Ich habe des Königs Narr inzwischen bestimmt schon 4 mal gelesen und freue mich immer wieder darauf, wie auf einen guten Freund, den man zu lange nicht gesehen hat. Denn genau das passiert einem mit dem doch recht vulgären, grobschlächtigen und auch leicht selbstsüchtigen aber zum Glück so wunderbar selbstironischen Protagonisten Merivel - er wächst einem ans Herz. Obwohl ich sehr viel lese, ist mir noch nie zuvor (oder danach) eine Romanfigur so lebendig erschienen. Die letzte Seite zu lesen ist wirklich wie schwermütig Abschied nehmen. Rose Tremain schafft durch ihren unpretentiösen aber wahnsinnig pointierten Schreibstil eine Sogwirkung, die ihresgleichen sucht.
Wer also mal einen wirklich gelungenen und sprachlich über das üblich 08/15 Geschreibsel hinausgehenden historischen Ronman lesen will, ist hier bestens beraten.