| ||||||||||||||||||||||||
Produktinformation
|
Zum Inhalt:
Pippo Genuardi, mittelprächtig erfolgreicher Holzhändler und um einiges durchtriebener, als es zunächst den Anschein hat, stellt einen Antrag auf einen Telefonanschluss - im Jahr 1891 keine Kleinigkeit (nur am Rande erwähnt: heute manchmal auch noch nicht ... ;-) ). Er wendet sich zunächst an die falsche Behörde, erweckt das Misstrauen verschiedener hoher Beamter in Ministerien und Polizei, legt sich mit der örtlichen Mafia an und gerät schließlich zwischen alle denkbaren Fronten.
Camilleri versteht es auch hier auf das Vergnüglichste, die komplizierten Verflechtungen in der Bürgerschaft Vigatas eine nach der anderen zu enthüllen: da hat dieser bei jenem einen Gefallen gut, ein anderer möchte etwa gerne seinen Bruder/Freund/Sohn etc. irgendwo auf einem Posten unterbringen, alte Freund-/Feindschaften aus Schulzeiten werden beschworen - so wie man sich eben eine richtige Vetternwirtschaft vorstellt. Und dazwischen gibt es natürlich auch ein paar „Aufrechte", die sich an das Gesetz halten. Dabei wird nicht zimperlich vorgegangen, eine kleine Erpressung hier, eine verschleierte Drohung da - aber es wird alles mit einem Augenzwinkern geschrieben - auch die „Bösen" sind bei Camilleri irgendwo doch liebenswert.
Die Form dieses Romans ist abenteuerlich: Es gibt keine erzählte Handlung an sich sondern vielmehr eine Mischung zu gleichen Teilen aus Briefen und Gesprächsprotokollen. Das macht es am Anfang ein wenig anstrengend, sich einzulesen, besonders die in etwas altertümlicher Sprache abgefassten Briefe (eben der Zeit entsprechend) strotzen oft nur so von schwülstiger Katzbuckelei und Kriecherei gegenüber all den erlauchten und ergebensten Exzellenzen... Um so herzhafter fällt der Kontrast zu den Gesprächen aus, in denen kein Blatt vor den Mund genommen sondern durchaus derber Klartext geredet wird! Der Vorteil ist natürlich, dass somit die Sichtweisen und Handlungen der einzelnen Personen objektiv und unbewertet dargestellt werden, der Leser muss sich sein eigenes Bild machen. Es ist ein bisschen so, wie man sich das Lesen einer Polizeiakte vorstellt, aber natürlich mit viel mehr Humor und komischen Aspekten geschrieben!
Womit ich allerdings, bei allem Lesevergnügen, wirklich zu kämpfen hatte, war die Unmenge an Personen, die in diesem vergleichsweise doch eher schmalem Romanband (ca. 260 S.) auftritt. Zudem haben viele der Personen noch einen Spitznamen (aus den im 2. Briefteil von Antonio Spinoso einleuchtend erläuterten Gründen) oder einen Titel oder beides, außerdem klingen viele sizilianische Namen in meinen Ohren doch allzu ähnlich.
Fazit: Ein wirklich unterhaltsamer Roman - aber nichts zum einfach „Runterlesen" oder „abends-vor-dem-Schlafen-noch-eine-Seite-lesen-dann-schlaf-ich-eh-ein", man muss sich schon ein bisschen konzentrieren und dranbleiben, sonst verliert man schnell den Faden.
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|