Des Lebens bittere Süße - Box 1
Bis heute gilt "Des Lebens bittere Süsse" als eine der mit erfolgreichsten wie auch aufwendigsten britischen für das Fernsehen entstandenen Literaturverfilmungen. Allein in Deutschland saßen 1986, bei der Erstausstrahlung dieser zunächst auf drei Teile ausgelegten Saga um und über das Leben der Emma Harte, bis zu 14 Millionen Zuschauer vor ihren Fernsehgeräten. Mehr als 32 Millionen Exemplare des Erstlinkswerks "A Woman of Substance" der britischen Schriftstellerin Barbara Taylor, welchem inhaltlich der hier zur Veröffentlichung kommende Dreiteiler zugrunde liegt, wurden weltweit bisher verkauft. Das Drehbuch für diese Literaturverfilmung stammt aus der Feder der britischen Autorin Lee Langley. Mit Don Sharp (1922-2011) gewann man einen Regisseur, der es für mein Empfinden wunderbar schafft, die Romanvorlage, in seiner Art der Inszenierung, ungemein stimmig umzusetzen.
Zeitgleich zusammen mit dieser ersten DVD-Box und deren drei im Jahr 1984 entstandenen Teilen, bringt das hier veröffentlichende Label "Fernsehjuwelen" auch eine zweite Box, mit zwei 1986 produzierten weiteren und die Geschichte fortführend erzählenden Teilen heraus. Folgend ist bereits jetzt, für den August diesen Jahres (Stand 01/2012), eine dritte Box mit nochmals zwei Teilen innerhalb der Reihe "Des Lebens bittere Süsse" angekündigt.
Was mir hier bei "Des Lebens bittere Süsse" so sehr gefiel, ist der ruhige aber einen ab der ersten Minute in seinen Bann ziehende Erzählstil.
Zudem gelang es Kameramann Ernest Vincze beeindruckende Bilder einzufangen, die einem die Zeit und filmische Illusion vergessen lassen und ein Gefühl aufkommen lassen als sei man mitten drin und dabei. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leisten natürlich auch die tollen und authentisch wirkenden Kostüme der Darsteller und die passenden und stimmungsvoll ausgewählten Drehorte bei diesem Dreiteiler.
Ihren Anfang nimmt die erzählte Geschichte als "Emma Harte", eine erfolgreiche Geschäftsfrau mit einem weit verzweigtem milliardenschweren Geschäftsimperium, ausgerechnet kurz vor ihrem siebzigsten Geburtstag erfährt, dass ihre beiden Söhne Kit und Robin sie für unmündig erklären und ihr Unternehmen an sich reißen wollen. Derart hintergangen reflektiert "Emma Harte" in Gedanken noch einmal ihr bisheriges Leben mit allen seinen Höhen und Tiefen, Entbehrungen und sie prägenden Ereignissen in einer Art Rückblick. Es geht Jahrzehnte zurück, hin in ihre Jugend vor Beginn des Ersten Weltkriegs, als sie mit gerade einmal fünfzehn Jahren als Dienstmagd ihre erste Stelle auf dem Gut der Fairleys in Mittelengland antritt. Sie erinnert sich an ihre Eltern und beiden Brüder, genauso wie an ihr erstes Treffen und Kennenlernen mit "Blackie" (Liam Neeson), der im weiteren Lauf der gezeigten Geschichte einen wichtigen Platz einnimmt.
Aber auch die Tage ihrer ersten großen Liebe und die Beziehungen zu Lebenspartnern und die aus diesen Verbindungen heraus geborenen Kinder passieren in ihren Gedanken nochmals Revue. Der Zuschauer erlebt den beschwerlichen Weg und die ersten Anfänge des Aufbaus ihres anfangs noch kleinen Unternehmens bis hin zum riesengroßen und gewaltigen Konzern unter ihrer Leitung.
Ich möchte jetzt und hier an dieser Stelle wirklich nicht zu viel von der zu erlebenden Handlung in diesem bestens unterhaltenden und packend erzählten Dreiteiler erzählen. Da die Geschichte über mehrere Jahrzehnte erzählt wird, wurde die Figur der "Emma Harte" gleich von zwei Darstellerinnen verkörpert. Die Rolle der älteren "Emma Harte" wurde von der mehrfach für den Oscar nominierten und für ihr Lebenswerk mit selbigen geehrten Deborah Kerr (1921-2007) übernommen. Jenny Seagrove übernahm den Part der jüngeren "Emma Harte" innerhalb dieses Dreiteilers. Besonders sie gefiel mir dabei sehr gut, musste sie doch die Figur der "Emma Harte" innerhalb der Produktion von zarten fünfzehn Jahren bis hin zur reifen und erwachsenen Frau verkörpern, was ihr ausgesprochen überzeugend und gut gelingt. Weitere der zum Teil recht namhaften und auch bekannten Namen von innerhalb dieser Literaturverfilmung zu erlebenden Schauspielern wären zb. die von Miranda Richardson und Barry Bostwick oder auch die von Claire Bloom, Fiona Fullerton und James Brolin.
Leider scheint dem Bild, welches von den drei DVDs dieser Veröffentlichung im Format 4:3 mit einer laut Cover Gesamtlaufzeit von ca. 317 Minuten (inclusive 23 Minuten Bonusmaterial) zur Ansicht kommt, keine Bearbeitung oder Restauration zugutegekommen zu sein. Es ist mir natürlich klar, dass eine inzwischen vor bald dreißig Jahren entstandene Fernseh-Produktion hier natürlich nicht gerade mit referenzweisenden Werten aufwarten kann. Dennoch bin ich doch schon etwas enttäuscht. Immer wieder, vor allem im ersten Teil, machen sich deutlich mechanische Beschädigungen und Verschmutzungen im zu sehenden Bild bemerkbar. Die Farben wirken fast durchweg distanziert und recht schwach ausgeprägt aber zumindest natürlich. Die Einstellungen für die Schärfe und den Kontrast kommen leider nicht über das Niveau einer VHS-Aufnahme.
In einem in Hochglanzoptik und mit entfernbarem FSK-Logo gestalteten Pappschuber finden die drei DVDs dieser Veröffentlichung einzeln lagernd und entnehmbar, ihren Platz in zwei Klarsicht-Amaray-Slim-Case. Die DVD-Hüllen bieten neben einer Auflistung der einzelnen Kapitel der ersten 3 Teile dieser Veröffentlichung, zudem eine kurze Inhaltsbeschreibung zu den beiden Teilen der bereits verlegten zweiten Box der Reihe.
Als Extras finden sich neben einiger entfallener Szenen und Trailern zu weiteren Veröffentlichungen und dem Dreiteiler selbst, noch ein ca. 22 Minuten laufendes Interview aus dem Jahr 2001 mit Barbara Taylor Bradford, der Autorin welche die Vorlage für diese Literaturverfilmung lieferte, als Bonusmaterial mit bei der hier vorliegenden Veröffentlichung.
Tonbewertung:
Die DVDs der vorliegenden Box bieten neben der deutsch synchronisierten Fassung auch noch den originalen englischsprachigen Ton, jeweils im Format Dolby digital 2.0 an. Auch wenn sich beim hier zu Gehör kommenden Ton die vergangenen Jahre nicht ganz leugnen lassen, bleibt er meist recht gut verständlich. Ein akustisches Feuerwerk darf man hier nun natürlich nicht erwarten. Dafür wirkt der Ton dann insgesamt doch relativ flach mit nur wenigen klanglichen Nuancen und Abstufungen in sich. Das sich hin und wieder bemerkbar machende leicht erhöhte Grundrauschen ist wenig störend. Untertitel für Gehörlose oder Hörgeschädigte werden nicht von den DVDs bei dieser Veröffentlichung angeboten.
Gesamteindruck:
Bis zu 14 Millionen Zuschauer bei der deutschen Erstausstrahlung 1986 können sich einfach nicht geirrt haben. Und so zogen auch mich die drei Teile dieser ersten Box mit der Literaturverfilmung nach einem Weltbestseller der britischen Autorin Barbara Taylor Bradford von der ersten bis zur letzten Minute in ihren Bann. Treffender und kürzer wie die "New York Times" die schrieb "Eine extravagante, fesselnde Geschichte über Liebe, Tapferkeit, Ehrgeiz, Krieg, Tod und Leidenschaft", kann kaum beschrieben werden was diese ersten drei Teile der Reihe über "Des Lebens bittere Süsse" bieten. Eine gelungene Inszenierung unter der Regie von Don Sharp und die authentisch wirkenden Kostüme und Drehorte lassen einen beim Ansehen dieses Dreiteilers die Zeit um einen herum vergessen.