Der italienische Verlag Mondadori Electa zeichnet für die Originalausgabe dieser wunderschönen Sammlung von Design-Objekten verantwortlich. Aber weil man einen Überblick über 150 Jahre geben wollte, schlägt sich dies nicht in einer Übervertretung von Objekten aus dem Land der Designer aus. Eine kurze und informative Einführung erklärt den Lesern, nach welchen Kriterien die rund 600 Produkte ausgewählt wurden. Der Zeitraum von eineinhalb Jahrhunderten ist denn auch alles andere als zufällig, fällt doch die Wende von einer Kultur des Werkzeugs zur Welt der Maschinen mit dem Beginn der industriellen Revolution zusammen. Und auch wenn einzelne Objekte nur in geringen Stückzahlen hergestellt wurden, waren sie eben nicht mehr Ergebnis handwerklichen Könnens im traditionellen Sinn.
In gewisser Hinsicht produziert modernes Design eher kollektive Bilder als konkrete Güter. Daher ist dieser Atlas mit rund 900 Abbildungen auch eine Sozial- und Geistesgeschichte, weshalb die Ordnung in verschiedene Zeitperioden Sinn macht. Unter der Überschrift "Die Anfänge" finden wir Objekte von 1815 - 1918. Design sind die Jeans von Levi Strauss & Co, die Möbel der ersten amerikanischen Siedler oder rheinischen Tischlermeister, die Sicherheitsnadel von Walter Hunt, das Schweizer Taschenmesser, der Meccano Metallbaukasten oder der erste Fotoapparat von Kodak. Die Periode von 1919 - 1939 wird im Kapitel "Avantgarden und Pioniere" beschrieben, in dem es zu Wiederbegegnungen mit Gerrit Rietveld, Alexander Rodtschenko, Walter Gropius, Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier, Eileen Grayden und zahlreichen anderen Designer, die Geschichte schrieben, kommt. Die Jahre von 1940 - 1964 werden unter "Neuer Optimismus" vorgestellt. Und auch hier gelingt es den Herausgebern, die gezeigten Objekte durch Text und Bild als Zeichen von Denk- und Wertemodellen zu präsentieren. So sehen wir den berühmten Round Chair von Hans Wegner auf dem Podium, das John F. Kennedy und Richard Nixon betraten, um ihr TV-Duell auszufechten. "Utopien und Wohlstand. Vom Brauchen zum Wünschen" heißt das Kapitel, in dem wir Designobjekte von 1965 - 1984 bestaunen dürfen. Und für die Jahre von 1985 - 2005 wählte man "Jenseits der Moderne. Design als Dienstleistung".
Mein Fazit: Was diese Sammlung von Designern und ihren Werken auszeichnet, ist die gelungene Komprimierung auf das Wesentliche. Auf rund 900 Abbildungen werden etwa 600 Objekte gezeigt, die für eine gewisse Zeitperiode beispielhaft sind. Die kurzen Texte bei jedem Kapitel und Unterkapitel sind ebenso erhellend wie verständlich. Und selbstverständlich werden auch das Layout und der Druck dem Thema gerecht. Unter den zahlreichen Design-Büchern in meiner Bibliothek gehört dieses bereit zu meinen Favoriten. Etwas schade finde ich nur, dass auf ein Literaturverzeichnis verzichtet wurde. Immerhin hat es wenigsten ein Register.