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Ein wenig schade, daß die deutsche Übersetzung des Titels so einen Fingerzeig Richtung Esoterik beinhaltet. Im Original heißt dieser Klassiker aus den 80er Jahren nämlich "The Road Less Travelled", womit der Weg zu individueller Selbstfindung und -erweiterung, um die es geht, viel treffender gecovered wird.
Die Übersetzung des Inhalts allerdings ist sehr gelungen, der Atem des Autors scheint aus den Sätzen zu hauchen.
Im Untertitel stellt sich das Buch vor als "Eine neue Psychologie der Liebe und des spirituellen Wachstums", womit die Kernpunkte im Wesentlichen definiert sind. Spiritualität steht hier aber nicht im Sinn von der Hinwendung zu vorgefertigten religiösen Anschauungen oder Gottesbildern, sondern meint den Weg zur Entdeckung und Stärkung des individuellen Bewußtseins und der damit verbundenen Verantwortung gegenüber sich selbst (Disziplin) und anderen (Liebe).
In vielen Fallbeispielen aus seiner psychoanalytischen Praxis zeigt M. Scott Peck, wie aus den Schwierigkeiten oder dem Scheitern im Lebensalltag und in Beziehungen Kraft und Wachstum
gekeltert werden kann, wie Menschen zu eigenständiger Urteilskraft, Reife und liebender Selbsterweiterung kommen können.
Die Liebe ist somit auch das zentrale Thema des Buches: Mehr philosophisch als analytischunterscheidet Peck zwischen "Verliebtheit", dem "Gefühl von Liebe", "romantischer Liebe" und
echter Liebe. Mit letzterer meint er die bewußte Hinwendung zu einem oder mehreren anderen Menschen, um im Zusammenklang gegenseitiger Verantwortung deren und die eigene Entwicklung zu
fördern.
Wobei natürlich die unerschiedlichen Formen der Liebe einander zuspielen und sich ergänzen können.
Aber auch einengende Abhängigkeiten, unrealstische Idealisierungen, psychischer und körperlicher Mißbrauch sowie überholte Rollenverständnisse werden vom Autor sehr anschaulich seziert.
Auch wenn das Buch bei Goldmann in der Reihe "Grenzwissenschaften/ Esoterik" erschien, hat es damit kaum etwas am Hut. Nichts Spekulatives oder Guruhaftes schwingt in den Betrachtungen mit, sondern fundierte Wissenschaft, genaue Beobachtung, Menschenkenntnis und ein guter Schuß Philosophie.
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