Über Geschmack lässt sich streiten, über Dichtung und Wahrheit ebenfalls, zumindest wenn beides vermischt wird. Bei dem vorliegenden Druckerzeugnis handelt es sich mitnichten um ein korrekt recherchiertes Zeitdokument, sondern vielmehr um eine Art abenteuerlichen Simplizissimus, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, jedoch nicht, weil im Alter das Gedächtnis nachlässt, vielmehr werden Fakten verbogen und postum zurechtgelogen aus einem narzißtischen Willen heraus, sich selbst ins rechte Licht zu rücken und andere Zeitgenossen dabei wie Deppen dastehen zu lassen. So wird ein Dummerjungenstreich in journalistischer Manier zu einer kulturhistorischen Heldentat aufgebauscht, die letztlich die "friedliche Revolution" in der DDR eingeleitet haben soll. Es wird eine Künstlergemeinschaft heraufbeschworen, die in der beschriebenen Form nie existiert hat. Man fälscht Namen und Titel, um das Ganze vor den Augen der Nachwelt im Sinne der Autoren und des Gesamtkonzeptes vollmundiger erscheinen zu lassen. Opportunistisches Mitschwimmen auf den Wellen des Zeitgeistes wird für die Leserschaft zu avantgardistischem Vorreitertum umgemodelt. Geschickt plaziert und rechtzeitig zum 50jährigem Mauerjubiläum serviert stehen unsere Helden mit stolzgeschwellter Brust da in Erwartung der Bundesverdienstkreuze, die man ihnen für ihre Glanzleistungen verdientermaßen um den Hals hängen sollte.
Fazit: Wer flippig und flapsig vorgetragene Ost-West-Action-Storys aus den Achtzigern mag, wird hier gut bedient. Allen anderen, vor allem geschichtlich interessierten Lesern, ist von der Lektüre eher abzuraten.