Daniel Delphin ist anders. Er träumt davon in der grössten Welle zu surfen. Das verstehen die anderen Delphine nicht und betrachten ihn als Aussenseiter. Um diesen Traum zu erfüllen, muss Daniel seine Herde verlassen und in die weiten Meere ziehen. Anstatt zu fischen, wie es sich für Delphine gehört, übt er stundenlang in der Brandung des heimatlichen Riffs. Es ist dies die erste Erzählung des peruanischen Dichters Sergio Bambaren, der mit der magischen Reise Parallelen zu seinem eigenen Leben zieht. Denn wie Daniel, verliess er seine Heimat, studierte in Texas Chemie und arbeitete dann in Australien für einen Erdölkonzern.
Daniel trifft auf seiner Reise zur grössten Welle die Gefahren, die ihm das Geschöpf Mensch, von dem er nur Böses wusste, in die Wege legte. In einfachen aber sehr klaren und präzisen Sätzen erzählt Bambaren Daniels Gefühle und Erlebnisse. Die begleitende Stimme des Meeres enthält viele Weisheiten, die Daniel immer wieder bekräftigen auf seine innere Stimme zu hören und seinen eigene Weg zu gehen. Gerade das galt wohl auch für das Leben des Dichters. Daniels Traum wird erfüllt. Auf der grössten Welle begegnet er zwei surfenden Menschen und stellt fest, dass auch sie denselben Traum haben. Schade, dass er die Menschen versteht, diese ihn aber nicht. Und trotzdem surfen sie miteinender, bewundern sich gegenseitig und spornen sich zu gewagten Schwüngen an. Es gibt also auch Menschen die nicht schlecht sind. Mit dieser Weisheit kehrt Daniel zu seinem Schwarm zurück. Nun verstehen, ja bewundern ihn seine Artgenossen. Sie folgen seinem Beispiel und gehen selber auf Reisen ausserhalb des heimatlichen Riffs.
Das Ausbrechen aus dem normalen Leben, das Erfüllen eines Traumes, das Suchen nach dem eigenen ich ist Thema in den meisten Werken des Dichters. Im „Das weisse Segel" verlassen zwei Aussteiger das alte Leben um mit einem Segelboot im Südpazifik neue Horizonte zu finden. Ähnlich ergeht es dem Paar im „Strand der Träume". Nur im „Traum des Leuchtturmwärters" erhebt der alte Leuchtturmwärter den Mahnfinger und warnt die Aussteigern, dass es zum erfüllten Leben mehr als Gefühl und Leidenschaft brauche. Mahnend lässt Bambaren die Stimme des Meeres warnen: Liebe bedeutet vielleicht gerade zu lernen jemanden gehen zu lassen und ihm nicht im Wege zu stehen.
Auch der Dichter ist zurückgekehrt in sein heimatliches Peru. Durch Import von australischem Wein hat er aber die Bande zur weiten Welt und zu seinen Träumen aufrechterhalten. Dem Erdölgeschäft hat er den Rücken gekehrt und ist nun Vizepräsident der Umweltschutzorganisation „Mundo Azul". Seine grosse Verbundenheit mit der Umwelt geht als roter Faden durch alle Werke. Kurze Sätze und klare Worte lassen dem Leser viel Raum, sich in die Gestalt von Daniel Delphin hineinzuversetzen und hemmungslos in seinen eigenen Träumen zu versinken. Und sicher findet jeder, jung oder alt, eigene Träume, die er einst selber unerfüllt aufgegeben hat. Und vielleicht findet der einte oder andere, dass es noch nicht zu spät ist, dazu zurück zu kehren. Und so wird er das Buch wieder und wieder lesen.