Nachdem Benni mit seinem vorletzten Roman "Der Zeitenspringer" für seine Lesergemeinde unerwartet einen regelrechten Bildungsroman abgeliefert hat, mischen sich in seinem neuen Roman "Der schnellfüßige Achilles" seine bisherigen Stilrichtungen zu einem Werk, das den Leser auf vielen Erfahrungsschichten anzusprechen vermag.
Das Buch hat, vor allem durch die zahlreichen Anspielungen und Detailinformationen aus der Verlagswelt und aus der Arbeit eines Lektors, einen hohen Unterhaltungswert und reicht dennoch in Tiefen der Seelenwelt auch des Lesers hinein, die ihn nach der Lektüre nicht unberührt zurücklassen.
Das Buch schildert die Begegnung und die schließliche Freundschaft zweier ungewöhnlicher Männer. Der eine heißt Ulysses und arbeitet in einem ständig am Rande des Ruins stehenden Verlag. Ulysses liest Manuskripte, Tag und Nacht, und ihm schwirrt von diesen nicht selten wirklich skurrilen Texten so der Kopf, daß die Autoren der dem Verlag eingereichten Manuskripte durch seine Aktentasche mit ihm sprechen. Wie hier die Autoren unentdeckter Bücher miteinander wetteifern, ist höchster Lesegenuß.
Eines Tages findet Ulysses unter seinen Skripten einen Brief von einem Mann namens Achilles, der ihn um ein Treffen bittet. Er tut dies auf eine Weise, die Ulysses sofort gefangen nimmt. Als es nach einem Anruf bei Achilles Mutter, Marina Pelagi, die zunächst so ablehnend reagiert wie Achilles es in seinem Brief vorhergesehen hatte, endlich zu einem Treffen der beiden in Achilles` Wohnung kommt, ist Ulysses sowohl geschockt über das wirklich monströse Aussehen des in einem Rollstuhl sitzenden, an einer seltenen Krankheit, dem De-Curtis-Syndrom leidenden Achilles, als auch fasziniert von dessen offener und teilweise obszöner Sprache.
Achilles hat Ulysses' Buch gelesen und ist fast wahnhaft interessiert an Pilar, will alles wissen über sie, auch die intimsten Details. Und er erzählt Ulysses von seiner Krankheit und den Erfahrungen und Einsichten, die er durch sie gemacht hat.
Bald nach seinem ersten Besuch erhält Ulysses eine E-Mail mit dem Anfang eines Romans, an dem der Gelähmte nun arbeitet. Er handelt vom Chefarzt einer exklusiven Privatklinik, Professor Lello Pistori, der mit Pilar de Paloreal, einer reichen, wunderschönen Erbin aus Lateinamerika verheiratet ist, es aber auch ordentlich mit seiner Sekretärin Briseis treibt. Unter seinen Patienten ist auch der erfolgreiche Formel-1-Pilot Jean Achilles, der seit einem Unfall in Monte Carlo nur noch Kopf und Hände bewegen kann. Nur noch seine Augen lassen erkennen, warum die Frauen ihn als Sex-Symbol vergötterten. Eines Tages kommt Pilar zu ihm ins Krankenzimmer und beginnt mit einer ganz besonderen
Therapie...
Ulysses ist hin- und hergerissen, und es entsteht mit jedem weiteren Besuch eine immer tiefere Freundschaft zwischen den beiden.
Bald wird deutlich, was Achilles mit seinem ersten Brief an Ulysses bezweckt hat - er will, daß sein Buch über ihn und Pilar, daß seine sexuellen Phantasien und Obsessionen veröffentlicht und damit verewigt werden.
Achilles stirbt und Ulysses' Verleger ist von dessen Manuskript, das er für Ulysses' hält , so begeistert, daß er schon den Verlag saniert wähnt. Und Ulysses denkt an seinen Freund:
"Ich weiß nicht, was ich dir sagen soll, Achilles. Ja, das Buch gehört mir, und ich werde dich vergessen, Und eines Tages wirst du in meine Erinnerung zurückkehren. Und daraus werden andere Bücher."
Ein außergewöhnliches Buch aus der Welt der Verlage und des Schreibens.