Mit dieser Einspielung schließt Boulez seinen insgesamt sehr gelungenen Mahler-Zyklus mit Bravour ab. Er erweist sich erneut als konsequenter "Dienstleister" an der Musik Mahlers und schafft den Vokalsolisten Kozena und Gerhaher ein solides Fundament. Magdalena Kozena, die versierte Barock-Interpretin mit einem zusehends stärker werdenden Hang zum Expressiven, hinterlässt keinen ganz homogenen Eindruck: In manchen Passagen neigt sie zur Überinterpretation und schafft damit Akzente, die Mahlers Musik aufgrund ihrer ohnehin verstörenden Ambivalenz nicht benötigt; in anderen Passagen investiert sie ihre aus den Bachkantaten bekannte Natürlichkeit und wird dann der Mahlerschen Naturphilosophie auf wunderbare Art und Weise gerecht. Freilich, ohne irgendein Stück im Ungefähr des beliebigen Wohlklangs aufgehen zu lassen. Vollends überzeugen kann indes Christian Gerhaher, der ähnlich kraftvoll wie Michael Schade (ebenfalls im Boulez-Zyklus) auftritt und den Brechungen in Text und Musik ebenso instinktsicher wie präzise nachspürt. Entgegen der in den letzten Jahren vielfach praktizierten und doch unsinnigen Mode, den Publikationen der Deutschen Grammophon zu große Marktorientierung und zu geringe Ernsthaftigkeit nachzusagen, darf diese Einspielung sicher als eine weitere Referenzaufnahme aufgefasst werden. Zumal, da es Boulez vermeidet, höchst fragwürdigen Komplettierungen von Mahlers "Unvollendeter" eine weitere hinzuzufügen, und sich stattdessen auf die Aufführung dessen beschränkt, was gleichsam als gesichert gelten darf. Überdies ist auch die Interpretation dieses Fragments in der Tat sehr gelungen. Insgesamt kann Boulez' Mahler-Abschluss rundum empfohlen werden.