskommt, steht dem nichts entgegen. Wichtig ist allein, dass ihr von der Arbeit leben könnt. Und damit ihr bei euren Berechnungen möglichst nichts vergesst, wurde dieses Buch geschrieben.
Insofern sind Anmerkungen, dass Beispiele in dem Buch "realitätsfern" seien, schon vom Ansatz am Thema vorbei: Die Beispiele in dem Buch sind "Beispiele", die mit EUREN ERRECHNETEN Stundensätzen bestückt werden müssen. Braucht ihr für eine Visitenkarte 2 Stunden und euer Stundensatz (zur Deckung aller Kosten) liegt bei 70 Euro, dann müsst ihr eben 140 Euro kalkulieren, um von der Arbeit leben zu können. Kommt ihr mit weniger Einkommen pro Monat aus und/oder eure monatlichen Kosten sind entsprechend gering, dass ihr mit 30 Euro die Stunden rechnen könnt, dann liegt euer Angebot eben bei 60 Euro, um von eurer Arbeit leben zu können.
Eigentlich doch ganz einfach, oder?
Wichtig ist dabei folgender Ansatz: Natürlich muss ich meine Preise auch nach dem Markt ausrichten. Allerdings gibt es trotz des ewigen Preiskampfes immer eine "Untergrenze". Und die ist genau dann erreicht, wenn ich durch mein Invest (Arbeitszeit) meine Kosten (Betriebs- und Personalkosten) nicht mehr decken kann. Unterschreite ich diese magische Schwelle, schreibt mein Unternehmen zwangsläufig rote Zahlen, was ein Scheitern zur Folge hat. Da hilft es wenig, sich darüber zu beklagen, dass andere Designer preiswerter sind. Will ich auch diese Preise unterbieten, muss ich eben meine Kosten reduzieren (weniger Monatsgehalt, kleines Büro, etc.).
Mit anderen Worten: Ich MUSS meine Kosten decken (und da rede ich noch gar nicht vom Gewinn), wenn ich in meinem Beruf überleben will. Um genau diese "magische Untergrenze" herauszufinden, muss man zum einen einen für sich realistischen Stundensatz errechnen und zum anderen den Arbeitsaufwand realistisch einschätzen.
Und genau hier hilft das Buch weiter!
Alles andere wäre sonst in der Tat "realitätsfern".