oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
oder
Mit kostenloser Probeteilnahme bei Amazon Prime. Melden Sie sich während des Bestellvorgangs an. Erfahren Sie mehr
Jetzt eintauschen
und EUR 1,20 Gutschein erhalten
Eintausch
Alle Angebote
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Der Artikel ist in folgender Variante leider nicht verfügbar
Keine Abbildung vorhanden für
Farbe:
Keine Abbildung vorhanden

 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Der verirrte Messias: Roman [Gebundene Ausgabe]

Peter Henisch
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 24,90 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o
Nur noch 2 auf Lager (mehr ist unterwegs).
Verkauf und Versand durch Amazon. Geschenkverpackung verfügbar.
Lieferung bis Mittwoch, 22. Mai: Wählen Sie an der Kasse Morning-Express. Siehe Details.

Weitere Ausgaben

Amazon-Preis Neu ab Gebraucht ab
Gebundene Ausgabe EUR 24,90  
Taschenbuch EUR 11,90  

Kurzbeschreibung

27. Juli 2009
Dass ein junger Mann, der nach Israel fliegt, die Bibel liest, ist vielleicht nicht ungewöhnlich, doch dass er bei dieser Lektüre lacht, findet Barbara, die im Flugzeug neben diesem seltsamen Menschen sitzt, befremdlich. Da beginnt er, ihr die Passage, die er gerade gelesen hat, auf seine Weise zu erzählen, so, als wäre er dabei gewesen. Barbara hält das vorerst für eine schräge Art von Humor, doch seine Ernsthaftigkeit wird ihr schließlich unheimlich. Wieso sie sich nach einer außerplanmäßigen Zwischenlandung in Rom von Myschkin - so nennt er sich - zum Essen einladen lässt, bleibt ihr selbst ein Rätsel. Am nächsten Tag, auf dem Flughafen von Tel Aviv, ist sie froh, ihn loszuwerden. Doch nach ihrer Rückkehr erwartet sie zu Hause der erste einer Serie von Briefen aus Israel, in denen ein Mann, der sich mit Jesus identifiziert, herauszufinden versucht, warum die Erlösung nicht stattgefunden hat - bis heute.

Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen


Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Deuticke im Zsolnay Verlag (27. Juli 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3552061169
  • ISBN-13: 978-3552061163
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,6 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 522.600 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Entdecken Sie Bücher, lesen Sie über Autoren und mehr

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Was da geboten wird, ist politische und Kulturkritik, ironisch, sarkastisch, bis an die Grenze zum Slapstick." Walter Grünzweig, Der Standard, 25.07.09

"Der Schriftsteller, der sich auch in seiner neuen Arbeit als souveräner und unaufgeregt präziser Erzähler erweist, präsentiert sich obendrein als Fachkraft des Formalen." Profil, 27.07.09

" Das Sympathische an diesem Buch ist, daß es nicht abschließend erklärt. Eher setzt es eine nachhaltige Verstörung in Gang." Brigitte Schwens-Harrant, Die Presse, 01.08.09

"Henisch, ein exzellenter Kenner der Evangelien, beherrscht nicht nur seinen Stoff, sondern vor allem das Handwerk des Romanciers." Karl Markus Gauss, Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2009

"Ein faszinierender Text. Er changiert zwischen Ernst und Ironie, ein Lesegenuß." Stefan Rammer, Passauer Neue Presse, 09.10.09

Über den Autor

Peter Henisch wurde 1943 in Wien geboren. Er ist Mitbegründer der Zeitschrift ›Wespennest‹ und der Musikgruppe ›Wiener Fleisch und Blut‹. Sein literarisches Werk wurde vielfach ausgezeichnet.

-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?


In diesem Buch (Mehr dazu)
Ausgewählte Seiten ansehen
Buchdeckel | Copyright | Auszug
Hier reinlesen und suchen:

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Peter Henisch, Jahrgang 1943 , zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern deutscher Sprache. Mit seinen beiden letzten Romanen "Die schwangere Madonna"( 2005) und "Eine sehr kleine Frau" (2007) war er jeweils auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und insbesondere das letzte Buch mit seinem autobiographisch geprägten Text über seine Großmutter hätte diesen Preis wirklich verdient gehabt.

Sein neuer, hier vorliegender Roman "Der verirrte Messias" umspannt einen immensen Zeitrahmen: Er spielt zum einen in der Gegenwart und zum anderen reflektiert er mit starken künstlerischen Freiheiten, aber dennoch immer sehr nahe an der Überlieferung die Geschichte des Jesus von Nazareth, der sich selbst nie Christus nannte, aus dessen Worten und Taten aber insbesondere der Apostel Paulus eine durchkomponierte Religion formte, die bis heute einer der großen Weltreligionen darstellt und deren Einfluss insbesondere auf die europäische Kultur im Rahmen der Debatte um die Rolle der Religion in einer "postsäkularen" (Habermas) Gesellschaft in den letzten Jahren wieder stark im Fokus vieler intellektueller und feuilletonistischer Debatten steht.

Der Roman, den man auch lesen kann als eine ehrliche und grundlegende Auseinandersetzung des Autors mit der jüdisch-christlichen Überlieferung, handelt von einer 39-jährigen Literaturkritikerin namens Barbara, in deren Lebensgegenwart die Geschichte beginnt mit einer Begegnung in einem Flugzeug. Als sie später einem Kollegen die Sache erklärt, sagt sie von der Geschichte, die ihr Leben verändern wird: "Allerdings reicht sie weit zurück in die Vergangenheit und womöglich reicht sie auch irgendwie in die Zukunft."

Sie wartet im Abflugbereich des Airports in Frankfurt auf ihren Flug nach Israel, wo sie ihre Halbschwester Esther besuchen möchte ( sie hat also, wie Peter Henisch selbst jüdisch-biographische Wurzeln), als sie ein seltsamer Mann anspricht: "Nein, er sah nicht ungewöhnlich aus. Ganz bestimmt nicht wie eine dieser Ikonen. Auch nicht wie irgendein Fanatiker oder Psychopath. Allerdings hatte sein Blick etwas Beharrliches." Mischa Myschkin hat Henisch in Anlehnung an Dostojewski diesen Mann mit russischer Abstammung genannt, der, dreißig Jahre alt, in Deutschland lebt und von einer Mission beseelt ist: "Es ist überhaupt die ernsteste Angelegenheit, die du dir vorstellen kannst", sagt er später im Flieger zu Barbara, neben die er zufällig (?) zu sitzen kommt. "Es geht um die ersten und die letzten Dinge! Es geht um die ganze Heil- und Unheilsgeschichte ! Es geht, ja verdammt noch einmal, um alles oder nichts!"

Noch im Flugzeug beginnt Mischa, von dem die nüchterne Barbara zunächst gegen ihren Willen mehr und mehr fasziniert ist, vom Heiligen Geist und vom Willen Gottes zu reden. Eine Störung der Elektronik ( Zufall ?) zwingt das Flugzeug zu einer Zwischenlandung in Rom, wo die beiden einen leidenschaftlichen Abend verbringen, der Barbara ganz in das Magnetfeld dieses außergewöhnlichen Menschen versinken lässt.

Einen Menschen, den Peter Henisch, mit vielen Rückblicken in die Zeit und das Leben von Jesus von Nazareth ergänzt, dem Leser als einen "verirrten Messias" präsentiert, der kritisch und auch enttäuscht versucht zu verstehen, was denn da in letzten zweitausend Jahren geschehen und nicht geschehen ist, der versucht, zu verstehen , was geworden ist aus einer Vision, die so viele Menschen bewegte und gleichzeitig so viel Unheil über die Welt brachte. Und einen Teil dieses Unheils der Welt betrachtet Henisch auf einer dritten Ebene, wenn er Mischa folgt auf seiner Reise zu den Schauplätzen des ersten Messias, und ihn von den politischen und religiösen Konflikten im Nahen Osten in vielen Briefen an Barbara berichten lässt.

Am Ende weiß er selbst nicht mehr, welcher Religion er wirklich angehören möchte. Peter Henisch hat in einem Interview zu seinem Buch gesagt: "Ich habe einerseits die Geschichte sehr ernst genommen, andererseits ihre ironischen Aspekte durchaus nicht vergessen. Für mich ist der Umgang mit den Evangelientexten und der Umgang mit der Geschichte, die mir dazu eingefallen ist, ein Spiel mit Möglichkeiten. Dieses Spiel mit Möglichkeiten wäre in früheren Zeiten wahrscheinlich als häretisch eingestuft worden - die Zeiten sind Gott sei Dank vorbei. Ich will Niemandes religiöse Gefühle verletzen, aber bei mir sehen die Dingen etwas anders aus."

Ein Buch, das auf hohem literarischen Niveau dazu geeignet ist, auf einer anderen Ebene einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zu leisten zu der eingangs erwähnten Debatte um die Rolle der Religion in der postsäkularen Gesellschaft.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Heike G HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Peter Henischs neuer Roman "Der verirrte Messias" spielt zum Teil vor über 2.000 Jahren. Kann man ihn als historischen Roman lesen? Eher nicht, denn die Geschichte beginnt in der Gegenwart. "Allerdings reicht sie weit zurück in die Vergangenheit und womöglich reicht sie auch irgendwie in die Zukunft.", erklärt die 39-jährige Literaturkritikerin Barbara einem ehemaligen Studienkollegen. "Eine ziemlich verrückte Geschichte."

Ziemlich verrückt ist die biblische Handlung wahrhaftig. Spricht doch ebenjene Literaturkritikerin in der Ablugzone des Flughafens Frankfurt ein ziemlich eigenartiger Typ an. Er will genau wie Barbara nach Israel. Doch Mischa Myschkin, wie er sich nennt (offensichtlich entleiht Henisch nicht ohne Grund den Namen seines Titelhelden aus Dostojewskis Roman "Der Idiot") hat eine andere "Mission".

Was ist denn nun so eigenartig an ihrem Flugbegleiter? Dass sein Profil etwas Schafartiges hat, gewiss nicht. Dass er während der Lektüre der Bibel mehrfach laut auflacht und bestimmte Passagen anders deutet und erzählt, als sei er tatsächlich vor Ort gewesen, verwundert schon mehr. Seine beruhigenden Worte, als das Flugzeug unversehens in Turbulenzen gerät: "Sie brauchen keine Angst zu haben, sagte er. Dieses Flugzeug stürzt nicht ab." - "So? Und warum nicht?" - "Weil ich an Bord bin." und die Behauptung, dass er offensichtlich Jesus von Nazareth sei, oder Jeschua wie er auf Aramäisch heißt, lassen Barbara schließlich am Wohlbefinden seines psychischen Gesundheitszustandes zweifeln.
Ein erstes Verwundern setzt jedoch ein, als er vom Heiligen Geist oder besser der Energie Gottes zu reden beginnt, kurz darauf die Flugzeugelektronik verrückt spielt und man zu einem unfreiwilligen Zwischenstopp in Rom gezwungen wird. Mehr und mehr gerät Barbara, die für Mischa seine Maria Magdalena des 21. Jahrhunderts zu sein scheint, in das Magnetfeld dieses suggestiven, irritierenden, aber auch imponierenden Menschen, mit einer "Ambivalenz von anziehenden und abstoßenden Kräften". Doch nach einem erschreckenden Vorkommnis bekommt sie es mit der Angst zu tun und flüchtet. Doch Mischa geht ihr nicht aus dem Kopf, zusätzlich genährt durch einen ausführlichen Brief von ihm, den sie nach ihrem Urlaub im Postkasten findet und dem noch viele weitere folgen sollen.

Nicht nur Barbara gerät in die Aura des vermutlichen Erlösers, sondern auch der Leser taucht unweigerlich in das von Peter Henisch großartig bis zur letzten Seite aufrechterhaltene Spannungsfeld ein. Mit unerwarteter Leichtigkeit, vermischt mit einem kühnen Schuss Ironie, entfaltet sich der Roman auf gleich drei Ebenen, die durch einen großen Bogen beherzt überspannt sind. Dem Autor gelingt ein famoser Brückenschlag zwischen den Zeiten. Da ist zum einen die sich sukzessiv entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Mischa und Barbara, zum anderen das hochbrisante politische Thema der nahöstlichen Situation: des krisengeschüttelten Israels und seines Nachbarn Palästina, von dem Mischa in seinen Briefen auf der Suche nach seinen Wurzeln berichtet und das sich zunehmend zu einem Alptraum entwickeln. Ein drittes Augenmerk liegt ohne Zweifel auf dem literarisch-ironischen Umgang mit den Evangelientexten.

Peter Henisch gelingt dies bar jedweder blasphemischer Diffamierung. Auch wenn der mysteriöse Jesus am Ende des Romans ernsthaft überlegt, welcher Religion er wirklich angehören möchte. "Entweder vorwärts zum Islam oder zurück zum Judentum. Dem Christentum ist allem Anschein nach der Boden unter den Füßen weggezogen."

Fazit:
Mit dem stark typologischen Roman "Der verirrte Messias" ist Peter Henisch ein außerordentlich dichter, äußerst origineller Text gelungen, der dem Leser einen "Messias" vorstellt, der kritisch und vielleicht auch ein wenig enttäuscht versucht, die letzten 2.000 Jahre zu verstehen. Hervorragend recherchiert und spannend bis zur letzten Seite changiert er zwischen Ernst, Ironie und Sarkasmus, zwischen politischer und kultureller Kritik.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geschichte über Glaube, Postmoderne und Identität 5. August 2010
Format:Gebundene Ausgabe
lesen hier die Erlebnisse und Gedanken eines jungen Mannes - Mischa, der nach Jerusalem reist weil er sich für die Wiedergeburt Jesu Christi hält. Von seiner Mission, seinem Denken und Handeln erfahren wir aber nur durch die Augen einer 39-Jährigen Deutschen Literaturkritikerin namens Barbara, welche ihn auf der Flugreise dorthin kennen lernt. Barbara ist eine typisch postmoderne Frau und in nicht mehr ganz jungem Alter weder in ihren Job noch in ihrem Privatleben an irgendjemanden gebunden, was Freiheit bringt, emotional jedoch natürlich auch Nachteile hat. Sie ist fasziniert von dem naiv und enthusiasmiert daherredenden Kauz. Da beginnt ein seltsames Verhältnis zwischen den beiden. Ohne je wirklich an seine Mission zu glauben, lässt sie sich immer stärker an die Geschicke dieses jungen Mannes binden, der so überzeugend erzählen kann. Er schreibt ihr Briefe nach Deutschland, die sowohl von seiner, Mischas Reise in Jerusalem erzählen als auch von den Geschicken Jesu Christi, wie Mischa sie 'erinnert'.

In diesen Erzählungen Mischas verarbeitet Henisch Motive und Geschichten der Bibel. Dafür verwendet er neben den kanonischen Evangelien, die Apokryphen und andere Mythen außerhalb und rund um die Bibel, wie die Schwängerung Mariens durch den Legionär Panthera, das Verhältnis von Jesus und Maria aus Magdala oder die Flucht Jesu nach Indien nach dem nur vermeintlichen Tod am Kreuze, etc. All die vorgebrachten Interpretationen klingen für moderne Ohren realistischer, glaubhafter und vor allem lebensnäher as die eher distanziert und umständlich verfasste Lutherbibel, über deren lebensfremde Formulierungen sich auch Mischa lustig macht.

Jedoch all die Geschichten erfahren wir nur durch die Erinnerung Mischas, eines vermutlich am Jerusalem-Syndrom Erkrankten oder auch Manisch-Depressiven. Man fragt sich ob nicht sein moderner Geist mit dem sozialen Wissen unserer Zeit sich alles zusammengebastelt und zurechtinterpretiert hat. Denn auch wenn der reale Mischa z.B. Enttäuschungen erlebt scheinen sich diese in den von ihm erzählten Geschichten über sein voriges Leben als Jesus, z.B. in der Form als Zweifeln an der Realität der Auferstehung, widerzuspiegeln. Außerdem lesen wir die Berichte Mischas, mit samt den Erzählungen noch mal durch die Augen der modernen aber sehnsüchtigen Barbara. Das ist ein Zeichen unserer Welt: es gibt kaum mehr Unmittelbarkeit, fast nur mehr Narration und Kommentar. Oft ist im Buch dann aber nicht glasklar wer - Jesus, Mischa, Barbara etc.- genau was sagt oder denkt. Im kunstvollen Stil von Henisch, der übrigens den Konjunktiv meisterhaft einsetzt, verwischen diese Grenzen manchmal ganz unauffällig im Fluss der Erzählung. So fragt man sich manchmal auch: geht es jetzt um Jesus im Jahre 30 oder Mischa im Jahre 200x und macht es einen Unterschied?

Wir stellen uns diese Fragen, denn in der postmodernen Welt sind alle naiven Unmittelbarkeiten verschwunden oder als Fälschung entlarvt. Wir haben uns als Konstrukteure unserer eigenen Geschichten entlarvt, sind klüger geworden aber leiden darunter, sind isoliert wird Barbara. Der Weg zurück geht nur über die Verrücktheit oder führt zumindest in die Verzweiflung, weshalb auch Mischa gegen Ende des Buches auf Kierkegaard und dessen 'Krankheit zum Tode' stößt.

Früher hätte dieser freie und ironisch distanzierte Umgang mit der biblischen Überlieferung vielleicht blasphemisch gewirkt, heutzutage wirkt er zeitgemäß. Wie Barbara haben viele irgendwie Respekt vor der Überlieferung, wünschen sich vielleicht auch irgendwo vorbehaltlos glauben zu können, können es aber nicht, ohne verrückt zu werden wie Mischa. Ist es diese Sehnsucht nach Einfachheit, Geborgenheit und Sinn, welche Barbara so an Mischa, einem Mann, der wie ein Schaf aussieht und auch so riecht, interessiert? Nicht nur, dass sie seine Briefe liest und ständig an ihn denkt, mit der Zeit verliebt sie sich und kümmert sich auch mütterlich aufopferungsvoll um den doch eindeutig paranoid scheinenden. Und doch kann sie ihm nicht wirklich glauben, bewundert ihn teilweises wegen seines naiven Eifers und denkt sich: 'oft ist die Literatur viel besser als das Leben'. Es werden also Fragen von Modernität, Identität und Glauben im Buch behandelt, wie dies zur Katastrophe führen kann sieht man nicht nur an Mischas Leben sondern auch anhand der Situation in Israel, wo die Mauer durch Jerusalem die Hoffnungslosigkeit der verfahrenen Situation anzeigt.

Also gegen die Sprache fand ich gar nichts einzuwenden, das Buch lässt sich sehr flüssig lesen, vieles stimmt an der Handlung. Auch sind quer durch das Buch immer wieder kleine aber fein ironische Wortwitze verstreut. Jedoch zum Meisterwerk fehlt dem Buch ein bisschen was, ich kann nicht genau sagen was. Vieles, das problematische Verhältnis zwischen Glaube und Moderne, die tragische Situation in Israel an der alle Gruppen schuldig und alle leidend sind, all dieses und noch viel mehr also, kennen wir schon. Das endgültige Offenlassen der Frage ob er nun wirklich die Wiedergeburt, gar des Sohn Gottes sei, bei gleichzeitiger Abdeutung, dass er es nicht ist, geht in Ordnung, war aber genau das, was man erwartete.
Ein Rest an unerklärter Sachverhalte hält die Möglichkeit der anderen Interpretation noch einem kleinen Spalt offen, wie dem Auftauchen des diabolischen und christlich-fundamentalistischen Pseudo-Rumsfelds oder Mischas geheimnisvolle Fähigkeit Barbaras Gedanken scheinbar zu lesen. Doch auch diese unwahrscheinliche Restmöglichkeit passt in unsere Zeit in der nichts vollkommen gewiss ist.

Somit: kontroversiel ist dieses Buch meiner Meinung gar nicht. Deshalb geht es einem auch nicht so, wie bei den allerbesten Büchern, die wenn man die Lektüre unterbricht und sie weglegt, einem immer noch ständig im Kopf herumschwirren. Doch eine niveauvolle kurzweilige Unterhaltung bietet dieses Werk auf alle Fälle.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Die neuesten Kundenrezensionen
5.0 von 5 Sternen Jesus Neu
Ein 'Verirrter' ist jener 'Mischa' aus dem neuen Buch von Peter Henisch durchaus. Ein Verirrter, der sich selbst, seine Geschichte, seine innere Heimat sucht. Lesen Sie weiter...
Vor 10 Monaten von M. Lehmann-Pape veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Geschichte einer Schizophrenie
Für mich wird hier auf sehr spannende und subtile Weise die Geschichte einer Schizophrenie erzählt. Lesen Sie weiter...
Vor 11 Monaten von NamNam veröffentlicht
1.0 von 5 Sternen reicht einfach der autorenname?
hätte ich von diesem autor nicht schon in der schule im deutschunterricht "die kleine figur meines vaters" gelesen, wäre mir dieses buch mit seinem an den haaren herbei... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 24. Juli 2010 von Beate Mayer
3.0 von 5 Sternen Interessante Story, sprachlich mittelmäßig
Ich kannte von Henisch nur den Roman "Pepi Prohaska Prophet", der zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählt. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 10. November 2009 von M. Neubauer
5.0 von 5 Sternen Ist Jesus wirklich gestorben?
Peter Henisch ist 1943 in Wien geboren. Als Österreichischer Schriftsteller lebt er in Wien, Niederösterreich und der Toskana. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 2. Oktober 2009 von Mag Sarah Krampl
5.0 von 5 Sternen Henischs "Faust"
Ein wunderbares, ein reifes Werk, es ist Henischs "Faust". Alles, was er bisher geschrieben hat, sind Vorstufen zu diesem Buch. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 28. August 2009 von Peter Praschl
Kundenrezensionen suchen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Ihr Kommentar


Datenschutzerklärung von Amazon.de Versandbedingungen von Amazon.de Umtausch- & Rücknahme bei Amazon.de