'Ein Verlangen nack Glück hat mich in diesem Frühjahr zermürbt; ich habe irgendeine vollkommenere Entfaltung meiner selbst begehrt. Ich habe begehrt, glüclich zu sein, so als hätte ich nichts anderes zu sein; so als trüge dei Vergangenheit nicht immer über uns den Triumph davon; so als bestünde das Leben nicht aus der Gewöhnung an seine Traurigkeit, sei das Morgen nicht die Fportsetzung des Gestern - so als kehrte meine Seele nicht heute schon zu ihren gewohnten Studien zurück, sobald sie von ihrem Traum frei sein wird.'
Diesesr Ausschnitt stammt aus dem Vorwort zur 2. Erzählung, "Der Liebesversuch". Ich denke er zeigt am besten, welch visionäre Kraft Gide in seinen besten Zeiten besaß, was Schreiben für ihn war.
Nicht umsonst wurde ihm, dem auf ewig uneinordbaren, klugen, niemals dogmatisch werdenden Geist, der Literaturnobelpreis verliehen; ihm, der sich den Ströungen seiner Zeit wiedersetzte und einigertig schrieb; nnd nicht umsonst waren sich die sonst zerstrittenen Jean-Paul Sartre und Albert Camus in einem einig: Gide war der offenste Geist seiner Zeit
Bei wem der Text ganz oben nichts auslöst, der kann sich beruhigt einem andern Literaten zuwenden. Denn auf Gide muss man sich einlassen, seine Texte sind phantastisch und zugleich voller Schönheit - sie sind dem Individuum gewidmet, seiner Fähigkeit zu lieben, zu hassen, zu ironiesieren, zu träumen. Seine Geschichten lesen sich oft wie Träume und mit einer Sache muss man sich bei Gide besonders abfinden: Seine Texte sind wie Gemälde, am Ende haben wir nur das, was wir selbst aus ihnen ziehen - und sei es nur die Erinnerung an einmal gesehene Schönheit.
Liste der Erzählungen:
Urians Reise
Der Liebesversuch
Paludes
Der schlechtgefesselte Prometheus