Dieses Alterswerk von Gemmell und leider eines seiner letzten Bücher(Gemmell verstarb in diesem August nach einer OP im Alter von 57) ist wirklich - man kann es wirklich nicht anders sagen - ein Meisterwerk.
Gemmell hat als Grundlage für seine Geschichte sozusagen den Vorabend des Trojanischen Krieges aus Homers "Illias" gewählt. Die sog. Schlacht um Troja findet hier jedoch noch nicht statt.
G. hat diesem mythologischen Thema 3 Bände gewidmet. Der zweite ist bereits im englischen Original erschienen. Der dritte war bei Gemmells Tod nur zu 70% fertiggestellt. Da G. die wesentlichen Ideen für den Abschluss des dritten Bandes bereits vorliegen hatte, ist geplant, diesen trotzdem herauszugeben. Wer jetzt abgeschreckt sein sollte, dem sei gesagt, daß die Bände problemlos als eigenständige, abgeschlossene Bücher gelesen werden können, wie schon Gemmells "Rigante-Zyklus".
Hauptfigur und "roter Faden" der Geschichte ist "Aeneas", eine mythologische Figur aus der Illias, der auch den Beinamen "Held von Troja" hat. Aeneas heißt in dem Buch auch offiziell so, wird aber hauptsächlich als Helikaon bezeichnet (Spitz-/Jugendname!?). Helikaon als Prinz eines zu/mit Troja beanchbarten und verbündeten Königreiches ist Krieger und verdient sozusagen sein Geld als Besitzer einer großen Handelsflotte.
Das Buch ist kein Fantasyroman im herkömmlichen Sinne. Die einzigen fantasymäßigen Dinge sind hier etwas hellseherische oder wahrsagerische Elemente. Dies ist hier auch nicht nötig und würde auch nicht zur Story passen. Wer jetzt meint: Och die trojanische Sage kenn ich doch schon oder is ja gar keine richtige Fantasy., kommt vorschnell zu einem falschen ersten Eindruck. David G. ist nämlich ein genialer Geschichtenerzähler, der in Anlehnung an die Trojasage eine völlig eigenständige, fast neue Geschichte erzählt. Gemmell schaft es z.B., eine eigentlich banale "Jungfernfahrt", inklusive Sturm, der von Helikaon in auftraggegebenen, jemals größten gebauten Gallere ungemein spannend und fesselnd zu beschreiben.
Nebenbei hat Gemmell den guten Odysseus vom mythologischen Roß heruntergeholt und die Figur herlich sowie für den Leser schmunzelnd neu interpretiert. Odysseus ist zwar immer noch König von Ithaka, aber auch ein altender und altersweiser Seebär und Handelsfahrer, der in der beschriebenen Welt als großer Geschichten- und Sagenerzähler bekannt ist, nämlich witzigerweiser der uns bekannten Odysseussagen, .
Sowieso sind Gemmells Figuren für Fantasyniveau regelmäßig recht komplexe und natürliche Charaktere, mit normalen menschlichen "hellen" und "dunklen" Seiten ihres Charakters. Es ist auch immer wieder erstaunlich, wie wenig Text Gemmell benötigt, um seine Figuren treffgenau in die Handlung, in Abhängigkeit ihrer Bedeutung für diese, einzuführen.
Abschließend muss auch nochmal lobend festgestellt werden, wie fast einzigartig Gemmell darin ist, Bände eines Zyklus als eigenständige Bücher mit erstmal abgeschlossener Story zu schreiben.