Schon auf den ersten Seiten des Buches macht Kerr klar: die Apokalypse ist bereits geschehen. Anders als in den geläufigen Dystopien und Endzeit-Geschichten, gab es nicht ein auslösendes Ereignis, sondern schlichtweg eine Reihe von Katastrophen: Kriege, Umwelt- und Naturkatastrophen. Letztendlich wurde die Gesellschaft in zwei Klassen unterteilt: Der Abschaum und breite Masse der P2-Infizierten und die stinkreichen Nicht-Infinizierten.
P2 ist ein Virus, das nur durch eine komplette Bluttransfusion geheilt werden kann. In dieser Welt ist Blut gleichbedeutend mit Kapital und Macht, was dem Begriff "Blutbank" neue Dimensionen beschert.
Das aber ist lediglich das Setting von Kerrs Geschichte, von der an dieser Stelle nicht viel verraten werden soll, denn ich fand sie außerordentlich spannend.
Nahezu jede Seite des Buches bietet gut recherchiertes Wissen - zumindest wirkt es so auf mich -, das ich des öfteren nicht nachvollziehen konnte. Dennoch hatte ich damit überhaupt keine Probleme, denn jede kompliziertere Aussage in dem Buch, wird infolge verständlich erklärt, oder mit einer erläuternden Fußnote versehen. Mich riss das nicht aus dem Lesefluss, im Gegenteil, für mich entwickelte diese Sprache einen starken Sog.
Ideenlosigkeit kann man Kerr beileibe nicht vorwerfen. Das Buch ist gefüllt mit ausgezeichneten unerwarteten Ereignissen, und vielen kleinen Details - vorallem wissenschaftliche - die ungewöhnlich und spannend sind.
Gegen Schluss hin wird Kerr metaphysischer und philosophischer. Auch wenn ich da seine Ansichten nicht teilen kann, halte ich die Auflösung der Geschichte fast für einen Geniestreich. Ich kann dieses Buch besten Gewissens weiterempfehlen, vor allem für Leute die das Genre mögen.