Ein fast vierstündiges Epos, das aufgrund einer soliden Erzählstruktur, einer hervorragenden Kameraarbeit und teilweise exzellenter Schauspieler auch über die lange Distanz seine Qualität behält. Zweifellos ein Film, der das (immer wieder totgesagte) Westerngenre mit genre-untypischen Elementen neu belebt hat. Allerdings, und hier stehe ich im krassen Widerspruch zu vielen anderen Rezensenten, ist dieser Western - und vor allem die Porträtierung der Indianer - weder klischeefrei noch historisch korrekt. In Kevin Costners Film ist die Welt der Sioux eine harmonische Welt, eine einträchtige Dorfgemeinschaft mit einem liebenswürdigen, respektvollen Umgang miteinander. Die Führungspersonen sind überlegte, würdige Männer, große Krieger - und im Tipi hat die Squaw die Hosen, Verzeihung, Leggings an. Mit den natürlichen Ressourcen (Büffel, Wald, Wasser) wird verantwortungsbewußt umgegangen und ein Sioux wird ganz traurig, wenn weiße Jäger brachial alles abknallen oder auch mal den Birkenhain verwüsten. Mit ihren langen, immer frischgekämmten Haaren und der hübschen Wildledermode wirken diese Dorfbewohner wie eine liebenswerte und harmlose Hippiegemeinschaft, der feindliche Stamm der Pawnee wird dagegen als eine Art kahlrasierter, chronisch aggressiver Prärie-Punks dargestellt. Tatsächlich waren die Sioux nach Auffassung der führenden Ethnohistoriker aggressive Expansionisten, die ab Mitte des 18. Jahrhunderts ihr Territorium auf Kosten vieler kleinerer Stämme beträchtlich erweiterten, bereits vor der Ankunft erster europäischer Siedler waren große Gebiete von ihnen völlig überjagt und Waldstreifen entlang der Flussläufe abgeholzt oder durch Brandrodung vernichtet. Von ökologischem Bewusstsein keine Spur. Übereinstimmend wird die Sioux-Gesellschaft als hoch kompetitiv und instabil beschrieben, in der der Konkurrenzdruck unter den Männern extrem ausgeprägt war. Morde, ritualisierte Massenvergewaltigungen und das Auseinanderbrechen von Dorfgemeinschaften waren häufige Phänomene. Der Hauptteil der Aggressionen richtete sich aber nach außen: im 19. Jahrhundert dezimierten die Sioux einen Nachbarstamm nach dem anderen. Besonders kräftigen Widerstand leisteten die Pawnee, deren Dörfer ständig von Trupps junger Sioux überfallen wurden, besonders beliebt war das Niedermetzeln wehrloser Frauen und Kinder, die in den Feldern außerhalb der Dörfer arbeiten mussten. Dieser Widerspruch zum gezeigten Bild lässt doch vermuten, dass auch dieser Western auf den groben Pinselstrich nicht verzichtet hat, Gut und Böse ist auch in diesem Film klar polarisiert und so bewegt sich auch Kevin Costner trotz einer neuen Betrachtungsweise im Mainstream dieses uramerikanischen Filmgenres. Eine andere Darstellung ist eben noch lange nicht eine differenzierte Darstellung und hier muss man auch heute, fast 17 Jahre nach dem Erscheinen dieses Films, auf den Western warten, der Indianer nicht als Monument oder Kontrastpunkt verwendet, sondern als Menschen mit allen Fehlern und allen Widersprüchen, die den Stoff sowohl für Tragödien als auch Komödien liefern.