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am 21. Februar 2010
"Ich habe versucht, so tief wie möglich in eine Lebensweise einzudringen, die immer oberflächlicher wird, in eine neue Kultur, welche die für handwerkliche Einstellung typische Mühe und Selbstverpflichung ablehnt. Da die Menschen nur dann sicheren Halt in ihrem Leben finden können, wenn sie versuchen, etwas um seiner selbst willen gut zu tun, erscheint mir der Triumph der Oberflächlichkeit in Arbeit, Schule und Politik sehr zweifelhaft. Und vielleicht wird die Revolte gegen diese entkräftete Kultur die nächste neue Seite der Geschichte sein, die wir aufschlagen müssen." Schlusswort in R.Sennett: Die Kultur des neuen Kapitalismus.

N.Taleb und der Schwarze Schwan sind ein Musterbeispiel für die neue Oberflächlichkeit. Als Statistiker beutelt es mich, wenn ich die Lobeshymnen auf dieses Buch lese und der Autor als Genie gefeiert wird. Man kann ihm ein gewisses Talent zur Selbstdarstellung nicht abstreiten. Aber nach diesem Kriterium ist auch Paris Hilton ein Genie. Seine einzig erkennbare Leistung ist, den Begriff Schwarzer Schwan von Sir K.Popper übernommen zu haben.
Taleb zeichnet eine Karrikatur von moderner Statistik und haut dann fest auf diese Karrikatur ein. Er argumentiert, dass sich die statistischen Techniken hauptsächlich um das arithmetische Mittel drehen und man dieses Mittel mit Hilfe der Normalverteilungsannahme schätzt. Aber das (Finanz-)Leben ist nicht Normalverteilt und es kommt nicht auf das Mittel sondern auf die Extremwerte (insbesondere negativer Natur) an. Tatsächlich trägt Taleb Eulen nach Athen. Es gibt eine umfangreiche statistische Literatur, die diese Probleme behandeln (siehe eine kleine Auswahl unten).
Die Black-Scholes-Merton Formel ist die Standardformel zur Berechnung von Optionen. Diese Formel geht tatsächlich von einer Normalverteilung aus. Natürlich haben die Erfinder gewusst, dass die Returns (Gewinn/Verlust) von Aktien nicht Normalverteilt sind. Aber aus der NV-Annahme ergibt sich eine sehr einfache Formel. Die Formel hat sich durchgesetzt, weil man sie auch auf einem Taschenrechner leicht programmieren kann. Selbstverständlich wissen auch die Händler, dass die Formel nicht korrekt ist. Sie korrigieren die Formel durch den sogenannten Volatility-Smile. D.h. sie geben größere Parameterwerte ein um die "fat-tails" zu kompensieren. P.Wilmott hat es in seinem Standardwerk über Finanzmathematik so auf den Punkt gebracht "Man gibt in eine falsche Formel falsche Werte ein um das richtige Ergebnis zu bekommen". Es sind natürlich auch wesentlich komplexere Optionenformeln entwickelt worden. Von N.Taleb kenne ich keinen wissenschaftlichen Beitrag zu diesem Thema.
So sehr Taleb die Normalverteilung verteufelt, umso mehr schwärmt er von Mandelbrotschen Fraktalen. B.Mandelbrot hat in den 1960er Jahren tatsächlich interessante Untersuchungen zu den statistischen Verteilungen auf Börsen unternommen. Er hat sogenannte "scale-invariant (oder stable) -Distributions" vorgeschlagen. Eine scale-invariant-Distribution ist das Statistische äquivalent zu Fraktalen. Die Verteilung für 5 min folgt demselben Gesetz wie jene für 5 Stunden, für 5 Tagen, für 5 Wochen.... Eine triviale scale-invariante Verteilung ist die Normalverteilung. Die will man aber nicht. Die übrigen in Frage kommenden Verteilungen haben aber eher grausliche mathematische Eigenschaften. Z.B. unendliche Varianz. Es zeigte sich auch klar, dass die Börsenkurse nicht scale-invariant sind. Z.B. gibt es für kurze Zeiträume (bis ca. 5 min) die sogenannte Microstructure. Die Verteilung wird durch die technischen Handelsbedingungen bestimmt (z.B. bid-ask-Spread). Über längere Zeiträume nähern sich die Kursentwicklungen hingegen der Normalverteilung relativ gut an. Die Ideen von Mandelbrot sind interessant, aber unhandlich und ebenfalls weit von der Realität entfernt. Es gibt in der Finanzmathematik einen kleinen Mandelbrot-Fanklub, aber seine Ideen haben sich - m.E. zu Recht - nie durchgesetzt.

Die Kritik Taleb's an der Statistik ist auch nicht besonders neu. 1889 kritisierte Francis Galton die Statistikerzunft mit:
"who limited their inquires to Averages, and do not seem to revel in more comphrensive views. Their souls seem as dull to the charm of variety as that of a native of one of our flat English counties, whose retrospect of Switzerland was that, if the mountains could be thrown into its lakes, two nuisances would be got rid at once" (F.Galton, Natural Inheritance).
Im Unterschied zu Taleb hat Galton aber wesentliche Beiträge zur Statistik geleistet.

Kleine Literaturliste für Methoden, die laut Taleb erst erfunden werden müssen, aber schon längst erfunden sind:
L.v.Bortkewitsch (auch Bortkiewicz geschrieben): Das Gesetz der kleinen Zahlen. Ein klassisches Buch. Erschienen 1898!!. Wie der Titel schon sagt geht es um seltene und nicht normalverteilte Ereignisse (bei der Normalverteilung spricht man vom Gesetz der grossen Zahl). Das berühmteste Beispiel aus diesem Buch ist die Verteilung von Toten durch Hufschlag in der Preussischen Armee. Die von Bortkewitsch verwendeten Methoden spielen in der modernen Finanzmathematik eine zentrale Rolle (Levy-Prozesse).
Qi Li, J.S. Racine: Non Parametric Econometrics, Theory and Practice. Die Nonparametric Statistic macht überhaupt keine Annahme über die Verteilung. Sie ist ein eigenes, riessiges Gebiet der Statistik. Nonparametric Statistics gibt es schon seit mindestens 200 Jahren.
R. Koenker: Quantile Regression. In der Quantile Regression schätzt man z.B. die untersten oder obersten 10% einer Verteilung. Also genau das, auf was es laut Taleb ankommt. Man kann natürlich auch den Median damit schätzen. In der "normalen" Linearen Regression schätzt man das arithmetische Mittel. Erfunden 1978.
R.Maronna et al.: Robust Statistics, Theory and Methods. In der robusten Statistik untersucht man Methoden, die von einzelnen Ausreissern (den "schwarzen Schwänen") wenig beeinflusst werden. In vielen Untersuchungen hat man das umgekehrte Schwarze Schwan Problem. Man will etwas über die weissen Schwäne wissen, die Daten enthalten aber ein paar schwarze Schwäne. Diese sollen das Ergebnis nicht zu stark beeinflussen. Das arithmetische Mittel ist ein grauer Schwan, ein robustes Mittel (z.B. Median) ist ein weisser Schwan. Seit mindestens 200 Jahren bekannt.
R.B.Nelsen: An Introduction to Copulas. Mit Copulas kann man beliebige statistische Zusammenhänge zwischen Zufallsvariablen modelieren. Die auf der Normalverteilung basierende Korrelation (Pearsons-R) ist nur ein Spezialfall. Erfunden 1959 (Satz von Sklar).
P.Embrechts, C.Klüppelberg, Th.Mikosch: Modelling Extremal Events for Insurance and Finance. Wie der Titel schon sagt, geht es um statistische Methoden für Extremereignisse. Wie häufig tretten graue Schwäne auf und welchen Grauwert haben sie bzw. kann auch ein schwarzer Schwan vorkommen? Seit mindestens 100 Jahren bekannt.
Didier Sornette: Why Stock Markets Crash. Erschienen 2001. Die Schwarzen Schwäne heissen bei Sornette "King-Dragons". Sornette versucht mit Methoden der Statistischen Physik und der Erdbeben-Forschung diese King-Dragons vulgo Crashes zu prognostizieren. Man kann über diese Methoden streiten. Aber Sornette und seine Mitarbeiter publizieren seit 15 Jahren über dieses Thema.

P.S.: Ich teile nicht Sennett's Optimismus, dass es eine Revolte gegen die neue Oberflächlichkeit geben wird.
P.P.S.: Diese Rezension ist eindeutig der Schwarze Schwan unter meinen Rezensionen. Es gibt keine andere Rezension die auch nur annähernde soviele Pro- und Contra-Punkte erhalten hat. Zunächst freut man sich über die Punkte (auch die negativen). Aber dann beschleicht einem der Gedanke, dass man beim Taleb'schen und Hilton'schen Spiel auch mitspielt und
die Freude schwindet.
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am 30. Januar 2012
Zuallererst: ich weiss nicht, ob ich dieses Buch wirklich verstanden habe. Ja, ich fühlte mich zeitweise überfordert von der gedanklichen Fülle von Taleb und den logischen Purzelbäumen, nach denen es den Autor offenbar regelmässig gelüstet. Dabei liegt die Schwierigkeit nicht nur darin, diesen Stoff zu verstehen, sondern ganz besonders in der typisch amerikanischen Verbindung einer komplexen Materie mit banalsten Beispielen aus dem Alltagsleben des Menschengeschlechts. Das europäische Hirn hat schlicht und ergreifend Mühe damit, mathematische Argumentation mit Zwischentiteln wie: "Auf der Suche nach Vogeldreck" in Übereinstimmung zu bringen.

Einerseits geht es dem Autor um die Vermittlung eines höchst anspruchsvollen Stoffs (Die scheinbare Gesetzlichkeit statistischer Annahmen und Interpretationen), andererseits will er tief in unser angewöhntes alltägliches Denken eingreifen und uns aufzeigen, wie dumm wir uns in der Regel die Welt vorstellen und wie leicht wir durch unerwartete Ereignisse aus dem Tritt zu bringen sind. Und an unerwarteten Ereignissen ist auch in unserer Epoche ja kein Mangel: Die Twin Towers, Börsencrashs, Tsunamis und Fukushima machen deutlich, wie leicht die Gewissheiten und Hoffnungen von heute im Morgen zerbröseln können.

Die Grundaussage des Buches ist ja die, dass wir derart in den Bahnen gelenkten Denkens gefangen sind, dass wir den Herausforderungen der Zukunft nicht genügen können und uns durch den Gang der Geschichte, durch Katastrophen in der Natur und an den Börsen und die nur schwer vorhersehbaren Entwicklungen der Technik immer wieder übertölpelt vorkommen. Wir haben uns demnach ein Denken angewöhnt, das davon ausgeht, dass die Entwicklungen vorhersehbar und berechenbar sind. Zudem verführen uns unsere angeborene Trägheit und Bequemlichkeit sowie die Verdrängungsmechanismen unserer Psyche dazu, der Wahrheit, nämlich dem, was wirklich geschehen könnte, nicht in die Augen sehen zu wollen.

Taleb findet deshalb, dass wir uns auf den unterschiedlichen Niveaus unserer intellektuellen Fähigkeiten einem pseudowissenschaftlichen Wahrsagertum verschrieben haben. Die intelligenten Menschen glauben an die scheinbaren Gesetze der Statistik oder an lächerliche Dinge wie die Normalerverteilung nach Gauss. Andere, weniger begabte Menschen, verlassen sich in naiver Intuition darauf, dass alles gut kommt, was gut kommen muss. Katastrophen erwischen uns deshalb immer und immer wieder auf dem falschen Fuss. Damit hat Taleb ja grundsätzlich recht und sein Kapitel über die Unmöglichkeit präziser Vorhersagen und die Tatsache, dass trotzdem alle an deren Möglichkeit glauben, ist für mich denn auch der überzeugendste Teil des Buches.

Was stört: Der Autor dürfte nicht zu den bescheidensten Zeitgenossen gehören. Er stellt denn auch seine intellektuellen Fähigkeiten kaum unter den Scheffel. Die Überheblichkeit ist bei Taleb Programm und damit klagt sich der Autor gleich selber an, denn wirklich geniale Wissenschaftler zeichnen sich immer durch eine gewisse Bescheidenheit aus. Das rührt daher, dass die wirklich guten Denker sich bewusst sind, dass es die unverbrüchliche Wahrheit im wissenschaftlichen Denken nicht geben kann. Taleb lässt uns nichts von dieser intellektuellen Bescheidenheit spüren. Offenbar schaut er auch angewidert auf Anzug- und Krawattenträger hinunter, obwohl er offenbar vor nicht allzu langer Zeit als Trader an der New Yorker Börse mitten in deren Milieu ganz erspriesslich Geld verdient hat. Ausserdem ärgerte mich der Duktus des Textes mit der Zeit ganz gewaltig und ich habe mit Sicherheit noch nie eine Text mit derart vielen Klammerbemerkungen gelesen.

Im Grossen und Ganzen finde ich das Buch einen respektablen Beitrag zu einer spannenden Gegenwartsdiskussion. In gewisser Weise knüpft Taleb an alte und wohlbekannte Thesen und Untersuchungen an, etwa an die "Risikogesellschaft" von Ulrich Beck, den er möglicherweise nicht einmal kennt. Es mag wohl sein, dass die Gedanken Talebs, wie in einer anderen Rezension aufgezeigt wird, nicht wirklich originär sind. Es ist aber auch so, dass jede Generation von Neuem mit gefährlichen Entwicklungen konfrontiert ist und sich die Frage stellen muss, wie sie damit umgeht.
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am 3. Juli 2012
Dieses Buch muss ich definitiv ein zweites Mal durchlesen, damit ich es in allen Nuancen verstehe. Zum Zwischendurchlesen ist das Buch gänzlich ungeeignet. Die Inhalte müssen eigentlich im Rahmen einer intensiven Auseinandersetzung studiert werden, damit alle Gedanken, Herleitungen und Schlußfolgerungen des Autors verinnerlicht werden können. Leider habe ich das beim ersten Lesen nicht gemacht und werde mir das Buch zu einem späteren Zeitpunkt erneut konzentriert vornehmen müssen.

Dieses Buch bricht mit gängigen Denk- und Haltungsweisen. Zumindest in Bezug auf Vorhersagen jeglicher Art. Dabei macht Taleb bereits vorhandenes Wissen nur besser greifbar. Wir sind uns der Ungenauigkeit bei der Wettervorhersage jederzeit bewußt und maßen uns gar nicht an, dass Wetter in 1 Monat oder 1 Jahr vorher zu sagen. Gleichzeitig vertrauen wir auf Wirtschafts- und Finanzmarktprognosen, die oft über wesentlich längere Zeiträume hinausgehen. Taleb macht klar, dass Vorhersagen mit einer Fehleinschätzung der Risiken (oder deren komplette Nichtbeachtung) einhergehen und damit grundsätzlich anzuzweifeln sind. Er legt zudem umfangreiches Material zugrunde, WARUM das so ist.

Hier wird mit dem Expertentum gebrochen, die Wirtschaftswissenschaften kritisiert, das Nobelpreis-Komitee abgewertet und öffentliche Kritik an namhaften Personen/Wissenschaftlern geübt. Allem voran geht es gegen die gaußsche Glockenkurve. Wäre die Glockenkurve Hexenwerk, dann wäre Taleb die Inquisition. Freunde und Anhänger der Normalverteilung, bzw. der Statistik im Allgemeinen werden an diesem Buch keine Freude haben.

Was gefällt mir gut an diesen Buch?

Taleb klärt schonungslos auf, zeigt neue, so bisher konkret kaum erfahrene Sichtweisen auf, mahnt zur Vorsicht, verschiebt elementar geglaubte Prioritäten. "Der Schwarze Schwan" hat das Zeug Lebensphilosophien und -ansichten grundlegend zu verändern. Taleb kritisiert nicht ohne Grund. Und er macht dieses auch plausibel. Er zeigt genügend Beispiele auf, warum die von im dargestellte "Sichtweise" ihre Berechtigung hat. Dieses Buch zwingt zu einem anderen Umgang mit Risiken.

Was gefällt mir nicht an diesem Buch?

Taleb läßt gerne seinen Intellekt spielen und verliert dabei den Leser. Fakten, Herleitungen und Schlußfolgerungen werden Knall auf Fall präsentiert, was mir persönlich oft zu schnell geht. Mir fehlte noch eine gedankliche Brücke, um auf den gleichen gedanklichen Punkt, wie der Autor zu kommen. Ja, ich bin wahrscheinlich nicht ansatzweise so belesen, wie der Autor, aber ich empfinde es als Pflicht eines Buches, den Leser inhaltlich auf die Schlußfolgerung vorzubereiten und inhaltlich so viel beizusteuern, dass diese Schlußfolgerungen auch erreicht werden können. Ich habe den Eindruck, dass vieles sich erst durch Hinzuziehen von Sekundärliteratur erschließen mag.

Zudem mag ich Talebs Hasstiraden und unendliche Seitenhiebe nicht. Diese Schreibe mag man als "lebhaft" bezeichnen, aber ich empfinde das Auftreten des Autors oft als forsch, plump und schlichtweg provokant. Mag sein, dass sowas dem Buch eine gewisse Würze gibt, letztendlich verliert sich der Anspruch der Sachlichkeit (da bin ich mir nicht sicher, ob der Autor diesen Anspruch ursprünglich hatte). Etwas weniger "Austeilen" und Wutgeschnaube hätte dem Buch durchaus gut getan.

Fazit:

Das Negative nehme ich hin - kann es eh nicht streichen - und freue mich am Positiven, was meine Denkweise durchaus bereichert. Taleb wird garantiert keine offenen Türen mit seinem Überlegungen eintreten, aber es ist für alle von Vorteil sich mit den hier präsentierten Gedanken auseinander zu setzen. Das trifft vor allem auf Personen zu, die beruflich mit Risiken, Prognosen und Voraussagen in Kontakt kommen.
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am 22. Oktober 2010
Der aus dem Libanon stammende Autor Nassim Nicholas Taleb kam als Trader nach New York und verdient inzwischen sein Geld damit, potentielle Ereignisse zu analysieren, die zwar nur mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit eintreten aber dafür umso weiter reichende Folgen für die (Finanz-)Wirtschaft haben könnten.

Die ersten Kapitel des Buches sind dabei stark von autobiografische Erlebnissen und ersten Beobachtungen über den Umgang mit Risiken und (un-)wahrscheinlichen Ereignissen geprägt. Daran schliessen sich weitere Kapitel an, welche die unterschiedlichen Arten von Risikoverteilungen und die Risikowahrnehmung der Menschen beschreiben. Taleb postuliert bei alledem jedoch keinen wissenschaftlichen Anspruch und muss daher auch nicht nur unter diesem Aspekt gemessen werden. Vielmehr schreibt er in einer sehr essayistischen Art gegen das unreflektierte Verwerten von statistischen Informationen und beschriebt allzu menschliches Verhalten, wie die Konzentration auf die Suche nach Beobachtungen zur Bestätigung der eigenen Theorie sowie das häufige Übersehen von methodischen Lücken. Besonders gut beschreibt er dabei in seinem lockeren Schreibstil die Ergebnisse einiger Experimente zu Gehirnprozessen und Verhaltensmustern, wobei der Autor jedoch wie so häufig recht ausschweifend wird.

Aus meiner Sicht ist das Buch insgesamt vor allem ein gutes Plädoyer gegen zu schnelle logische Schlüsse und die vielfach anzutreffende Statistikgläubigkeit. An Stelle der letztgenannten sollte ein gesundes Mass an Skepsis stehen sowie eine Auseinandersetzung mit unwahrscheinlichen und unvorhersehbaren Ereignissen. Trotz der inzwischen viel gerügten mangelnden Wissenschaftlichkeit halte ich dieses Werk daher für eine Bereicherung, die zur eigenen Auseinandersetzung mit diesem Thema motiviert.
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am 8. Juni 2016
… nur eine mögliche Sichtweise! Die (kritische) Auseinandersetzung mit den Gedankengängen von Taleb lohnt sich dennoch, auch wenn er es mit seiner zum Teil assoziativen Darstellung dem Leser nicht immer einfach macht, seinen Gedankengängen zu folgen. Nichtsdestotrotz gelingt es ihm, den Leser dahin zu führen, sich mit den eigenen Sichtweisen im Alltag auseinanderzusetzen, jeweils geleitet von der Frage, warum ein Ereignis auf diese Weise eingetreten ist und ob ein bestimmter Zustand tatsächlich zukünftig bestehen bleibt. Dabei kritisierte er insbesondere die Tendenz zur Verallgemeinerung und den Versuch, die Zukunft über die Ableitung von Regelmäßigkeiten in der Vergangenheit vorherzusagen. Somit handelt es sich nicht immer um eine einfache Sichtweise, weshalb der Leser intensiv angeregt wird, sein eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen.
Das Verständnis des Buches wird leider etwas durch die zahlreichen autobiografischen Bezüge und die Ausführungen zu einzelnen fiktiven Persönlichkeiten erschwert. Auch sind die stellenweise polemischen bzw. apodiktischen Ausführungen des Autors stellenweise ermüdend, zumal er sich dadurch zum Teil widerspricht, denn nur, weil er meint etwas erkannt zu haben, bedeutet dies ebenfalls nicht, dass diese Erkenntnis auch in Zukunft Bestand haben wird.
Außerdem sollte dieses Buch, trotz der Gliederung in Kapitel, von Beginn an gelesen werden. Als Gute-Nacht-Lektüre ist es, aufgrund der Gedankengänge, die zum Nachdenken anregen sollten, weniger geeignet.
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am 20. September 2010
Taleb mischt eine Menge Binsenweisheiten mit einer Prise Termini aus Soziologie, Ökonomie und Philosophie. Heraus kommt eine Menge heisser Luft ohne Tiefgang.
Das Buch ist einigermassen unterhaltsam geschrieben und im wesentlichen leicht verständlich. Trotzdem erscheinen ca. 10 Sätze die auch nach zehnmaligem Lesen nicht zu verstehen sind, möglicherweise liegt das auch an einer schlechten Übersetzung.
Besonders störend ist die Arroganz, die Taleb an den Tag legt. Mehrfach betont er, dass er der einzige ist, der die Welt verstanden hat, das wirkt ntürlich recht lächerlich.
Es ist mir völlig unverständlich, dass diese kruden Theorien von vielen Menschen gefeiert werden und Taleb als Prophet der Finanzkrise gilt.
Die Anregung, die Gausssche Glockenkurve etwas kritischer zu betrachten ist sicher hilfreich, das hätte man aber auch auf 10 Seiten komprimieren können.

Ein erstaunlich schwaches Buch!
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am 27. Februar 2015
Das Buch befasst sich mit Unbekanntem. Und zwar mit unbekanntem Unbekanntem und mit bekanntem Unbekanntem. Wer jetzt stutzt und sich überlegt, was das heissen soll, sollte es vielleicht lesen. Wir kennen das bekannte Unbekannte, wenn wir etwa ins Spielcasino gehen: Wir wissen zwar nicht, welche Zahl im Roulette fallen wird, aber wissen genau, /dass/ eine fallen wird, und wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist.
Und wir neigen dazu, derartige bekannte Unbekannte mit dem Leben zu verwechseln. Dabei passiert im Leben etwas ganz Anderes: Unbekanntes Unbekanntes. Irgend etwas ereignet sich, mit dem niemand gerechnet hätte, und hinterher erklären die Experten, warum es ganz logisch war, dass dieses Ereignis sich ereignete. Taleb nennt derartige Ereignisse "Schwarze Schwäne". Dinge, die es nicht gibt, mit denen darum auch niemand rechnet, und die trotzdem plötzlich auftauchen.

Und das Hauptverdienst dieses Buches liegt darin, darzulegen, dass schwarze Schwäne, obwohl man es meinen sollte, durchaus nicht selten sind, sondern vielmehr die Regel. Sie kommen dauernd vor, und wir belügen uns selber, wenn wir rückblickend so tun, als hätten wir es vorausblickend ahnen können. Von 9/11 zu Finanzkrise zu Ukrainekrise folgt ein schwarzer Schwan dem nächsten. Und beim Lesen des Buchs ein Aha-Effekt dem nächsten.

Leider ist der Stil etwas langatmig und mit vielen, durchaus nicht immer interessanten Episoden aus Talebs Leben gespickt. Immerhin erfährt man, dass er selber Investmentbanker war, und darum auch weiss, wovon er spricht, wenn er darlegt, dass kein Experte die Finanzkrise kommen sah, dass aber die, die von der Existenz von schwarzen Schwänen wussten, trotzdem Gewinn machten, statt Verlust.

Für den Erkenntnisgewinn hat das Buch klar 5 Sterne verdient. Für den Stil 3. So bleibt es unter dem Strich bei 4.
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am 19. April 2015
Im Großen und Ganzen ein interessantes Buch und ich stimme einigem in Bezug auf die großen Auswirkungen überraschender Ereignisse zu, ebenso wie den fatalen Falscheinschätzungen in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit wie sie mir im Leben ständig begegnet, aber trotzdem würde ich das Buch nicht anderen zum Lesen empfehen'

Warum? Na erstens mal, es wird irgendwann langweilig, weil der Autor oft dasselbe in anderen Variationen wiederholt und so das Buch in die Länge gezogen wird. Zweitens macht er manche Sache durch seine Wortneuschöpfungen und ständigen Querverweise kreuz und quer im Buch umher unnötig kompliziert und drittens wird mir Herr Taleb im hinteren Teil irgendwann schlicht und einfach zu arrogant und selbstherrlich.
Er behauptet ja quasi, die komplette andere Welt hätte unrecht und er hätte als (fast) einziger erkannt, wie es wirklich läuft. Und eigentlich ohne das irgendwie wirklich zu untermauern.

Seine Tipps was man mit den Erkenntnissen im echten Leben anfangen kann, sind eher 'unpraktisch' und nur für sowieso (finanziell) schon unabhängige Menschen von Nutzen. ich habe halt Umgebungsbedingungen, die es mir nicht wirklich erlauben, zu kündigen und zu sehen, wohin mich das bringt. Eigentlich helfen sie mir nur, mich in Bezug auf Risiken tendenziell noch unwohler zu fühlen.

Aber, vielleicht hab ich es auch nur nicht bis zum Ende durchverstanden.
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am 19. Juli 2009
Dass einige Kritiker das Buch so schlecht bewerten kann wohl nur daran liegen, dass sie eine Kleinigkeit überlesen haben: der Autor selbst nennt sein Werk einen Essay. Es ist keine wissenschaftliche Abhandlung und - dankenswerter Weise - auch kein Beitrag zur esoterischen Ratgeberliteratur.

Taleb hält uns vielmehr einen Spiegel unserer Verhaltensmuster vor und wir können wählen, wie wir uns dazu stellen wollen: über uns nachdenken, dem Autor zustimmen oder auch nicht oder uns so furchtbar ernst nehmen, dass wir total am Sinn dieses Buches vorbei lesen und immer noch glauben, wir wären im Alleinbesitz aller Fakten, die unsere Sicht der Welt als die allein seligmachende aufs Podest stellt.

Beinahe hätte ich mir das Buch nicht gekauft, weil ich mich von den negativen Kritiken habe beeinflussen lassen. Von anderer Seite wurde es mir aber empfohlen und jetzt bin ich sehr dankbar, dass ich es habe. Es ist ein wunderbar geschriebenes und kurzweiliges Buch für Nachdenker und ein Mutmach-Buch für Selber-Macher wie Unternehmer, Erfinder, Schriftsteller, etc. weil es an die Welt jenseits von Marketingplänen erinnert.
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Die Wahrscheinlichkeit ist groß, ein interessantes Buch in den Händen zu haben, wenn neben Fünfsternbewertungen auch solche mit nur einem zu finden sind. Denn dies deutet meist darauf hin, dass es sich um Angriffe auf Glaubensmodelle handelt, deren Infragestellung Verhaltensmuster ebenso erschüttern wie Institutionen und Bildungsstätten. Entsprechend harsch reagieren denn auch viele Leser. Ein Meisterwerk, wie der Chefredaktor von Wired, Chris Anderson, das Buch von Nassim Nicholas Taleb bezeichnet, ist es zwar nicht. Aber zur Lektüre kann ich es allemal empfehlen. Selbst wenn mich die Übersetzung wenig überzeugt und der Autor allzu sehr dazu neigt, gesprochene mit geschriebener Sprache zu verwechselt. Mir gefiel dieser essayistische Rundschlag gegen Wahrsager, Kurventechniker und Planungsfritzen. Zumal sie ihre Lehren noch immer ohne großen Widerspruch und meist gut bezahlt weitergeben.

Ironie des Schicksal ist es, dass Talebs Buch selber ein schwarzer Schwan ist und Auflagen erreicht, die sich zwar jeder Autor wünscht, aber kaum beeinflussen kann. Der ehemalige Trader mit libanesischen Wurzeln schrieb wie viele andere Autoren nichts Neues, hatte jedoch das Glück, dass seine Version Aufmerksamkeit erregte und sich ausbreitete. Und da sich sein Schreibstil auch von allem unterscheidet, was in Creativ Writing-Seminaren oder Fernkursen für künftige Erfolgsautoren gelehrt wird, weckt ein solcher Erfolg noch mehr Neid. Nassim Nicholas Taleb füllt die Seiten aber bestimmt nicht mit Banalitäten, wie ihm einige Rezensenten unterstellen. Denn wäre dem tatsächlich so, würde die Welt anders aussehen. Obwohl ich kein diplomierten Statistiker oder versierter Mathematiker bin, waren mir die unzähligen Gauß'schen Normalverteilungen mit ihren Glockenkurven schon in jungen Jahren suspekt. Und als ich mich dann später für die Funktionsweise des menschlichen Gehirns zu interessieren begann, wurde mir auch klar, woher diese Abneigung stammt. Das Alltagsleben kümmert sich herzlich wenig um Theorien, die mit der Praxis wenig zu tun haben. Komplexe Systeme lassen sich weder mit schönen Kurven, noch mit verdünnter Quantenphysik festhalten oder beschreiben.

Der Stil des Autors mag für viele Leser gewöhnungsbedürftig sein. Doch im Zweifelsfall ziehe ich gehobenen Smalltalk einem abgehoben Wissenschaftsreferat vor. Und dass sich ein Autor das Recht nimmt, seine Weltanschauungen mit biografischen Elementen zu garnieren, stört mich offenbar sehr viel weniger als andere Leser. Allerdings fand auch ich, der Autor wiederhole sich allzu oft und habe den roten Faden öfters aus den Augen verloren. Zudem mag ich es nicht besonders, wenn sich ein Autor profiliert, indem er andere mit dem billigen Trick ausgewählter Zitate niedermacht, ohne diese in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Aber mehr als einen Stern Abzug sind mir diese Verfehlungen nicht wert. Denn schließlich geht es um die Verbreitung einer Botschaft, die Beachtung verdient. Und die heißt in extremer Verkürzung: Selbst wenn wir für unser Seelenheil nach stimmigen Geschichten dürsten, bleibt die Wirklichkeit unberechenbar und überraschend.

Mein Fazit: Die Paradoxien komplexer Systeme, wie das Leben nun einmal eines ist, lassen sich schlecht in den gängigen Formen beschreiben. Nassim Nicholas Taleb, früher selber ein Vertreter der planenden Zunft, konfrontiert seine Leser auf unterhaltsame Weise mit Problemen, die für einige offenbar banal sind, aber für die meisten trotzdem zu alltäglichen Hindernissen werden. Für Leser, die nicht jedes Wort und jede Argumentation auf die Goldwaage legen, ist die Lektüre dieses verbalen Rundschlags sicher ein Gewinn. Trotz holperiger Übersetzung, unnötigen Längen und einem verblassten roten Faden.
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