Zum Anlass des baldigen Erscheinens des Computerspiels 'The Witcher' sowie aufgrund des Erfolgs seiner noch nicht vollendeten 'Narrenturm'-Trilogie erschien dieses Jahr endlich Sapkowskis Erstlingswerk 'Der letzte Wunsch' wieder in Deutschland. Warum die Neuauflage dieses bereits 1998 hierzulande schon einmal erschienen Buches ' das bei Ebay und Amazon bereits zu Preisen von über 50¤ gehandelt wurde ' so lange gedauert hat, ist mir ein Rätsel.
Als das Buch um den weißhaarigen Hexer Geralt 1993 in Polen erschien, hatten seine Kurzgeschichten es bereits geschafft, das Genre der Fantasy-Romane in Polen zu erneuern. Und das nicht ohne Grund!
'Der letzte Wunsch' enthält sieben von Sapkowskis ersten Kurzgeschichten, die als Erinnerungen des Protagonisten in einen übergeordneten Handlungsstrang eingebaut sind. Der Protagonist der Geschichten ist Geralt von Rivia, der von klein auf zu einem Monsterjäger, einem Hexer, aufgezogen wurde. Den alchemistischen Tränken, die ihm in dieser Zeit verabreicht wurden, hat er nicht nur seine übermenschliche Kräfte zu verdanken, sondern auch seine unnatürliche weiße Haarfarbe. Geralt, ein Meister mit dem Schwert und der Magie, wird jedoch selbst genauso sehr gehasst, wie die Monster, die er jagt, denn auch er ist eben nicht mehr ganz menschlich. In einer düsteren und gerade deshalb so realistischen Fantasy-Welt, die von Intrigen, Korruption und Rassismus geprägt ist, versucht er, seinem eigenem Verhaltenscodex zu folgen, lässt sich aber doch immer wieder von eigenen Gefühlen leiten. Diese Kombination des "Lonesome Rider" aus dem Western, "Conan" und einem Mann auf Suche nach Liebe und Toleranz macht die beeindruckende Einzigartigkeit des Hauptcharakters aus und gibt der Geschichten immer wieder eine unerwartete Kraft. Doch nicht allein der ungewöhnliche Protagonist, der eben nicht dem Anspruch einer emotionslosen Tötungsmaschine genügt, trägt zu der Faszination bei, die Sapkowskis Kurzgeschichten ausstrahlen. Dem Autor genügt es nicht, den Leser mit geschickt variierten Motiven großer Autoren wie Tolkien, Zimmer Bradley oder Wells - seinen großen Inspirationsquellen - zu unterhalten, nein, er hat mehr zu bieten.
Sein Markenzeichen ist vor allem der Humor. Der kommt mal derb in Form von Beleidigungen, aber viel häufiger subtil, durch geschickt versteckte Zitate und Anspielungen, die sich nicht jedem gleich erschließen. Kennzeichnend ist sein parodistischer Umgang mit Märchen. Wenn die Tochter eines Fürsten den von ihrer Schwiegermutter auf sie angesetzten Jäger verführt und tötet und dann mit sieben Gnomen als Straßenräuberin lebt, bis sie auch diese umbringt, dann dankt man als Leser schmunzelnd an Schneewittchen. Sapkowski spielt so mit den Lesererwartungen, er benutzt aus Märchen bekannte Stereotypen und schmückt sie aus oder verändert sie so, dass der Leser nur noch überrascht loslachen kann.
Wer jetzt denkt, dass sei ihm alles viel zu kompliziert, das Buch sei nichts für ihn, liegt aber dennoch falsch. Sapkwoskis Kurzgeschichten sind eben nicht nur für ein hochgebildetes Publikum mit spezifischen Hintergrundwissen ' mit diesem Konzept hätte Sapkowskis Werke auch nie eine so große Popularität in allen Bevölkerungsschichten Polens erreicht. Abseits hoher Wortspiele und anspruchsvoller Anspielungen bieten Sapkwoskis Geschichten nämlich vor allem eines: Eine mitreißende Geschichte mit einem ungewöhnlichen, sarkastischen Helden und auch einer gehörigen Portion Action vor dem Hintergrund eines glaubwürdigen Fantasy-Szenarios.
Eine klare Kaufempfehlung deshalb an jeden, der auch nur ein bisschen mit dem Genre Fantasy anfangen kann.