Über den Inhalt und darüber, wie der seltsame Name zustande kam, will ich hier keine Reden führen, dafür gibt es sogar eine eigene Seite in der Wikipedia. Auch die Auflösung der im Buch aufgeworfenen Rätsel möchte ich einem Leser nicht vorwegnehmen.
Natürlich drängt sich der Vergleich mit der "Insel des zweiten Gesichts" auf, und äußerlich ähneln sich die beiden dicken Bücher nicht wenig, jedenfalls was den Erzählstil angeht. Auf erste Sicht ist die Insel" klar besser. Fünf Jahre von 1931 bis 1935 auf Mallorca auf tausend Seiten bieten einfach mehr Abwechslung und Tempo als ein paar Wochen im Herbst 1951 in Amsterdam und Den Haag auf 670 Seiten.
Wenn sich die Eindrücke etwas gesetzt haben, wächst die Sympathie für die Geschichte vom schwarzen Herrn. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass dieser eine Fabel hat und nicht nur biographischen Vorgängen nachläuft, die ja nur schwerlich auf ein zu Beginn bestimmbares Ziel hinauszulaufen pflegen. Das gibt dem Buch eine Abrundung von der ersten Seite an, die die Insel" nicht hat. Davon profitieren auch die vielen eingeflochtenen Abschweifungen: sie lassen sich vom Beginn an sinnvoller orchestrieren, dem Tempo, dem Spannungsbogen und dem Fortgang der Rahmenhandlung anpassen. Diese Chance nutzt Vigoleis aus. Es gibt da beispielsweise im ersten Viertel des Buches eine über mehrere Episoden ausgesponnene Trickdiebstahls- oder Betrugsgeschichte, die die Richtung des größten Teils des nachfolgenden Textes vorgibt, nämlich die Aufklärung der Zweifel über des schwarzen Herrn Identität: Gelehrter oder Hochstapler?
Der schwarze Herr Bahßetup ist der stillere der beiden Romane. Das ist auch kein Wunder. Ging es in der Insel um die nackte Not und Lebensgefahr des Erzählers, so hat der Erzähler des schwarzen Herrn hier wenigstens ein bescheidenes Auskommen, wird nicht von Francos und Hitlers Schergen bedrängt, sondern nur von einem königlich-niederländischen Gerichtsvollzieher, und kann deshalb an der einen oder anderen Stelle auch etwas mehr Kontemplation pflegen.
Der schwarze Herr Bahßetup setzt die Lektüre der Insel des zweiten Gesichts voraus, ansonsten ist vieles gar nicht recht durchschaubar. Das gilt für Personen, Handlungsverweise, vor allem aber auch für die vielen sprachlichen Spielereien. Zahlreiche Neologismen tauchen wieder auf, von denen ich einige wiedererkannte, andere kamen mir nur irgendwie bekannt vor. Ziemlich genau in der Mitte wird z.B. einmal die in der "Insel" erfundene "Pilarière" zitiert, und es spricht sehr für Vigoleis, dass er diesen Scherz nicht durch Wiederholung abnutzt. Zöge Vigoleis wie ein Arno Schmidt einen Kometenschweif von Jüngern hinter sich her, gäbe es längst penible Referenzverzeichnisse der Neologismen. Vielleicht wäre das ja einmal eine Aufgabe für Interessierte.
Ich habe es sehr genossen, dieses Buch zu lesen. Keine Knalleffekte, keine Pyrotechnik - nur Geschichten über Geschichten, und ein Titelheld, der einem nach und nach ans Herz wächst. "Der schwarze Herr Bahßetup" gehört zu den Büchern, in denen man sich für einige Zeit einfach häuslich einrichten kann, auch um den Preis eines gewissen Heimwehs, wenn das Buch ausgelesen ist. Ich kenne nur wenige Bücher, die so sehr zum Wiederlesen animieren, wie dieses.