Der ungewöhnliche Titel macht den Leser neugierig auf das, was Gottfried Bachl im Blick hat. Zur Erklärung des gewählten Terminus verweist er auf biblische Berichte. Nicht immer wird Jesus als "mundige Gestalt" (12), sondern eher als schwierig beschrieben, wie dies auch die mehrfach gebrauchte und auf ihn bezogene Metapher vom Eckstein (Lk 20,18; Röm 9,32f.,1 Petr 2,8) aussagt.
Die Rede über Jesus ist schwierig, es gibt die Frage nach seiner Existenz, seiner Abstammung usw. Noch schwieriger ist es, in einem besonderen Sinn über ihn zu sprechen, denn der Autor erkannte drei weitere auf den irdischen Jesus zutreffende Attribute: winzig, nackt, hässlich.
Jesus ist winzig. Hinsichtlich der geschätzten Gesamtheit aller je lebender Menschen ist er der "Milliardstelmensch", sein irdisches Leben und öffentliches Wirken sind kurz.Als Freund der Seele ist er dem Blick entzogen (18f.).
Jesus ist nackt, vorgeburtlich und als Leichnam ruht er im Schoss seiner Mutter.
Jesus ist hässlich (Jes 53,2), ganz besonders in der Art der Hinrichtung und des Todes.
Gerade die drei letzten Attribute sind für Bachl das leitende Interesse seiner weiteren Darlegungen.
Der christliche Glaube weiss um die "Verbindung des konkreten menschlichen Seins Jesu mit der Wirklichkeit des göttlichen Logos" (26). Insofern erkennt er den winzigen Jesus als Subjekt des totalen Wissens, der Begabung und Erfahrung. Er sieht den nackten Jesus, nun bekleidet mit seiner Kirche und ihren Repräsentanten, ebenso den hässlichen Jesus, der am Kreuz den Tod besiegte, vom Vater zum ewigen Leben auferweckt wurde und dadurch schön ist.
Bachl verstand es, trotz gelegentlich humorvoller und auch spitzer Feder sein spirituell sehr anspruchsvolles Gedankengut an den Leser weiterzugeben. Wer seinen Glauben vertiefen will, findet hier einen Weg, der von der Idylle des sanften Jesus,der durch Galiläa wandelt, wegführt. Dieses von Bachl aufgezeigte neue Jesusbild erschüttert und macht zutiefst nachdenklich.