Eine Maschine, ein Perpetuum mobile, bei der die einzelnen Bauteile Familiennamen tragen, steht symbolisch für die zahlreichen Verbindungselemente, die die Historie einer Familie darstellen und zusammenhalten. Der Autor des Romans, Ugo Riccarelli, wurde 1954 in Turin geboren, lebt heute in Rom. Das Cover des Buches zeigt ein italienisches Gemälde mit dem Titel Erinnerungen an einen Schmerz.
Zum Inhalt: Die Geschichte spielt in der Toskana. Zwei Familien erleben die italienische Einigung, die Schrecken und Wirren von zwei Kriegen, werden mit Anarchisten, Faschisten und Sozialisten konfrontiert. Die eine Familie, ist die der Witwe Bartoli, die mit ihrem achtjährigen Sohn Bartolo ein Haus mit sechs Zimmern bewohnt. Das Haus liegt auf einem Berg, und von dort sieht man in die Ebene, in der die Eisenbahngleise immer weiter heranrücken. Ihr Mann ist bei den Arbeiten an einem Viadukt von einer Eisenbahn erfasst und getötet worden. Zwei Vorarbeiter der Eisenbahngesellschaft bewohnen zwei Zimmer des Hauses. In das dritte Zimmer zieht der Maestro, ein aus dem Süden Italiens angereister Dorflehrer. Er ist ein glühender Anarchist, der für ein besseres Leben der Arbeiterklasse kämpft. Die Witwe Bartoli ist eine korrekte, ordentliche und zuverlässige Wirtin, deren Leben nach dem Tod des Mannes von Einsamkeit geprägt ist. Und eines Tages geschieht, was geschehen musste, der Maestro verliebt sich in die Witwe Bartoli. Sie führen eine glückliche Ehe aus der vier Kinder hervorgehen.
Dann gibt es in dieser kleinen Stadt die Familie des Schweinezüchters Odysseus Bertorelli. Die Kinder heißen sinnigerweise Hector, Ortest und Annina. Die Mutter Rosa brennt eines Tages mit einem Puppendoktor durch. Die Schicksale der beiden Familien vermischen sich als der kluge und warmherzige Cafiero die forsche Annina heiratet. Eigentlich kann es zu keiner harmonischen und glücklichen Verbindung kommen, denn einerseits sind die beiden Familien verfeindet, andererseits die Zeiten voll politischer Unruhen.
Der Begriff Der vollkommene Schmerz taucht immer wieder auf, denn zu jedem Leben gehören nicht nur Glück, Harmonie und Zufriedenheit, sondern auch Enttäuschung, Schmerz und Tod. Und jedes Mal, wenn der Schmerz, bei dem Verlust, dem Tod einer der Romanfiguren des Romans, die Kraft zum Weiteleben zu lähmen scheint, dann geht es doch immer wieder weiter, denn der Schmerz gehört ja zum Leben dazu. Ertragen kann man ihn erfahrungsgemäß natürlich nur dann, wenn man auch bereit ist ihn anzunehmen.
Es ist ein große, hinreißend erzählter Bilderbogen, 100 Jahre Italien, von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, über diese beiden so unterschiedlichen Familien mit Träumern, Pragmatikern, Geschäftemachern, Abenteurern und Erfindern. Es ist ein kostbarer Roman, weil er letztlich die Freude am Leben zeigt, trotz des vollkommenen Schmerzes.
Eine Geschichte voller Leidenschaft und Poesie, ein bewegender Familienroman, der am ehesten an den großartigen Roman Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez erinnert. Ein Elementarereignis, ein Buch, wie es seit Jahrzehnten in Europa nicht geschrieben worden ist. Ein wunderbares Buch, rasant geschrieben, von unglaublicher Sogkraft, in einer Klarheit und Musikalität der Sprache, die geradezu phantastisch ist. Ein grandioses literarisches Ereignis.