Aus der Amazon.de-Redaktion
Wie nirgendwo sonst in Europa stieß die (spät beginnende) Industrialisierung in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf ein -- vom Kunsthandwerk herkommendes -- Bewusstsein für ästhetische Massenware. Firmennamen wie AEG, Braun, VW oder Siemens standen international bereits früh für einen auch formgeberisch ansprechenden Produktgeschmack. Diesem Gestaltungswillen in Stahl, Beton, Porzellan, Textil und Papier spürt das von Bernd Polster und Marion Godau herausgegebene und reichlich bebilderte
Design Lexikon Deutschland trefflich nach. Versammelt sind kompetente Artikel vornehmlich zu den Bereichen Produkt-, Möbel- und Automobildesign, aber auch zu Mode und Grafik, die dem Leser -- Polsters Gebrauchsanweisung des Buches gemäß -- "den Zugang zu einem der produktivsten Designländer erleichtern" helfen.
Etwas merkwürdig allerdings mutet die (ansonsten löbliche) Entscheidung, neben Designern auch designorientierte deutsche Firmen aufzunehmen, in all jenen Fällen an, in denen Entwürfe ausländischer Designer den Bildteil füllen: So illustriert der zweifellos wundervolle, jedoch sehr amerikanische "Lounge Chair" von Charles und Ray Eames den Vitra-Artikel, das minimalistische Service "Moon" des Engländers Jasper Morrison den Eintrag über den Porzellanhersteller Rosenthal. Und auch manche Formulierung des Vorworts von Paola Antonelli ist allzu unglücklich oder gar befremdlich geraten, um wirklich informativ zu sein. Dass "deutsche Künstler und Denker durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder Bahnbrechendes hervorgebraucht" haben, ist nicht weiter verwunderlich -- die Rede von "Deutschlands muskulöser Natur" hingegen sehr.
Trotz dieser Mängel jedoch beleuchtet das Design Lexikon Deutschland das breite Spektrum heimischer Formgebungsgeschichte von Adidas bis Walter Zeischegg mehr als redlich. Im heimischen Billy-Regal jedenfalls sollte der Band wie auch das Design Lexikon Skandinavien und das Design Lexikon Italien nicht fehlen. --Thomas Köster
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Das Bauhaus, die berühmteste Designschule des 20. Jahrhunderts, gilt als Wiege der modernen Produktgestaltung und ist doch nur ein Glied in einer historischen Kausalkette: vom Deutschen Werkbund über die "Neue Sachlichkeit" der 20er Jahre bis hin zur Funktionalismus-Renaissance in der Bundesrepublik reicht die ungebrochene Tradition der radikalen Vereinfachung, die das deutsche Design bis heute auszeichnet. Zahllose elementare Lösungen und zeitlose Klassiker sind daraus hervorgegangen. Seit der Designrebellion der 80er Jahre ist eine neue, geistreiche Dimension hinzugekommen. Alte und junge Avantgarde werden hier zwischen zwei Buchdeckeln vereinigt. Das Lexikon will dem Leser den Zugang zu einem der produktivsten Designländer erleichtern: durch den unkomplizierten lexikalischen Aufbau und zahlreiche Bildbeispiele, die den Kosmos der Formen auch visuell erschließen. Inhaltliche Schwerpunkte sind Produkt-, Möbel- und Automobildesign. Bereiche wie Mode und Grafik werden ebenfalls berücks ichtigt. Zusätzlich werden Stile und Schulen erläutert und - erstmals in einem Handbuch wie diesem - auch designorientierte Firmen ausführlich dargestellt, ein Muß angesichts der so zahlreichen, starken deutschen Marken. Das Lexikon wird durch einen ausführlichen, kommentierten Index ergänzt. Fett gedruckte Namen und Begriffe in den Texten verweisen auf den Index.