Okay. Der Sohn von Stephen King. Talent und Phantasie des Vaters hat er geerbt, keine Frage. Dieses Buch, sein erster Roman, beschäftigt sich mit der aktuellen Politik unter Bush jr. Übernatürliches fehlt. Kein Horror weit und breit; vermutlich ist er klug genug, davon die Feder zu lassen.
Die Geschichte beginnt schräg und durchaus unterhaltsam. Die zentrale Figur ist der sechszehige Teenager George, der es mit seiner Familie nicht leicht hat. Seine Mutter, die ihn allein erzieht, mutet ihm nacheinander die unterschiedlichsten Typen zu. Der neueste, ein spießiger Arzt, ist dabei, den Vogel abzuschießen. George kommuniziert ab sofort mit seiner Mutter nur noch schriftlich per Zettel. Die hat es auch sonst nicht leicht, beruflich hat sie es mit fanatischen Abtreibungsgegnern zu tun, die ihr schließlich zum Verhängnis werden. Seine Großmutter, eine beinharte Gewerkschafterin (Klagt nicht! Organisiert euch!) ist verstorben und hat Georges Großvater etwas verwahrlost, aber keineswegs orientierungslos, zurückgelassen. Der Junge kümmert sich liebevoll um ihn. In Opas Garten steht eine riesige Tafel, auf dem dieser unmissverständlich erklärt, dass Al Gore der wahre Präsident der Vereinigten Staaten ist und Bush sich die Präsidentschaft mit unlauteren Machenschaften unter dem Nagel gerissen hat. Ganz klar, dass diese Tafel schon bald heftigen Attacken ausgesetzt ist. Außerdem fehlt ständig ein Teil seiner Zeitung. Großvater rüstet sich zum Kampf und der Enkel soll ihm beistehen.......
Witzig und einfallsreich entwirft der junge King sein ländliches Amerika der Außenseiter, Träumer und unerschrockener Kämpfer für die gerechte Sache. Aber. Irgendwann ist einfach die Luft draußen und das Buch geht in einem Strudel von kurz angerissenen Ereignissen zu Ende und schafft so Platz für eine Kostprobe von Kurzgeschichten, sein bisher bevorzugtes Gebiet, auf dem er auch schon ausgezeichnet wurde. Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass er irgendwann das Interesse am Erzählen dieser Geschichte in Romanform verloren hatte und das Ganze ungeduldig und schnell zu Ende bringen wollte. Vielleicht macht er es beim nächsten Versuch besser, das Potential dazu hat er ja.
Die sich anschließenden Kurzgeschichten sind skurril und eigenartig. Ein Zahnarzt in der Wildnis, ein Alt-Hippie im Einkaufszentrum und ein Baseballspieler, der in die Jahre kommt, bevölkern sie. Apropos Baseballspieler: Auch bei King jr. spuken die Boston Red Sox und Fenway Park durch das Buch - ganz wie bei Papa und etlichen anderen amerikanischen Autoren. Diese uramerikanische Sportart und besonders dieses Erstliga-Team scheinen fest in den Teenagererinnerungen vieler Amerikaner verankert zu sein.