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Derrick oder die Leidenschaft für das Mittelmaß: Streichholzbriefe 1990 - 2000
 
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Derrick oder die Leidenschaft für das Mittelmaß: Streichholzbriefe 1990 - 2000 [Gebundene Ausgabe]

Umberto Eco , Burkhart Kroeber
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Umberto Ecos Schatzkästlein

F. Hs. Seit 1985 gibt es im italienischen Wochenmagazin «L'Espresso» die Kolumne «La Bustina di Minerva», in der Umberto Eco über Gott und die Welt plaudert. Auf deutsch hat sie «Die Zeit» phasenweise als «Streichholzbriefe» veröffentlicht. Als Eco 1992 erstmals eine Auslese davon (dt. 1993 «Wie man mit einem Lachs verreist und andere nützliche Ratschläge») zusammenstellte, war die Wahl nicht immer glücklich. Der angestrengte Witz und die Weltläufigkeit des Gelehrten machten einem das Schmunzeln manchmal schwer. Nun hat Eco eine weitere Auswahl aus den Jahren 1990 bis 2000 gemacht, von der Burkhart Kroeber wiederum einen guten Teil «ausgewählt, übersetzt und eingerichtet» hat, mit dem zugkräftigen Titel «Derrick oder die Leidenschaft für das Mittelmass». Entweder ist beim zweiten Mal die Zusammenstellung besser gelungen, oder Eco ist gelassener geworden, oder es wird mit zunehmender Kompliziertheit einfacher, die Welt zu erklären. Jedenfalls ist dieses Buch ein vergnügliches Schatzkästlein, das auch unters Kopfkissen passt. Im ersten Kapitel geht es um «Die dunkle Seite der Galaxie», etwa um die Migrationen, um «Krieg, Gewalt und Gerechtigkeit», wobei Eco es versteht, inmitten der heissen Herzen einen kühlen Kopf zu bewahren. Weiter hinten kommt er auf weniger blutige Themen, beichtet seine «sündigen» Streifzüge durch das Internet, analysiert die «Infantilisierung der Zeitungen» mit ihrer Tendenz zur Nullinformation, kommentiert das Fernsehen, den Erfolg von Derrick als «Triumph der mediocritas», die neueren Unterhaltungssendungen als Tummelplatz für die «globalen Dorftrottel», gibt zu bedenken, dass seit je «zu den herausragenden Eigenschaften des Dorftrottels der Exhibitionismus gehört» (dabei ist von «Big Brother» noch gar nicht die Rede). Er schreibt dies alles mit ernster Leichtigkeit, in einem geschliffeneren Stil und mit mehr Kunstverstand als in seinen mit Bildung überfütterten Abenteuerromanen.

Pressestimmen

"Ecos Gespür für die Strömungen seiner Zeit, gepaart mit einer furiosen Formulierungskraft, macht die Glossen, die er seit Jahrzehnten für die italienische Zeitung 'L'Espresso' schreibt, einmalig. (...) Eco zeigt, wieviel Klugheit man entfalten kann, wenn man sich mit trivialen Dingen beschäftigt. Kurzweilig, unterhaltsam und lehrreich zugleich." Frankfurter Neue Presse, 26.10.00 "Ein vergnügliches Schatzkästlein, das auch unters Kopfkissen passt. Eco schreibt mit ernster Leichtigkeit, in einem geschliffenen Stil und mit Kunstverstand." Neue Zürcher Zeitung, 14./15.10.00 "Wie immer schreibt Eco leichtfüßig und ironisch, und bleibt der gelassen-pragmatische Aufklärer, der sich nicht zu schade dazu ist, banalste und skurrilste Alltagsphänomen zu deuten." Frank Ufen, Der Tagesspiegel, 03.12.00

Kurzbeschreibung

Ironisch und intelligent, scharfsinnig und unterhaltsam: Der dritte Band der berühmten »Streichholzbriefe«.

Sein Name ist Derrick. Stefan Derrick. Gibt es etwas Deutscheres als diesen Kommissar, die vollkommene Verkörperung von Durchschnittlichkeit und Phlegma? Und doch hat der Mann im ewig grauen Anzug große internationale Karriere gemacht, die kein Kulturkritiker jemals für möglich gehalten hatte. Wer sonst als Umberto Eco, Philosoph, Spurenleser und glänzender Polemiker, wäre imstande, uns solch ein Medien-Phänomen so brillant zu erklären?

Ironisch und intelligent, scharfsinnig und unterhaltsam: In Ecos drittem Band mit den berühmten Glossen, Parodien und Geschichten, die seit Mitte der 80er Jahre jede Woche auf der letzten Seite des römischen Nachrichtenmagazins ›L‘ Espresso‹ erscheinen, werden Clintons erotische Verfehlungen, die Angst vor der Übermacht des Computers und dem Untergang der Buchkultur untersucht und der Leser darüber aufgeklärt, was Fred Astaire und Ginger Rogers mit der italienischen Politik zu tun haben oder in welchem Sinne Fußball eine sexuelle Perversion darstellt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Der Verlag über das Buch

»Ecos Gespür für die Strömungen seiner Zeit, gepaart mit einer furiosen Formulierungskraft, macht die Glossen, die er seit Jahrzehnten für die italienische Zeitung ›L‘Espresso‹ schreibt, einmalig. [...] Eco zeigt, wieviel Klugheit man entfalten kann, wenn man sich mit trivialen Dingen beschäftigt. Kurzweilig, unterhaltsam und lehrreich zugleich.« Frankfurter Neue Presse

»Gute Unterhaltung für alle, die […] nicht unbedingt eine besondere Leidenschaft für das gedankliche Mittelmaß hegen.« Thomas Hübner in der ›Financial Times Deutschland‹

Ecos Miniaturen »werden von einer Leichtigkeit und einem Charme getragen, den man heute nur noch selten in der Zeitungslandschaft antrifft«. Märkische Allgemeine Zeitung

»Diese witzigen, überraschenden Gedankensprünge sind imstande, uns die sonderbarsten Gefilde des Alltags im Zeitalter des medialen Overkills mit leisen Zwischentönen näherzubringen.« Libro-Journal -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Umberto Eco wurde am 5. Januar 1932 in Alessandria (Piemont) geboren, lebt in Mailand und lehrt Semiotik an der Universität Bologna. Er verfaßte zahlreiche Schriften zur Theorie und Praxis der Zeichen, der Literatur, der Kunst und nicht zuletzt der ästhetik des Mittelalters. »Der Name der Rose« (dt. 1982) machte Eco weltberühmt. Seine wissenschaftliche Laufbahn machte ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der Semiotik weltweit. Seine Leistungen wurden inzwischen mit nicht weniger als 17 Ehrendoktorwürden aus aller Welt honoriert. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Derrick oder die Leidenschaft für das Mittelmaß Die Derrick-Serie erfreut sich auch in Italien großer Beliebtheit. Im Licht des gesunden kritischen Menschenverstandes gäbe es keinen Grund, warum sie den Leuten gefallen sollte. Der Protagonist hat einen wäßrigen Blick und das traurige Lächeln eines geborenen Witwers, er trägt Anzüge von der Stange mit grauenvollen Krawatten, und seine Mitstreiter gehen in Lederjacken und Jeans, die nicht einmal richtig verwaschen sind. Die Innendekors stürzen noch den muntersten Possenreißer in unheilbare Betrübnis, und die Außenaufnahmen zeigen das Schlimmste, was Bayern zu bieten hat (dabei gäbe es dort wahrhaftig Besseres zu sehen). Man könnte nun meinen, zumindest das detektivische Grundmuster der Geschichten sei originell und Derrick erobere sein Publikum durch Proben von außergewöhnlicher Intelligenz. Doch das Grundmuster hat, im Verhältnis zu den Detektivgeschichten von einst, nur eine sehr abgestandene Neuheit, die schon weidlich von der Columbo-Serie ausgeschlachtet worden ist: Das Publikum weiß sofort, wer der Täter ist und wie er die Tat begangen hat. Der Reiz besteht darin, zu sehen, wie der Polizist, der es nicht weiß, den Täter errät und ihn anhand sehr spärlicher Indizien dazu bringt, sich zu verraten. Aber Columbo (der übrigens nicht schlechter als Derrick gekleidet ist, denn er pflegt einen Schlabberlook avant la lettre) bewegt sich mit seinen proletarischen Manieren in einer Welt schöner, reicher und mächtiger Kalifornier, die ihn wie einen Fußabtreter behandeln (wozu er sie ermuntert), in der Gewißheit, daß es diesem schäbigen Nachkommen zwielichtiger Immigranten nicht gelingen wird, ihre Deckung zu durchbrechen und die Barriere ihrer glänzenden Arroganz einzureißen. Columbo, der es versteht, scharfsinnige Bemerkungen über das zu machen, was für die anderen marginal ist, treibt sie mit psychologischen Tricks von perfider Raffiniertheit in die Enge und bringt sie schließlich zu Fall, indem er gerade ihren Dünkel ausnützt. Die Zuschauer genießen diesen Sieg des Pygmäen über die Elefanten und gehen zu Bett mit dem schönen Gefühl, daß einer, der genauso bescheiden und ehrlich wie sie ist, sie gerächt hat, indem er widerlich reiche, schöne und mächtige Leute bestraft. Nicht so Derrick. Er hat es fast immer mit Leuten zu tun, die niedriger stehen und schlechter gekleidet sind als er, dazu noch psychisch labil und eingeschüchtert durch einen Vertreter des Gesetzes, wie es bei jedem guten Deutschen vorkommt. Seine Schuldigen sehen so unverschämt schuldig aus, daß sie gewöhnlich sogar von Harry erkannt werden (der offensichtlich ohne vorgängigen Intelligenztest in die bayerische Polizei aufgenommen worden ist), sie brechen fast sofort zusammen, es scheint, als ob sie geradezu danach lechzten. Wie kommt es dann, daß Derrick so gut gefällt? In einem kürzlich erschienenen Sammelband mit dem Titel "Die Leidenschaften im TV-Serial"* sind die in den Serien Beautiful, Twin Peaks und eben Derrick verwendeten "Leidenschafts-Strategien" untersucht worden. Ich kann die Analyse des Derrick-Teils hier nicht im einzelnen wiedergeben, sie füllt etwa dreißig Seiten, aber sicher ist, daß sie Antworten auf die oben gestellten Fragen gibt. Für die einzelnen Folgen werden nie außergewöhnliche Fälle gewählt, sondern Vorkommnisse von der Art, wie sie auch im Lokalteil der Zeitungen stehen und jedem von uns passieren könnten. Deswegen ist es von grundlegender Bedeutung, daß weder strahlende Helden noch Erzbösewichter in ihnen auftreten. Sowohl der Gesetzesbrecher wie der Gesetzesvertreter sind stets von gegensätzlichen Leidenschaften zerrissen, von Verlangen nach Gerechtigkeit und nach persönlicher Rache, von Schuldgefühl und verständlicher Schwäche. Die Schauplätze dürfen nicht zu leicht wiedererkennbar sein, damit möglichst viele Zuschauer sich darin wie zu Hause fühlen können. Hinzu kommt ein Element, das ich zunächst gar nicht bemerkt hatte: Wie es scheint, benutzen die Personen in jeder neuen Folge immer die neuesten Automodelle, so daß der Zuschauer stets ein Klima vertrauter Alltagsaktualität vorfindet (den alten Karren von Lieutenant Columbo kann sich Derrick nicht leisten). Derrick findet die Wahrheit am Ende nicht deshalb heraus, weil er so verteufelt intelligent ist, sondern weil er Verständnis für seinen Gesprächspartner hat: Er mißtraut ihm nie völlig und nimmt seine Sorgen ernst - und man bedenke den Unterschied zu Columbo, der immer allen mißtraut! Zwar bedauert auch Columbo am Ende wie Derrick, daß er den Schuldigen ruiniert hat, aber Columbo bedauert es, weil ihm in diesem Kampf zweier Intelligenzen der Gegner - so groß die Unterschiede zwischen ihnen auch sind - im Grunde fast sympathisch geworden ist. Derrick hingegen leidet am Ende, weil er den Schuldigen von Anfang an gemocht, ja wie ein Onkel geliebt hat. Als Fazit heißt es im Schlußkapitel des erwähnten Sammelbandes, die Derrick-Serie sei ein "Vermittler zwischen Realität und Einbildung", da sie "die erzählten Gefühle normalisiert und in ihren Zuschauern eine parallele Normalität heraufruft". Sie sei "der Triumph der mediocritas, verstanden als ein ›In-der-Mitte-Stehen‹ und zu einem Wert geworden anstelle einer Anonymität". Jetzt versteht man, warum die Serie einen so großen Erfolg hat: Sie ist die Quintessenz aller TV-Spektakel, auch derer, in denen reale Personen auftreten, die nur geliebt werden, wenn sie sich auf triumphale Weise als noch mediokrer denn die mediokersten Zuschauer erweisen. Und es ist zwecklos, den Snob zu spielen: Derrick gibt allen ein gutes Gefühl, auch denen, die sich für überlegen halten, denn er läßt in jedem von uns die Mittelmäßigkeit wieder aufblühen, die wir glaubten verdrängt zu haben.

Auszug aus Derrick oder Die Leidenschaft für das Mittelmaß. Streichholzbriefe 1990 - 2000. von Umberto Eco. Copyright © 2000. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Derrick oder die Leidenschaft für das Mittelmaß Die Derrick-Serie erfreut sich auch in Italien großer Beliebtheit. Im Licht des gesunden kritischen Menschenverstandes gäbe es keinen Grund, warum sie den Leuten gefallen sollte. Der Protagonist hat einen wäßrigen Blick und das traurige Lächeln eines geborenen Witwers, er trägt Anzüge von der Stange mit grauenvollen Krawatten, und seine Mitstreiter gehen in Lederjacken und Jeans, die nicht einmal richtig verwaschen sind. Die Innendekors stürzen noch den muntersten Possenreißer in unheilbare Betrübnis, und die Außenaufnahmen zeigen das Schlimmste, was Bayern zu bieten hat (dabei gäbe es dort wahrhaftig Besseres zu sehen). Man könnte nun meinen, zumindest das detektivische Grundmuster der Geschichten sei originell und Derrick erobere sein Publikum durch Proben von außergewöhnlicher Intelligenz. Doch das Grundmuster hat, im Verhältnis zu den Detektivgeschichten von einst, nur eine sehr abgestandene Neuheit, die schon weidlich von der Columbo-Serie ausgeschlachtet worden ist Das Publikum weiß sofort, wer der Täter ist und wie er die Tat begangen hat. Der Reiz besteht darin, zu sehen, wie der Polizist, der es nicht weiß, den Täter errät und ihn anhand sehr spärlicher Indizien dazu bringt, sich zu verraten. Aber Columbo (der übrigens nicht schlechter als Derrick gekleidet ist, denn er pflegt einen Schlabberlook avant la lettre) bewegt sich mit seinen proletarischen Manieren in einer Welt schöner, reicher und mächtiger Kalifornier, die ihn wie einen Fußabtreter behandeln (wozu er sie ermuntert), in der Gewißheit, daß es diesem schäbigen Nachkommen zwielichtiger Immigranten nicht gelingen wird, ihre Deckung zu durchbrechen und die Barriere ihrer glänzenden Arroganz einzureißen. Columbo, der es versteht, scharfsinnige Bemerkungen über das zu machen, was für die anderen marginal ist, treibt sie mit psychologischen Tricks von perfider Raffiniertheit in die Enge und bringt sie schließlich zu Fall, indem er gerade ihren Dünkel ausnützt. Die Zuschauer genießen diesen Sieg des Pygmäen über die Elefanten und gehen zu Bett mit dem schönen Gefühl, daß einer, der genauso bescheiden und ehrlich wie sie ist, sie gerächt hat, indem er widerlich reiche, schöne und mächtige Leute bestraft. Nicht so Derrick. Er hat es fast immer mit Leuten zu tun, die niedriger stehen und schlechter gekleidet sind als er, dazu noch psychisch labil und eingeschüchtert durch einen Vertreter des Gesetzes, wie es bei jedem guten Deutschen vorkommt. Seine Schuldigen sehen so unverschämt schuldig aus, daß sie gewöhnlich sogar von Harry erkannt werden (der offensichtlich ohne vorgängigen Intelligenztest in die bayerische Polizei aufgenommen worden ist), sie brechen fast sofort zusammen, es scheint, als ob sie geradezu danach lechzten. Wie kommt es dann, daß Derrick so gut gefällt? In einem kürzlich erschienenen Sammelband mit dem Titel "Die Leidenschaften im TV-Serial"* sind die in den Serien Beautiful, Twin Peaks und eben Derrick verwendeten "Leidenschafts-Strategien" untersucht worden. Ich kann die Analyse des Derrick-Teils hier nicht im einzelnen wiedergeben, sie füllt etwa dreißig Seiten, aber sicher ist, daß sie Antworten auf die oben gestellten Fragen gibt. Für die einzelnen Folgen werden nie außergewöhnliche Fälle gewählt, sondern Vorkommnisse von der Art, wie sie auch im Lokalteil der Zeitungen stehen und jedem von uns passieren könnten. Deswegen ist es von grundlegender Bedeutung, daß weder strahlende Helden noch Erzbösewichter in ihnen auftreten. Sowohl der Gesetzesbrecher wie der Gesetzesvertreter sind stets von gegensätzlichen Leidenschaften zerrissen, von Verlangen nach Gerechtigkeit und nach persönlicher Rache, von Schuldgefühl und verständlicher Schwäche. Die Schauplätze dürfen nicht zu leicht wiedererkennbar sein, damit möglichst viele Zuschauer sich darin wie zu Hause fühlen können. Hinzu kommt ein Element, das ich zunächst gar nicht bemerkt hatte Wie es scheint, benutzen die Personen in jeder neuen Folge immer die neuesten Automodelle, so daß der Zuschauer stets ein Klima vertrauter Alltagsaktualität vorfindet (den alten Karren von Lieutenant Columbo kann sich Derrick nicht leisten). Derrick findet die Wahrheit am Ende nicht deshalb heraus, weil er so verteufelt intelligent ist, sondern weil er Verständnis für seinen Gesprächspartner hat Er mißtraut ihm nie völlig und nimmt seine Sorgen ernst - und man bedenke den Unterschied zu Columbo, der immer allen mißtraut! Zwar bedauert auch Columbo am Ende wie Derrick, daß er den Schuldigen ruiniert hat, aber Columbo bedauert es, weil ihm in diesem Kampf zweier Intelligenzen der Gegner - so groß die Unterschiede zwischen ihnen auch sind - im Grunde fast sympathisch geworden ist. Derrick hingegen leidet am Ende, weil er den Schuldigen von Anfang an gemocht, ja wie ein Onkel geliebt hat. Als Fazit heißt es im Schlußkapitel des erwähnten Sammelbandes, die Derrick-Serie sei ein "Vermittler zwischen Realität und Einbildung", da sie "die erzählten Gefühle normalisiert und in ihren Zuschauern eine parallele Normalität heraufruft". Sie sei "der Triumph der mediocritas, verstanden als ein ›In-der-Mitte-Stehen‹ und zu einem Wert geworden anstelle einer Anonymität". Jetzt versteht man, warum die Serie einen so großen Erfolg hat Sie ist die Quintessenz aller TV-Spektakel, auch derer, in denen reale Personen auftreten, die nur geliebt werden, wenn sie sich auf triumphale Weise als noch mediokrer denn die mediokersten Zuschauer erweisen. Und es ist zwecklos, den Snob zu spielen Derrick gibt allen ein gutes Gefühl, auch denen, die sich für überlegen halten, denn er läßt in jedem von uns die Mittelmäßigkeit wieder aufblühen, die wir glaubten verdrängt zu haben.
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