Scalzi ist für mich, was früher einmal ein R.A. Heinlein mit seinen Romanen darstellte. Wer eine der Geschichten von Scalzi liest, kann wieder den "Sense of Wonder" verspüren, der viele der früheren S&F Werke auszeichnete, dabei wird viel Rücksicht auf das technisch und physikalisch Machbare gelegt. Eine in sich logische Storyentwicklung zeichnen diesen Autor und seine Werke aus. Bemerkenswert ist die durchgängig humorvolle Erzählweise, die alle Register zieht ohne je albern zu werden.
Es ist zwischendurch sehr erfrischend mal wieder eine lineare, aus einer einzigen Perspektive erzählte Geschichte zu lesen und dies so, dass sich der Leser voll auf das Kopfkino der "Helmkamera" konzentrieren kann.
Holloway heißt unser "Held" und ist ein verkrachter Ex-Anwalt, der sich auf einer Rohstoffwelt als Scheinselbstständiger Prospektor durchschlägt, bis er die Entdeckung seines Lebens macht und von da an überschlagen sich die Ereignisse. Der Roman ist so eine Art Triller mit brutalen Großkonzernen, Intrigen, raffiniert konstruierten Gerichtsverhandlungen und vielem mehr. Es geht um Umweltzerstörung zugunsten von Profitmaximierung und bedrohte Lebensformen, leider kann ich mich nicht mehr an die entsprechenden Inhalte des im Vorwort erwähnten Ursprungsromans erinnern. Es kommen keine Raumflotten und militärische Auseinandersetzungen vor, überhaupt spielt die Technik nur eine untergeordnete Rolle.
Erst das Lesen einer anderen Rezension hat mich auf ein scheinbares Problem aufmerksam gemacht: Scalzi verzichtet bewusst auf Personenbeschreibungen - kein Holloway wäre so und groß, blond oder dunkel, dick oder dünn etc. Beim Lesen ist mir dies überhaupt nicht aufgefallen und die Qualität dieses Autors ist es gerade, dass man sich die Figuren und die Orte auch so vorstellen kann "an ihren Worten und Taten sollt ihr sie erkennen"- klappt! Ich habe Holloway als eine Art Harrison Ford erlesen/erlebt, eine Figur wie Han Solo, schlitzohrig, egoistisch und doch loyal, ohne das man ihn völlig durchschaut. Auch die anderen Figuren sind in ihren Handlungen ähnlich liebevoll ausgeführt und nur minimal stereotyp, es ist halt schwierig jedes Mal etwas nie dagewesenes zu erschaffen.
Scalzi gehört zu den wenigen Autoren, deren Werke ich blind kaufe.