Alles was zusammenfällt, wird am Ende die Form einer Pyramide haben. Eine Pyramide ist damit in der Konstruktion auf Ewigkeit angelegt, sie ist bereits das, was sie sein wird, damit fällt Ursprung und Zerfall in eines. Derrida, der in der Komplexität seines Denkens Unvereinbares versuchte in sich zu vereinen, trifft posthum auf Sloterdijk, der zu nichts anderem sich veranlasst sieht, als von Ferne auf eben diese Komplexität zu sehen und sie mit den Mitteln eines Derrida zu de-konstruieren. Ziel ist, diesen hervorragenden, dennoch komplex mehrdeutigen Denker in der Dialektik Ich und Tat (Werk) zu synthetisieren durch die Betrachtungsweisen unterschiedlicher Details. Diese werden in Miniaturen im Vergleich von Stellvertreterpositionen zu erhellen versucht, Illumination, um einen Benjaminschen Ausdruck zu verwenden, könnte man dieses denkende Sehen nennen. Auf dem Wege wird Sloterdijk begleitet von (1) Luhmann, ebenso Vollendungsarbeiter des Denkens, (2) Freud, der mit Moses, der Ägypter die Vorlage zum Titel gab, (3) Thomas Mann, der mit Joseph und seinen Brüdern die alttestamentarischen Ideen ebenso bewegte, (4) Borkenau mit seiner psycho-historischen Kulturbetrachtung zum Tode, (5) Debray, der den Migration fähigen Gott in seiner Wandlung und Interpretation beleuchtet unter dem Gesichtspunkt der Transportabilität; (6) Hegel, der die Verbindung von Willkür der Zeichen und Freiheit des Geistes herzustellen weiß; (7) Groys, der die Interpretation des Phänomens Pyramide aus Sicht der Innenkammer neu beleuchtet und den musealen Raum als den re-installierten toten Raum einer Pyramide betrachtet.
Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen; dieses ist die wittgensteinsche Vorgabe für Derrida, der allem außerhalb von Texten seine Bedeutung verweigert. Der Mensch wird so zum Abhängigen der Sprache, dem anfänglichen Wort. Nur muss dieses in seiner Bedeutung zu einem allgemeinen und gültigen Begriff säkularisiert werden.
Sloterdijk will mit diesem Essay der Sorge Derrida entgegenwirken, auf eine bestimmte Identität festgelegt zu werden. Dennoch beanspruchte Derrida für sich, im Spotlight der höchsten Intelligenz zu stehen, der intellektuellen Sichtbarkeit. Und so bleibt Sloterdijks Entscheidung, von Ferne auf Derrida zu sehen, wenn man will, auf Distanz zu gehen, ein hervorragender Verdienst gerade gegenüber Derrida, da er mit seiner Mannschaft keine bessere Wertschätzung dem großen Denker hätte vermitteln können. So stellt er in der Wahrung der souveränen Unentschiedenheit fest, dass Derrida Körper im kritisch beäugten Heimatland seit 2004 beerdigt liegt, seine Tat, sein Werk jedoch in der wortgebauten Pyramide am Rande der Buchstaben Ewigkeit verspricht.
Dass Sloterdijk wie immer ein interkontextuelles Verständnis erwartet und es auch selbst gewährleistet, muss nicht gesagt sein. Positiv anzumerken ist jedoch, dass er sich der Attitüde, neue Wortgebilde zu kreieren, fernhalten konnte und so der Hauptperson Derrida ein deutliches Tribut zollte.