Der dritte Fehlgriff dieses Wochenende. Zum Glück nur als Leseprobe (ich gebe daher zwei Sterne und lege jedem grundsätzlich Interessierten ans Herz, sich zuerst die Leseprobe zu ziehen und sich selbst ein Bild zu machen). Gewöhnungsbedürftiger Schreibstil mit Einlagerungen von Wortkonstrukten, die altbacken und gestelzt klingen. Allgemein eine schwierige Grammatik, die ich mal wohlwollend als "gesetzt" bezeichnen möchte, mir aber so überhaupt nichts gibt. Es gibt wohl Menschen, die so sprechen und schreiben, aber so ein richtiger Lesefluß kommt nicht auf, wenn man ständig das Gefühl hat, daß der Erzähler (!) das dringende Bedürfnis hat, sich auf Sätze von vier bis sechs Worten reduzieren zu wollen und sich nur gelegentlich einmal in die Tiefen längeren Satzbaus zu wagen. Allgemein wirkt das reduziert wie für ein Kinderbuch, aber gleichzeitig durch die Thematik unglaubwürdig. Nunja. Das wenige, ds man von der Geschichte in der Leseprobe erfassen kann (deren Länge auf ein nicht allzu langes Buch hindeutet), gibt mir das Gefühl, es schon einmal gelesen zu haben. Überwuchterte Pseudo-Steinzeit-Post-Apokalyptische Welt à la Niourk (altes französisches Buch) trifft auf eine Vorgeschichte, die nur deshalb nach 2012 klingt, weil auch 2012 sich schon aus dem Fundus eines schon waidlich ausgebreiteten Genres bedient hat.
Wer die Kurzbeschreibung des Buches liest und glaubt, daß er nicht stilistisch genau das kriegt, was hier begonnen wird, der irrt. Desaster Inferno 1.1 ist in genau diesem Stil geschrieben. Da spricht jemand, der sich für einen Missionar hält und der Meinung ist, daß 9/11 und Ereignisse wie das Ende des Kalten Krieges (das hier negativ bewertet wird, weil es die Politik "ad adsurdum" führt?!) sich dafür eignen, unbedingt als Wendepunkt seines Schaffens herausgestellt zu werden. Warum - keine Ahnung? Es mag ja wirklich sein, daß diese Ereignisse irgendwie relevant für den Autor waren, aber so richtig einen konsistenten Zusammenhang mit einer Zukunft, die von Lianen überwuchert ist, sehe ich nicht. Was ich aber sehe, ist, daß da jemand völlig unnötig mit unglaubwürdigen Außerirdischen eine Geschichte aufpeppen will, die im Grunde sicherlich als gute 70er-Jahre-SciFi hätte durchgehen können, wenn sie radikal entschlackt und von jemandem ernsthaft lektoriert worden wäre, um ihr den aufgesetzten Asimov und den imitierten Huxley auszutreiben und sie dorthin zu bringen, wo sie wenigstens so etwas wie Kurzweil verspricht. So aber verspricht die Geschichte gar nichts; außer nostalgischen Erinnerungen vielleicht. Was der Name "Desaster Inferno 1.1" hier zu suchen hat, bleibt die abschließende, geheimnisvolle Frage, die vielleicht noch vom Autor zu klären ist. Reißerisch ist der Titel ja, aber auch völlig infantil. Klingt nach 80er Jahre Low-Budget-Movie. Wenn man bedenkt, daß die Story halt 70er (eher früher) ist, dann ist da eine Schieflage zwischen Titel und Buchinhalt. Und was das 1.1 da soll - erstmal so gar keine Ahnung. Aber ich lasse mich überraschen, ob der Autor ggf. mal etwas zu diesem Thema nachliefert.