Damasio legt hier seine Theorie von der untrennbaren Verbundenheit von Gefühl & Denken, die ich bis zu einem gewissen Grad teile, in aller Ausführlichkeit dar. Trotz des hochspannenden Themas tue ich mich schwer damit, das Buch bis zum Ende durchzulesen. Die ersten 100 Seiten hat man in ebenso wenigen Minuten durch, schließlich beschreibt der Autor höchst plastisch einige interessante und zum Umdenken anregende medizinische Fälle. Doch dann lässt das Buch rapide nach: Abwechselnd reihen sich neurologische "Exkurse", kurze Fallbeispiele und verzweifelte Versuche, philosophisch zu sein, aneinander. Bei letzteren merkt man ganz deutlich, dass Damasio doch eher Empiriker als Theoretiker ist, zwar zitiert er z.B. Daniel Dennett und die Churchlands, aber wirklich verstanden, woran deren Theorien kranken, hat er wohl nicht.
Der Stil wird an manchen Stellen sehr ausschweifend und der Autor wiederholt sich oft, während er an vielen Punkten, die interessant wären, abbricht und sich einem anderen Bereich zuwendet. Teilweise wirkt das Buch gegen Ende wie eine Ansammlung von Aphorismen, der jedoch der rote Faden fehlt. Nach 230 Seiten kann ich schon sagen: Halbwegs interessant, aber weder zum Einstieg in die Neurologie(da kaum erklärt) noch zum Einstieg in die Philosophie des Geistes(da nicht verstanden) geeignet. Eine Theorie des Bewusstseins, wie ich sie in einer Rezension erwähnt gesehen habe, war bisher ebenfalls völlig unauffindbar.