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Produktinformation
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Roeland Kerboschs poetische Mutprobe, (sehr) frei nach Rudi van Dantzigs Autobiographie, besticht durch erstaunliche Glaubwürdigkeit, wo Glaubwürdigkeit eigentlich nicht sein darf.
Die Story: Nordholland, Frühling 1945, allierte Truppen schlagen die Deutschen Besatzer in die Flucht, lassen sich als Helden feiern und von willigen Dorfschönheiten dafür besolden. Der zwölfjährige Jeroen, von Marteen Smith atemberaubend natürlich und aussergewöhnlich ausbalanciert dargestellt, lernt als melancholischer, landverschickter Amsterdamer dabei den pädophilen Kanadischen Soldaten Walt (von Andrew Kelley faszinierend ambivalent gespielt) kennen. Walt wird für Jeroen der Freund, der fremdsprachige Befreier und der Geliebte, der des Jungen Bedürfnis nach männlicher Zuneigung erwidert. Am Tag, als die beiden das Deutsche Warnschild "Sperrgebiet - betreten verboten" hinter sich lassen, mutiert die abenteuerliche, liebevolle, spielerische und erotische Beziehung vollends zu einer sexuell gefärbten. Doch plötzlich, heimlich, ohne dem Jungen einen Abschied zu gönnen, rückt der Soldat ab gen Deutschland. Was Jeroen bleibt, ist der Schmerz über den Verlust seines Freundes, das Gefühl, herb verlassen worden zu sein und die bittersüsse Erinnerung an die erste grosse Liebe. Erwachsen, 35 Jahre später, macht sich Jeroen daran, als schwuler Choreograf auf die Suche zu gehen nach Antworten, auf die Suche nach seiner Kindheit im Krieg und nach seinem verlorenen Soldaten.
Kerbosch schreckt nicht davor zurück, in seinem 1993 entstandenen Werk, getragen von herb-schönen Bildern, den direktesten Weg zur Aufzeichnung der Optik des Jungen zu gehen. Er bleibt dabei moralin- und weitgehend wertungsfrei und lässt die Beziehung der beiden ungleichen Partner aus sich selbst heraus erzählen. Der Film ist ein Muss für politisch Unkorrekte und für all jene, deren Horizont nicht durch die Schlagzeilen der Skandalblätter eingeengt ist: Einfühlsam, ehrlich, radikal.
Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt. Ihr Leben kommt ihnen vor wie eine Dauerwurst, die sie allmählich aufessen, und was gegessen worden ist, existiert nicht mehr. (Erich Kästner)
Die größte Gefahr ist, dass dieser Film glaubwürdig erscheint.
Es ist und bleibt Missbrauch. Lesen Sie weiter...
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