Das Cover sieht zwar nicht so einladend aus, aber was hier als lahmes Diagramm daherkommt, verbirgt einen fesselnden Inhalt. Claudia Mareis hat in ihrer Dissertation herausgearbeitet, wie das Feld Designwissenschaft, Designforschung und Designtheorie aus der wissenschaftshistorischen Perspektive zu werten sind. Wer schon immer mal wissen wollte, warum eigentlich Design sich so schwertut, sich als Wissenschaft zu etablieren, wird hier über die Streitfragen, die Konflikte und das Selbstverständnis der jeweiligen Argumentationen ins Bild gesetzt.
Das empfindet man im Hinblick auf die von Dogmen und unscharfen Diskursen gekennzeichnete Debatte als äußerst erfrischend und wohltuend. Auch im Hinblick auf eine fürchterliche Arroganz, die sich wohl als Vorbote wissenschaftlicher Schlagabtausch-Kultur im Design breitmacht ' noch bevor das Feld groß genug aufgestellt wäre, um argumentativ aus dem Vollen zu schöpfen.
Claudia Mareis schafft es ' und das können nicht viele aus dem Design heraus publizierte Beiträge ' eine Distanz zum Sujet herzustellen und die Ereignisse, Einflüsse und Systemgrößen des Wissensgebietes Design verständlich darzustellen. Die von ihr vorgeschlagene Modellierung als "Wissenskultur" ist übrigens ein Tool, das, so wie sie rät, als Modell nicht mit der Realität zu verwechseln sei, jedoch enorm bei der Überwindung starrer Positionen helfen kann. Mit dem Mittel der Diskursanalyse macht sie klar, dass es darum geht, auch die Diskurse selbst zu historisieren ' sprich: was, wo und wann wir heute diskutieren, ergibt andere Schlussfolgerungen als noch gestern. Dadurch entsteht gerade für die junge Disziplin Design ein Grad an Freiheit, der den Erkenntnisgewinn und nicht Formalismus in den Mittelpunkt stellt.
Für Designer eine wertvoller Beitrag zur kritischen Positionsbestimmung und zur Neudefinition eines Diskurses, der wohl auch noch eine ganze Weile andauern wird.