Bisher mußte man eine visuell derartig ansprechende Darstellung der Mathematik im englischsprachigen Schrifttum suchen gehen. Prof. Glaeser von der Universität für Angewandte Kunst in Wien ist die seltene Verbindung eines Fachmanns mit einem breit interessierten "Augenmenschen". Der Verlag ließ ihm anscheinend bei diesem Buch freie Hand, und das ist gut so. Prof. Glaesers Zielgruppe sind nicht nur Schüler, Studenten und deren Lehrer, sondern auch mathematikinteressierte Laien aus allen kreativen Hobbies oder Berufen. Sie finden im "Werkzeugkasten" einen überaus einladenden und zum Teil erfrischend persönlich gehaltenen Entwurf dessen vor, was heutzutage allgemeines Bildungsgut der Mathematik sein könnte, stattdessen aber meistens erst noch Studenten im Nebenfach zu vermitteln ist. Der Stoffaufbau des Buches mutet "kanonisch" an (Gleichungslehre, Trigonometrie und Vektoren, Analysis) ist aber durch ein Kapitel über Kurven und Flächen auch des Raumes angereichert, eine Spezialität des Autors, und mit Anhängen zur elementaren Zahlentheorie und zur Harmonielehre der Musik ergänzt. Solche und andere Leckerbissen erschließen sich erst in dem von Beispielen und Anwendungen überbordenden Text. Es finden sich dort nicht nur teilweise überraschende Beispiele aus Physik, Optik und Astronomie, sondern auch entsprechende Gegenstände aus Geodäsie, Biologie, Finanzmathematik, Architektur und Kunst. Verbindendes Element sind stets die geometrischen oder datengrafischen Veranschaulichungen. Es sei angemerkt, daß von diesem Buch diejenigen maximal profitieren werden, welche es mit Bleistift und Papier oder gar mit einem Computeralgebra- oder -geometriesystem durcharbeiten. Es bleibt nicht aus, daß ein so weit ausgreifendes Buchprojekt nicht unbedingt in höchster Systematik daherkommt. Insofern ist es als Lehrbuch für solche Dozenten und Studenten ungeeignet, die den Stoff ohne "störende" Querverweise nur dürr durchdekliniert sehen wollen. Für eine Neuauflage sollte das Buch evtl. farbig ausgestattet, um damit und dabei auf das neue Geometriebuch des Autors abgestimmt werden, welches den im "Werkzeugkasten" gewählten Ansatz fortsetzt, ja übertrifft.