Hakan Nesser ist es mit seinem Kriminalroman "Der unglückliche Mörder" gelungen, eine besondere Geschichte zu erzählen. Die Geschichte eines normalen Menschen, der durch Zufall, Angst und Feigheit zum Mörder wird, aber auch die Geschichte eines Sohnes, der lange vor seinem Vater sterben muss.
Als Van Veeterens Sohn Erik ermordet aufgefunden wird, ahnt noch niemand, dass dieser Mord bereits eine blutige Vorgeschichte hat und, dass er noch andere Morde nach sich ziehen wird. Auch in diesem Roman ermittelt, wie zuvor schon in "Münsters Fall" nicht mehr Van Veeteren als Kommissar. Hauptermittler ist hier Kommissar Reinhard, den man schon in "der Kommissar und das Schweigen" kennen gelernt hat.
"Der unglückliche Mörder" erzählt aber nicht nur eine Kriminalgeschichte, er bringt dem Leser auch eine erschütternde Familiengeschichte näher. Die Geschichte eines Vaters, der seinen Sohn viel zu früh verlieren muss, um ihn und auch sich selbst durch Zweifel am Sinn des eigenen Lebens und Weiterlebens neu kennen zu lernen. Dies wird allein schon durch das Zitat von Paul Auster (The red notebook)am Anfang des Buches treffend hervorgehoben: "In the natural order of things, fathers do not bury their sons."
Hakan Nesser erzählt hier wieder auf seine einzigartig feinfühlige Art. Er lässt den Leser gerade soviel wissen, wie notwendig ist um zu verstehen. Man lernt den Mörder schon lange vor den Ermittlern kennen, wodurch die Spannung aber nur noch erhöht wird, da der Leser in die Lage versetzt wird, Handlungen voraussehen zu können.
Einziges Manko ist der Titel der deutschen Übersetzung, der das Buch lange nicht so treffend überschreibt, wie der schwedische Originaltitel "Carambole".
Diesen Kriminalroman kann ich allen Van Veeteren Fans nur wärmstens empfehlen. Man lernt den Kommissar von einer bisher unbekannten zutiefst empfindsamen menschlichen Seite kennen, die ihn nur umso liebenswerter macht. Von der ersten bis zur letzten Zeile ist man gefesselt von den Ermittlungen, die mit einer Aufforderung Van Veeterens an die den Kommissar beginnen und mit einer Aufforderung Van Veeterens an den Mörder enden.