Anhand von fünf Beispielen: der Promotion, Aufbaustudiengängen mit wirtschaftlichem Schwerpunkt, beruflichen Weiterbildungen, beruflichen Nebentätigkeiten wie Praktika etc. sowie der Existenzgründung versucht die Autorin zu zeigen, wie man sich als Geisteswissenschaftler nach Beendigung seines Erststudiums für die Anforderungen des Arbeitsmarktes fit machen kann. Dabei ist ihre Ausgangsthese, für die sie auch konkrete Zahlen nennt, dass es Geisteswissenschaftler merklich schwerer haben als andere Akademiker, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Doch stimmt das wirklich? So schlecht sehen die von ihr vorgelegten Zahlen nämlich gar nicht aus. Selbst wenn (2004) 6% der Geisteswissenschaftler gegenüber 4% aus der Gesamtheit aller Akademiker arbeitslos waren, heißt das doch, dass weit über 90% Arbeit hatten, und auch ihr Hinweis, dass nur 37% aller Unternehmen Interesse an Geisteswissenschaftlern haben, ist wohl kein ernstlicher Grund für eine negative Einschätzung. Die meisten Unternehmen benötigen ja auch keine Ingenieure, Juristen oder Mediziner. Überraschend ist wohl eher, dass der Anteil an Unternehmen, die Geisteswissenschaftlern Einstiegschancen bieten, so hoch ist.
Natürlich sind für eine rasche Integration ins Berufsleben wirtschaftliche Kenntnisse von Vorteil. Deshalb sind auch die Hinweise auf Aufbaustudiengänge und berufliche Weiterbildungen durchaus sinnvoll, wobei ich die aufgeführten Fallbeispiele zugleich sehr gelungen fand. Trotzdem haben mich die Beispiele auch stutzig gemacht, denn wie die Promotion haben diese Wege nur indirekt mit dem Berufseinstieg zu tun, um den es im Buch ja eigentlich gehen soll. Wer schon einmal an einer Weiterbildung teilgenommen hat, weiß zudem, dass sich daraus leider nur zu selten konkrete berufliche Perspektiven ergeben.
Etwas gestört hat mich auch, dass es sich bei etlichen Teilen des Buches lediglich um die Wiedergabe von Angelesenem handelt, das für den Berufseinstieg zudem oft von sekundärer Bedeutung ist. Das betrifft z.B. die Voraussetzungen zum Führen des Doktorgrades, die Akkreditierung von Studienfächern, den Unterschied zwischen konsekutiven und nicht-konsekutiven Studiengängen, die Kosten von MBA-Studiengängen, die Bedeutung von Versicherungen für Selbständige, usw. Ich hätte mir stattdessen gewünscht, dass die Autorin mehr auf die spezifischen Fähigkeiten von Geisteswissenschaftlern eingeht, denn die sind doch entscheidend für den Berufseinstieg. Doch leider hapert es genau daran, weil sie offenbar der Ansicht ist, dass es vor allen 'soft skills' sind, durch die sich Geisteswissenschaftler auszeichnen (S. 80). Das halte ich für schlichtweg falsch. Wieso sollten z.B. soziale Kompetenzen typisch geisteswissenschaftlich sein, ganz abgesehen davon, dass man allein damit bei Bewerbungen kaum punkten kann?
Aus dieser Ansicht der Autorin resultiert für mich das größte Manko des Buches, das Fehlen einer Auseinandersetzung mit den Fachkompetenzen von Geisteswissenschaftlern. Wie alle anderen Akademiker besitzen selbstverständlich auch Geisteswissenschaftler spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten, die herauszustellen ein wesentlicher Bestandteil des Buches hätte sein müssen. Besäßen die Geisteswissenschaften keine fachspezifischen Methodologien, wären sie schließlich keine eigenständigen Wissenschaften. Das methodische Herangehen an Themen könnte demnach ein Ansatzpunkt sein, um die Fachkompetenzen von Historikern, Germanisten, Theologen etc. zu veranschaulichen. Stattdessen bleibt es jedoch bei einigen pauschalen Hinweisen auf Text- und Bildanalyse, Textproduktion und Moderation. Hier wurde leider die Chance vertan, Geisteswissenschaftlern aufzuzeigen, welche Kompetenzen sie durch ihr Studium erworben haben, die sie zugleich für den Arbeitsmarkt interessant machen.
Mein Fazit lautet daher: Wer über eine Weiterbildung oder ein Zusatzstudium nachdenkt, wird in dem Buch einige nützliche Anregungen finden. Wer sich dagegen Hinweise erhofft, wie man sich als Geisteswissenschaftler auf dem Stellenmarkt präsentiert, dem dürfte dieses Buch keine große Hilfe sein.