Ach, es ist einfach herrlich, wenn philosophische Gedanken so schön und wohltuend nah am Leben sind. Wenn sie direkt dem Leben selbst zu entspringen scheinen, was sie ja eigentlich sollten, aber eben doch eher selten ist. Ludwig Hasler schreibt leicht und tiefsinnig zugleich über alles mögliche. Viele der Texte sind Auftragsarbeiten, Kolumnen oder Reden. Deshalb wohl das Sammelsurium an Themen. Aber gerade das macht den Reiz des Buches aus. Ein hakenschlagender Philosoph, der sich jeden Themas annehmen kann, das man sich von ihm wünscht. Besonders berührend war für mich beispielsweise der Text "Hinter den Sündenfall zurück", eine Rede, die Hasler am Internationalen Tag der Behinderten hielt. Er erzählt, wie er im Bus zwei Menschen mit Down Syndrom sieht. Und dass die beiden ganz offensichtlich mit einer Behinderung leben müssen, ihm aber in gewissen Bereichen wohl eben gerade deshalb einiges voraus haben, wie er merkt. So wird Philosophie berührend menschlich. Ganz zum Schluss sagt Hasler über die zwei: "Sie nehmen es in Kauf, nicht als vollwertig zu gelten, im Spiel um Macht und Anerkennung. Dafür behalten sie ihre Seele rein."
Obwohl der Untertitel des Buches "Neue Verführung zum Denken" lautet, geht es Hasler wohl mehr um Sinnlichkeit und Lebendigkeit. Sich die Freude am Dasein nicht wegkommerzialisieren lassen. Sondern denkend erkennen, was Leben wirklich bedeutet. Für mich ist das eine erfrischende Inspirationsquelle, an der sich mein Geist sicher immer wieder mal erfreuen wird. Oder wie Ludwig Hasler selbst sagt: "Am eigenen Leib erfahren, wie zufrieden es stimmt, sind eindeutig nützlich zu machen, sich am Wein zu berauschen, über elementare Dinge zu reden, über die Schönheit der Natur, die Vergänglichkeit der Zeit, das Wunder der Liebe."
Peter Steiner, Autor von "Weisheit für Minimalisten", "Das Wesentliche so nah"...