Ich kann mir gut vorstellen, dass es ziemlich schwierig war, für diesen Roman einen Buchtitel und ein geeignetes Buchcover zu finden. Beides ist dem Verlag hervorragend in der Kombination Bild und Titel gelungen. Die obere Hälfte des Coverbildes wird von wunderschönen Blättern eingenommen, die zart und dunkelrot sind und an Lippen erinnern.
Darunter ein idyllisches Bild von Fischern auf einem Fluß oder auf dem Meer. Lediglich der Titel weist darauf hin, dass mehr kommt als nur eine romantische Liebesgeschichte...und es kommt sehr viel mehr.
Das Buch handelt von der einzigartigen, sehr stark unter die Haut gehenden Liebes- und Leidensgeschichte zweier Menschen, die zwar Fiktion ist, aber deren Geschichte sich genau so in unserer zerrissenen, kranken Welt zugetragen haben könnte, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Und es sei gewarnt: wer dieses Buch liest, wird es nicht mehr aus der Hand legen können, so sehr schafft es diese Ausnahme-Autorin, den Leser zu fesseln und durch ihre einzigartige Schreibweise bis ins Mark zu erschüttern. Mir jedenfalls wird sie noch lange in Erinnerung bleiben und ich kann mir absolut niemanden vorstellen, dem bei diesem Roman nicht das Herz bricht.
Meinen zutiefst empfundenen Respekt vor dieser Autorin. Kim Echlin ist eine wirkliche Künstlerin.
Zum Inhalt gibt es kaum etwas zu sagen, ohne dass man zuviel vorweg nehmen würde, was man sich besser erlesen sollte:
Anne Greves, Highschool-Schülerin und wohnhaft in Montreal, verliebt sich zum Entsetzen und Unwillen ihres Vaters in Serey, einen um einiges älteren Studenten und Tutor der Mathematik an der UNI ihres Vaters. Serey ist außerdem Bluesmusiker und stammt aus Kambodscha. Die Liebe zur Musik und ihre Aufgeschlossenheit und Neugierde auf alles im Leben verbindet die beiden auf Anhieb. Und sie lassen sich beide nicht nur aufeinander rückhaltlos ein, sondern erleben einige Monate zutiefst erfüllender Liebe und Leidenschaft und auch die Leichtigkeit einer wirklich guten Beziehung.
Doch dann holt die raue Wirklichkeit die beiden ein: Die Grenzen von diesem vom Krieg und unendlicher Grausamkeit und Hass gebeutelten Land Kambodscha werden geöffnet und Serey möchte herausfinden, ob seine Familie noch lebt und was ihr zugestoßen ist. Er möchte zu diesem Zweck nach Kambodscha zurück und Gewissheit bekommen. Geplant ist diese gefährliche Reise aus nachvollziehbaren Gründen ohne Anne, denn Serey weiß nicht, was ihn erwarten wird.
Zehn Jahre hört und liest Anne nichts von Serey, versucht, so gut es geht, ohne ihn zu leben und es wird doch jedem klar, dass das nicht geht. In einer Fernsehreportage über eine Versammlung irgendwo in Kambodscha meint sie Serey in der Menschenmenge zu sehen und reist ihm auch sofort ohne zu Zögern hinterher. Das Unwahrscheinliche geschieht: die Liebenden finden wieder zueinander, klären, wieso sie unverschuldet nichts voneinander hören und lesen konnten und versuchen, in dem immer noch zerrissenen, geschundenen und zermürbten Land einfach nur zusammen glücklich zu sein.
Doch erneut schlägt die harte Wirklichkeit zu. Der Krieg und das Leiden haben in Serey ihre Spuren hinterlassen und er hat eine lebensgefährliche Entscheidung getroffen.
Mehr sei nicht zum Inhalt verraten, außer, dass es wirklich kein leichter Stoff ist, den Kim Echlin uns da zu schlucken gibt. Das Buch, die Geschichte, die sie erzählt und ihr Schreibstil ist eine ganz besondere Erfahrung, über die ich glücklich und dankbar bin, dass ich sie machen durfte, so hammerhart sie einen auch angeht.