Keine Frage, schon auf der ersten Seite wird klar, dass dieses Buch für Jugendliche geschrieben wurde. Ebenso wird man im Laufe des Buches auf die Frage stoßen, wie wahrscheinlich es ist, dass zwanzig Jahre Altersunterschied in einer Beziehung einfach so überwunden werden können, noch dazu, wenn einer der Partner gerade erst dabei ist, seine Persönlichkeit voll zu entfalten. Die Reaktionen der Familien sind dagegen durchaus realistisch, nicht alle Eltern reagieren mit Entsetzen und Hausverweis auf die Homosexualität ihrer Kinder ;-) Doch diese beiden Punkte sind schwer sachlich zu beurteilen, wie man dazu steht und was man darüber denkt, hängt viel von der persönlichen Lebenserfahrung des Lesers ab. Wenn man also diesen Teil bei der Beurteilung dieses Buches außen vor läßt, entdeckt man, dass "Der weite Horizont" ein ganz wunderbares Buch über die erste große Liebe ist. Vor allem finde ich es bemerkenswert, wie gut es der Autorin gelingt, die persönliche Entwicklung der Schülerin sichtbar zu machen, ohne mit dem Zeigefinger darauf zu zeigen. Ich habe dieses Buch gerne gelesen. Wahrscheinlich werde ich es auch noch ein zweites Mal lesen, gerade weil es kurz ist und kurzweilig geschrieben. Es macht Spaß, diesem jungen Mädchen bei einem großen Schritt Richtung persönlicher Reife zuzuschauen, bzw. zuzuhören, wie sie davon erzählt, aber durch das Erzählen eigentlich erst dieser Schritt beendet wird. Ganz klar sei aber auch gesagt, dass man keine Aversion gegen jugendliche Sprache haben, und keine philosophischen Erkenntnisse erwarten sollte. Und schon gar nicht einen Lesben-Kampf-Roman. Es ist eine Art Lesesnack zur ersten Liebe, aber ein sehr wohlschmeckender.