Für die meisten Menschen, die sich mit der Geschichte des Umweltschutzes beschäftigen, ist dies das Buch, das diesen Begriff in der breiten Öffentlichkeit überhaupt erst publik gemacht hat.
Dabei konzentriert sich die Autorin auf den Bereich der Schädlingsbekämpfung durch den Einsatz chemischer Mittel. Minutiös weist sie nach, dass der Einsatz dieser Gifte in vielerlei Hinsicht nicht ihr erklärtes Ziel erreichen. Dabei geht es zunächst darum, warum überhaupt gesprüht wird und warum die dafür gefundenen Gründe nicht wirklich nachvollziehbar bzw. gelogen sind. Im nächsten Abschnitt wird dann auf die Geschichte und Entwicklung der chemischen Insektizide seit 1945 eingegangen, wobei auch ausführlich auf die molekularen Zusammensetzungen und die Wirkungskreisläufe der fraglichen Mittel hingewiesen wird. Dies ist zum Teil heutzutage Mittelstufenchemie - sofern man genug Chemielehrer findet - aber zu Beginn der 60er Jahre waren diese Kenntnisse teilweise noch so neu, dass man sie nicht mal unbedingt bei allen Medizinern voraussetzen konnte.
Im Folgenden werden die verschiedenen Bereiche beschrieben, die von Giftsprühaktionen betroffen werden, angefangen beim Oberflächenwasser und unterirdischen Flüssen, dem Erdreich, die Vegetationsdecke, die Luft und die Flüsse. Dabei weist sie immer wieder auf ältere, wirksamere und oft auch wesentlich billigere Methoden zur Schädlingsbekämpfung hin, die anstelle der neueren chemischen Methoden anwendbar gewesen wären. Die gegebenen Beispiele stammen in der Regel aus den USA - Deutschland und Großbritannien werden hier gelegentlich als positive Gegenbeispiele vorgestellt - wo solchen Aktionen durch die Bundesbehörden angeleiert und durchgeführt werden.
In weiteren Kapiteln werden die Probleme der Mischvorkommen von Insektiziden und anderen Giften angesprochen - die ja auch im Moment die EU-Nahrungskontrolleure bewegt. Die meisten Giftverordnungen und - untersuchungen beschäftigen sich in der Regel nur mit Grenzwerten für Einzelsubstanzen und selten mit Gemischen dieser Stoffe, die eine toxische Wirkung noch potenzieren können. Neben toxischen Wirkungen geht Frau Carson auch noch auf die karzinogene Wirkung vieler Stoffe ein und auf die Geschwindigkeit, mit der gerade die Insekten, die man loswerden will Resistenzen gegen Giftstoffe bilden - anders als deren Freßfeinde, so dass man nach einer Sprühaktion oft mehr Schädlinge vorfindet als davor.
Am Ende zeigt sie noch auf, wie die Selbstregulierungskräfte der Natur die Zahl der Schädlinge in der Regel gering halten und wie man sich dieses Vorgehen bei der landwirtschaftlichen Arbeit zum Vorbild nehmen kann.
Ein grundlegendes Buch für den Umweltschutz, das auch heute noch wichtige Teilbereiche aufzeigt, die noch vernachlässigt werden.