Nachdem ich beide Verfilmungen dieses Klassikers der Krimiliteratur gesehen habe ("Plein Soleil" aus den 60ern ist die andere) muß ich sagen daß mich Hollywoods Big Budget-Version doch deutlich mehr in ihren Bann zieht. Klar standen Anthony Minghella ganz andere Mittel zur Verfügung als René Clément vor fast 4 Jahrzenten, aber das soll Minghella's Leistung nicht schmälern. Abgesehen davon, daß er den Film bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt hat, und mit Gabriel Yared einen packenden Score komponiert hat, ist ihm vor allem mit dem Drehbuch ein echter Geniestreich gelungen: Tom Ripley als eine im Grunde tragische, zerrissene Figur zu zeigen, macht sie meiner Meinung noch noch glaubhafter. Ripley ist schließlich auch im Roman eher ein Affekttäter als der kaltblütiger Killer wie ihn Delon seinerzeit spielte - er mordet nur, wenn er in die Ecke getrieben wird.
Besonders gut gefällt mir, wie Minghella die Musik als stil- und charakterbildendes Element verwendet: Ripley, der in sich gefangene, verklemmte Kopfmensch liebt die Klassik; Dickie's spontanes, unbekümmertes Wesen spiegelt sich in seiner Liebe zum Jazz wider.
Damit gleich zu den Darstellern: Matt Damon bekommt die Zerrissenheit seins Charakters perfekt hin - er ist erschreckend und bemitleidenswert zugleich - und schafft damit einen wesentlich facettenreicheren Ripley als Alain Delon seinerzeit. Dennoch, Jude Law als Playboy Dickie Greenleaf ist der heimliche Star des Films - sein jugendlicher Übermut, seine erotische Anziehungskraft, seine Spontaneität, sein Charisma... perfekt dargestellt, völlig zu Recht für den Oskar nominiert. Bei ihm hat man wirklich das Gefühl als SEI er selbst dieser Charakter: man fühlt sich(wie Tom Ripley) großartig, solange er Tom's bester Freund ist - und dann furchtbar, als er ihn fallenläßt. Auch Gwyneth Paltrow spielt überzeugend, ihr Gefühlswandel gegenüber Tom Ripley wird gut herausgearbeitet. Darin besteht die Kunst des Buches und auch dieser (und ich betone, nur DIESER) Verfilmung: den Zuseher in das Dilemma der Hauptfigur hineinzuziehen, ihn mitleiden und mitfiebern zu lassen, obwohl man sich von ihr abgestoßen fühlt.
Auch sämtliche anderen Rollen sind perfekt gecastet, von Freddie Miles über Peter Smith-Kingsley bis hin zu Tenente Roverini. Vor allem Philip Seymour Hoffmann passt perfekt in die Rolle des vulgären, blasierten Amerikaners Freddie Miles, der Tom von Beginn an durchschaut und den dieser so fürchtet. Wie unwohl und gehemmt er sich jedes Mal in der Gegenwart von Freddie fühlt, ist für den Zuschauer förmlich greifbar.
Kurz noch zur Sonderausstattung der DVD, auch diese ist durchaus ansprechend, neben den üblichen Features (Interviews, Trailer, Starinfos, Making of) gibt es auch 2 Musikvideos, die Performance von Matt Damon und Jude Law im Jazzkeller, zu sehen. Besonders hervorzuheben sind der REGIEKOMMENTAR und die Dokumentation MAKING OF THE SOUNDTRACK, bei diesen Extras erfährt man viel über die Herangehensweise Anthony Minghella's an diesen Film.
Alles in allem ist zu sagen, daß DER TALENTIERTE MR.RIPLEY ein psychologischer Thriller ist, welcher sicherlich weniger von purer "Suspense" (klassischer Thriller-Spannung eben) lebt, als vielmehr von der feinen Schilderung der Charaktere und seiner spannungsgeladenen Beziehungen zueinander. Die Charaktere sind vielschichtig - und offenbaren im Verlauf des Filmes unter ihrer glänzenden Fassade stets eine dunkle Seite. Das idyllische Küstenstädchen Mongibello bildet den perfekten Kontrast zur dunklen Handlung.
Jene die den Film als "langweilig" beurteilt haben, sind vermutlich mit falschen Erwartungen in den Film gegangen oder fühlten sich von der Thematik unangenehm berührt. Alle jene die das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit in der einen oder anderen Form schon mal kennengelernt haben, werden sich zumindest ein klein wenig in Tom Ripley widerfinden. Ihnen wird er auch diese kleinen Schauer über den Rücken jagen, welche die Wirkung dieses Films ausmachen.