-
Tipp für Studenten
Ein Jahr Prime kostenlos und einen 20% erhöhten Eintauschwert auf Trade-In erhalten alle Studenten die bei Amazon Student angemeldet sind.
| ||||||||||||||||||||
Produktinformation
Möchten Sie die Produktinformationen aktualisieren oder Feedback zu den Produktabbildungen geben?
Ist der Verkauf dieses Produkts für Sie nicht akzeptabel? |
Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden(Was ist das?)Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
|
Es bleibt jedoch die Frage:
Kann man den Fundamentalismus hinreichend beschreiben, ohne seine Feindbilder zu beschreiben?
Auch die Fragen von Hans G. Kippenberg bleiben offen:
Ist der Fundamentalismus ein pathologisches Symptom oder ein soziales Phänomen?
Ist er Ausdruck einer Flucht aus der modernen Lebenswelt oder ein begründeter Widerstand gegen sie?
Ist er eine Abkehr von der modernen Welt oder eine Abrechnung mit ihr?"
Andererseits haben Theologen zumindest aller westlichen Religionen ihren Anhänger über Jahrhunderte eingetrichtert, man könne nicht ohne absolute Wahrheiten und unhinterfragbare Anweisungen leben. Dieses so lang beworbene Produkt können die Großkirchen heute, sofern sie redlich sind, nicht mehr liefern.
Es sind daher gerade die Frommen, diejenigen, die nach absoluten Lehren gieren, die sich von den Kirchen ab- und dem Fundamentalismus zuwenden.
Hier ist die Welt noch in Ordnung: Der heilige Text und dem heiligen Vorbeter darf geglaubt werden, "belastende" Zweifel und Hinterfragungen werden hinweggefegt. "Luja, sog I", und damit aus.
Oder besser: nicht aus. Von Fundamentalisten kommen Reden, Ansprüche, Handlungen. Je fundamentalistischer die Person eingestellt ist, desto mehr sind diese Ausgaben direkte Produkte der eingetrichterten Heiligen Lehre.
Das muß nicht immer in Gewalt enden. Da aber die religiösen Schriften von Christen, Juden und Muslimen mit Gewaltaufforderungen und Hetzen gespickt sind, kommt es oft genug dazu.
Der skizzierten Analyse nach bilden Fundamentalismus und Religiösität keinen Widerspruch, im Gegenteil: Fundamentalismus ist die Bezeichnung dafür, wenn jemand es mit der Religion in Wort und Tat ernst meint.
Genau da liegt Klaus Kienzlers Dilemma: Als Theologe, Fundamentaltheologe zudem, kann er kaum dagegen reden, daß es jemand mit der Religion ernst meint. Und so gerät sein Buch zu einem wackeligen Eiertanz zwischen der Verurteilung des Fundamentalismus als religiöser Verirrung einerseits und der richtigen, historisch-kritisch geläuterten, Wahren Lehre andererseits.
Über weite Strecken bleibt er daher an der Oberfläche des Phänomens, betreibt Wortspiele statt Begriffsanalyse, und geht den Wurzeln historischer Entwicklungen nicht nach. Zwar erhält man einen Einblick in den protestantischen Fundamentalismus, der dem Wort nach im 19. Jahrhundert in den USA entstand, später auch nach Europa kam und hier unter verschiedenen Namen sein Wesen trieb und treibt. Auch auf katholische Spielarten geht Kienzler ein.
Fundamentalismus ist kein allein christliches Phänomen: Gut ein Sechstel der insgesamt knapp hundertzwanzig Seiten des Buches widmet Kienzler des Islam und seinen fundamentalistischen Ausprägungen. Die Bedeutung von Koran und Sharia wird beleuchtet, ebenso der Islamismus als Gegenbewegung zur "Verwestlichung". Das alles ist knapp und etwas oberflächlich, zeugt aber durchaus von einigen Kenntnissen.
Auch der jüdische Fundamentalismus als eine relativ junge, besonders unter den "Siedlern" Israels und den Großisrael-Verfechtern verbreitete Bewegung, bekam ihr eigenes Kapitel.
Kienzlers Nachwort bleibt zwar gewohnt wolkig, verdeutlicht aber das Dilemma, in dem er steckt: Eine scharfe Trennung zwischen Fundamentalismus und "wahrer" Gläubigkeit ist zumindest für die westlichen Religionen gar nicht möglich, eine scharfe, an die Wurzeln des Fundamentalismus gehende Kritik wäre für die Religionen letztlich Selbstmord.
Aus dieser Einsicht, daß eine Kritik des Fundamentalismus mit seinen bekannten Folgeerscheinungen letztlich auf eine Kritik der Religion schlechthin hinausläuft, ziehen er und ich andere Folgen. Kurzum, ich halte seine Haltung für halbherzig und intellektuell unredlich.
Sein Buch ist mehr Botanik als Biologie, es beschreibt die bunten Gewächse im Garten des Fundmentalismus', ohne mehr als eine oberflächliche Systematik oder Analyse zu bieten.
Wer in das Thema einsteigen möchte, kann das mit diesem Buch tun - er wird dadurch nicht dümmer.
Wer dagegen an den intellektuellen und psychologischen Grundlagen des Fundamentalismus im allgemeinen interessiert ist, wird mit Hubert Schleicherts "Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren" um Klassen besser und tiefgründiger bedient.
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|