Aus der Amazon.de-Redaktion
Durch das Auge des einen
Manufactum-Katalog wälzenden und am Chrom-Küchenpalast geschulten Endverbrauchers betrachtet erscheint im Nachhinein so mancher Alltagsgegenstand als Hoch-Design. Paradoxerweise gilt dies auch für das Holz verarbeitende Werk der Shaker -- für Stühle, Tische, Betten jener Ende des 18. Jahrhunderts nach Nordamerika geflohenen englischen Glaubensgemeinschaft also, deren schlichte Eleganz der kühle Blick des formbewussten Käufers heute adelt. "Ehrliche Menschen haben kein Recht, ihr Geld mit Schönheit zu verschwenden", hatte deren Sprecher Elder Frederick Evans einst gepredigt: Inzwischen gilt gerade dieser puristische Shaker-Style dem Zeitgeschmack (zu Recht) als schick. Und das Kredo der Gruppe: "Jede Kraft erzeugt eine Form" klingt fast wie eine Vorwegnahme des modernen Funktionalismus.
Nicht nur frühes Design wird also erst durch das Bewusstsein zum Design gemacht: Salatschüsseln, Karosserien und PC-Gehäuse werden im Hirn erst schön. In kaum einem anderen Land gilt dies wohl in derart hohem Maße wie im Heimatland anonymer Industrieprodukte, den Vereinigten Staaten von Amerika, wo spartanische Einfachheit -- "Less is more" (Mies van der Rohe) -- und überladene Postmoderne -- "Less is bore" (Robert Venturi) -- in den hell erleuchteten Ausstellungskathedralen der Auto-, Möbel- und Modehäuser in stiller Eintracht nebeneinander stehen. In seinem reichhaltig illustrierten Design Lexikon USA hat Bernd Polster die Heroen und anonymen Helden der Design-Geschichte jeweils auf ein- bis zweiseitigen Artikeln mit Zeittafeln, Bildern und Fließtext fachgerecht gewürdigt: Von A wie Airstream (Wohnwagen) bis Z wie Zippo (Feuerzeuge) finden sich da kluge Ausführungen über Hermann Miller neben solchen über IBM, Raymond Loewy neben Tupperware, Ray und Charles Eames neben Nike Sports.
Und natürlich findet sich auch ein Eintrag zum Shaker-Design, wobei die "Schwestern und Brüder" der Bewegung in die verwandtschaftliche Nähe zu Marcel Breuer und Konsorten rücken. Deren Urväter hätten sich wahrscheinlich im schlichten Holzgrab umgedreht. Aber Bücher wie das Design Lexikon USA sind unter Shakern sowieso verboten. --Thomas Köster
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Design made in USA oder: 'Häßlichkeit verkauft sich schlecht.' Seit Raymonds Loewys Bekenntnis zum Styling wurde das Design zum wichtigsten Faktor des 'American Way of Life'. Die großen Namen, wie Lucky Strike, Coca-Cola, Nike, Apple Macintosh wären ohne ihre markanten Logos und ihr unverwechselbares Design gar nicht denkbar. Designer wie Henry Dreyfuss, Saul Bass, Milton Glaser oder George Nelson haben unser Bild von amerikanischen Produkten und Marken geprägt. Heute feiern die Klassiker des amerikanischen Designs, wie die Kitchen Aid oder die Maglite-Taschenlampen ihre Renaissance oder waren, wie die Maschinen von Black & Decker, einfach immer wie selbstverständlich da. Und Standards setzen amerikanische Designer heute mehr denn je.