Der neu belebte Roman versetzt einen zunächst in einen etwas vergessenen Alltag. Berufsschüler sind die Protagonisten und es ist ein eher tristes, chancenloses Leben, das hier beschrieben wird. Die Erschütterung darüber beginnt ohne Umschweife mit dem grausamen Höhepunkt der Geschichte, dem fürchterlichen Mord an der jungen Lehrerin. Der Kommissar Duca Lamberti versucht, seelennah die Lebenswirklichkeit der jugendlichen Verdächtigen zu berücksichtigen und gleichzeitig freilich den unglaublichen Tathergang zu rekonstruieren. Seine Vermutung, dass keiner der Jungen eigeninitiativ gehandelt hat, scheint sich im Verlauf der Geschichte zu verdichten. Gespannt verfolgt man seine psychologisch angelegte Befragung der Jungen. Dabei offenbart sich auch der ganz private Mensch Lamberti mit seinen Sorgen, die nicht gering sind. Seine ungewöhnliche Herangehensweise wird nachvollziehbar klar, erzeugt aber dieses Unbehagen in einem, das eine bewegende Geschichte ausmacht. In der gebotenen Ausführlichkeit, aber auch mitreißender Knappheit fesselt das Buch. © Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.