Zunächst ein Lob an Verantwortliche: amazon sagte, die Kindle-Edition sei am 01.09.2012 verfüg- und bis dahin vorbestellbar, und, schwupps war am morgen des 01.09. das Buch auf dem Kindle. Das nenne ich pünktlich. Dazu noch gut getimt, denn der 01.09. war ein Samstag, so dass das gesamte Wochenende zur Verfügung stand und - leider - das Neue schon heute nicht mehr neu ist.
Der mittlerweile 6. Band der Saxon-Stories als Kindle-Edition in Deutsch. Wer die anderen 5 Bände kennt, wird zwar weder enttäuscht, allerdings auch nicht besonders überrascht. Die Geschichte geht fast nahtlos dort weiter, wo sie zuletzt aufgehört hat, Cornwell hat keine Andeutungen aus vorangegangenen Bänden vergessen, und Alfred Uhtred auch nicht, wie sich herausstellt. Mit "nicht überrascht" meine ich Art und Weise der Geschichte: Klar, Alfred stirbt und Edward wird König, das bringt Probleme mit sich, und zwar mit bekannten und unbekannten Charakteren. Da Uhtred die dänischen Gegner regelmäßig umbringt, müssen jeden Band neue erfunden werden oder alte zu neuer Macht erstarken, und hier geht der Übergang dann doch etwas holprig. So fehlt bspw. eine Erklärung, warum nicht (mehr) Guthrum König von Ostanglien ist, sondern Eohric, und von einer Verbrennung Dumnoc's durch Uhtred habe ich auch nichts mehr im Kopf. Beides ist aber für die Ereignisse in Band 6 nicht ganz unwichtig. Zweifelhaft, dass es tatsächlich ein knappes Jahr ist, dass zwischen dem Ende von Band 5 und dem Beginn von Band 6 liegt, jedenfalls werden einige Ereignisse oder Personen nicht, wie sonst üblich, entweder bei ihrem ersten Auftritt oder jedenfalls in einer Rückblende des sich erinnernden Uhtred erklärt, oder nicht erläutert, warum man neue Personen nicht schon früher kennenlernte (wer ist z.B. Sigelf und sein Sohn, und warum hatte man Cent die anderen 5 Bände niemals auf dem Zettel, obgleich es doch ebenfalls Schauplatz von Kämpfen/Kriegen gewesen ist?). So mag man dem Autor zwar verzeihen, dass neue dänische Gegner eben deshalb unbekannt sind, weil sie frisch über das Meer eintrafen, warum man sich aber 5 Bände lang durchaus auch mal in Cent aufhielt, ohne dabei aber diejenigen Personen kennenzulernen, die jetzt wichtig werden, bleibt ein wenig schleierhaft. Daran merkt man, dass Cornwell die Geschichte von Buch zu Buch weiterspinnt, in etwa so wie Rwoling mit H.Potter, denn andernfalls wäre ein späterer Gegener - wie es etwa bei Athelwold durchaus der Fall ist - schon früher mal "eingeführt" worden. So hat man den Eindruck, Cornwell brauche neue Verräter und neue Gegner, und da vorhandene Figuren sich dazu nicht eigneten, mussten eben neue her. Dadurch entsteht ein Deja-vu-Gefühl.
Die Geschichte Englands wird zwar gewohnt spannend forterzählt, aber Edward's Beschreibung als neuer König bleibt doch recht dünn, wenn es darum gehen sollte; Uhtred selbst entwickelt sich ebenfalls nicht fort, ebensowenig wie seine Feinde (sind die jetzt besiegt? sind sie stärker oder schwächer geworden?); so dass man am Ende ein wenig das Gefühl entwickelt, eine Art "Zwischenband" gelesen zu haben, so nach dem Motto: und das ist übrigens auch noch passiert. Ich jedenfalls ordne Band 6 als nicht so stark wie die Vorgängerbände ein, aber immer noch als sehr lesenswert. Und in der Tat: Da sich aus mehrfachen Andeutungen aus den vergangenen 6 Bänden durchaus einiges ergibt, was in Band 6 unbeantwortet bleibt, sieht alles nach einem weiteren, dann 7. Band aus. Den bestelle ich sofort vor, sobald auch nur die leiseste Ankündigung zu sehen ist :)