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am 11. Februar 2012
Zwei Welten prallen aufeinander, als sich Dr. Adrian Weynfeldt, gut situierter letzter Nachkomme einer alten Industriellenfamilie, und Lorena, ein in die Jahre gekommenes Ex-Model und Gelegenheitsdiebin, eines Abends in einer Bar kennenlernen. Keine einmalige, vielmehr eine schicksalhafte Begegnung für beide, wie sich bald herausstellt.

Wer die Schweiz mag, der kann Martin Suter nur schwer abgeneigt sein. Diskretion und Behäbigkeit (nicht zu verwechseln mit Langeweile), beides hierzulande unbekannt, fast schon verpönt, ziehen sich durch die gesamte Geschichte. Es passiert im Grunde nicht sonderlich viel, Suter hat auf den ersten Blick nichts Weltbewegendes zu verkünden. Seine Protagonisten scheinen mit geschlossenen Augen durchs Leben zu laufen, sind Gefangene ihrer festgefahrenen Rollen. Wie so oft bedarf es einer Initialzündung, um das Leben doch noch aus den gewohnten Bahnen zu werfen. Auf der einen Seite der sorglose Schöngeist, umgarnt von allerlei "Freunden", jedoch viel zu gut erzogen und auf Manieren achtend, um seinem Schicksal als gutmütige, unerschöpfliche Finanzierungsquelle den Garaus zu machen. Andererseits die vom Leben und den Männern Enttäuschte, die der Versuchung aufs große Geld um jeden Preis nicht widerstehen kann, was jedoch innerlich zu einem weitaus größeren Konflikt führt als gedacht.
Suter ist kein Mann der großen Worte, von Übertreibungen und Ausschweifungen bleibt der Leser verschont. Sein sachlicher, nüchterner Schreibstil ist ein Genuss und macht schon allein jedes seiner Bücher lesenswert.
"Der letzte Weynfeldt" mag vielleicht nicht mit Suters absoluten Highlights mithalten können, eine Empfehlung wert ist die Story jedoch allemal.
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am 7. August 2012
Martin Suter ist wahrlich ein ganz Großer, seine Wortwahl immer ungewöhnlich, stimmungserzeugend und brillant. Allein wie er seine Romanfiguren beschreibt, ihnen im Laufe der Geschichte immer mehr Charakter und Leuchtkraft gibt, sucht seinesgleichen.
Aber auch seine Fähigkeit, einen Plot vorzubereiten, ist unvergleichlich gut.
Diese Geschichte, die in der Welt der Kunst, der Kunstauktionen, aber auch des Geldes oder zumindest des Scheins von Geld spielt, hat es in sich. Ganz langsam entwickelt sich ein Spannungsbogen, dessen Auflösung man als Leser entgegenfiebert.
Adrian Weynfeldt, ein wohlhabender, integerer Kunstexperte, der mit der Liebe eigentlich abgeschlossen hat, lernt Lorena kennen, eine schillernde Frau, für die Moral ein dehnbarer Begriff ist. Sie hat gelernt, wie man sich durchs Leben mogelt und wie sie Männer für ihre Zwecke einspannt.
Als sie in Adrians Leben tritt, hat dieser eine wichtige Entscheidung zu treffen, die zeigen wird, wie seriös oder eben bestechlich dieser ist.
Ein großartiger Roman, der mich begeistert hat! Unbedingt lesenswert!
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am 17. Februar 2008
Was könnte Martin Suter doch für fantastische Romane schreiben. Es scheint mittlerweile, als habe der Autor sein Pulver als großer Geschichtenerzähler bereits mit seinen beiden ersten Romanen "Small Word" und "Die dunkle Seite des Mondes" verschossen. Zu belanglos, zu beliebig, uninspiriert und in ihrer Entwicklung vorhersehbar waren alle literarischen Werke, die danach kamen - "Der letzte Weynfeldt" leider eingeschlossen.

Was mich allerdings bei Suter hält, ist seine wunderbare Sprache. Die Präzision, in der er Charaktere, Stimmungen, Empfindungen, Orte und Begebenheiten beschreibt, ist selten geworden in der deutschen Gegenwartsliteratur. Es gelingt ihm immer wieder mit schnellen, präzisen und sprachlich wunderbar virtuos geführten Strichen, Wortbilder zu zeichnen, die den Leser so tief und umfassend in seine Geschichten eintauchen lassen, als nähme man als stiller Beobachter unmittelbar an der Handlung teil. Als könne man die von Suter beschriebenen Szenen, Protagonisten, Räume, Speisen, Gerüche, Requisiten und Kulissen mit allen Sinnen erfahren. Martin Suter hat hierfür ein unglaubliches Können entwickelt, aus diesem Grund schätze ich ihn und lese ihn immer wieder gern.

Seine Geschichten werden hingegen zuehmend banaler, gehen immer mehr ins Klischeehafte, erzeugen keine Nachhaltigkeit, bleiben flach und damit letztlich nur unterhaltend. Sollte dies seine Intention sein, also schlicht zu unterhalten, dann gebührt ihm großer Repekt, viel besser kann man es nämlich nicht machen. Ich weigere mich allerdings zu glauben, dass Suter einfach nur ein Autor für Unterhaltungsliteratur sein will. Einer der regelmässig einen neuen Roman produziert und damit schlicht einen Beruf ausübt. Dafür spürt man in seinen Büchern zu viel Leidenschaft am Erzählen und Beschreiben, zu viel Liebe zum Detail und am Sujet. Zugute halten muss man Martin Suter allerdings, dass er immer wieder interessante Themen als Rahmen für seine Geschichten wählt. Er recherchiert hierfür sehr gut, lässt eigene Erfahrungen einfließen, schafft damit Aufmerksamkeit für bestimmte Themen und bietet dem Leser neue Blickwinkel. Hierbei geht Suter auch durchaus kritisch und ironisch mit einem Thema um. Beispielsweise mit dem Literaturbetrieb in "Lila, Lila" oder mit dem internationalen Kunstmarkt in seinem aktuellen Buch. Das gefällt, wirkt authentisch und rettet so manche Geschichte davor, gänzlich in Belanglosigkeit zu verschwinden. Legt man den ausgelesenen Roman dann aber beiseite, bleibt nichts zurück. Man kann sofort wieder zur Tagesordnung übergehen und hat die Geschichte nach kurzer Zeit schon wieder aus seiner Erinnerung verloren. Das war bei seinen frühen Romanen anders.

Und hiermit komme ich wieder zu meinem einleitenden Satz. Was könnte Martin Suter doch für fantastische Romane schreiben. Er hat ein großes Talent, hat diese wunderbare Sachlichkeit, Klarheit, Unaufgeregtheit und Präzison in seiner Sprache. Leider überträgt sich dieses Können nicht auf die Entwicklung seiner Geschichten. Er könnte ein wirklich großer Literat werden, würde er wieder zu der Dichte und Intensität seiner frühen Geschichten zurückkehren. Dies ist das Dilemma mit Martin Suter. Er schreibt zu gut, als dass man seine letzten Bücher als reine Unterhaltungsliteratur abtun könnte. Aus diesem Grund bringt es auch der Literaturkritker Denis Scheck nicht übers Herz, Suters jüngsten Roman "Der letzte Weynfeldt" in seiner Sendung "Druckfrisch" die berühmte Ausschußrampe hinunterzustoßen, sondern auf den Stapel der lesenswerten Bücher zu legen, wenn auch zögerlich und dies rein Suters hervorragendem Erzählstil geschuldet. "Der letzte Weynfeldt" ist ein schönes, lesenswertes Buch. Ästhetisch, präzise, solide und gediegen. Ein Buch wie eine schweizer Uhr. Man kann sich daran erfreuen, aber letztlich erfüllt sie nur einen banalen Zweck.
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am 21. Oktober 2010
Grid Girl, Smooth Jazz Classics, Dinnerjacket, Designer-Takeaway, Badge, Check-in, Catering Service - ein Freund der deutschen Sprache ist er ja nicht gerade, der Schweizer Autor unterhaltsam weggeschriebener Romane. Sprachpuristen kommen hier sicher nicht auf ihre Kosten, Kunstliebhaber schon eher, denn Martin Suter hat sich gut eingearbeitet in die Materie des Kunsthandels, die als Kulisse für ein leidlich unterhaltsames Intrigenspiel dient, in dessen Zentrum der kinderlose Kunstexperte und -liebhaber Adrian Weynfeldt steht, der in einer Schweizer Großstadt für ein internationales Auktionshaus tätig ist.

Weynfeldt macht in einer Bar die Bekanntschaft der lebensmüden Lorena, eines Fotomodells, das schon bessere Tage gesehen hat, kann sie vom geplanten Sprung vom Balkon nach einer gemeinsamen Nacht gerade noch abhalten und verfällt der attraktiven Mittdreißigerin, die etwas Farbe in seinen gleichförmigen Alltag gebracht hat. Doch Lorena spielt ein doppeltes Spiel: Sie hat sich zeitgleich mit dem Ex-Gauner Pedroni zusammengetan, der anlässlich eines Ladendiebstahls in einer Boutique auf die ausgekochte Frau aufmerksam geworden ist. Gemeinsam versuchen sie nun den vermögenden und stets spendablen Weynfeldt auszunehmen, indem sie Pedroni als gefährlichen Geldeintreiber inszenieren.
In einem zweiten Handlungsstrang macht der Leser die Bekanntschaft von Weynfeldts illustrem Freundeskreis, der sich aufteilt in einen älteren und einen jüngeren Zirkel. Etwas bemüht wirkt der Zufall, dass ausgerechnet Strasser, ein begabter Kunstmaler aus dem jüngeren Kreis, für den in Finanznot geratenen Baier aus dem älteren Kreis ein Duplikat des berühmten Félix-Vallotton-Gemäldes "Femme nue devant une salamandre" (Titelbild dieses Bandes) anfertigen lässt, das Baier Weynfeldt unterjubeln möchte, damit er es anstelle des Originals millionenschwer versteigern lässt. Lorena wird nun von Baier angestiftet, Weynfeldt zu dem Betrug zu überreden. Baier hofft, um einer großen Liebe willen und mit einem saftigen Bestechungsbonus obendrauf könnte Weynfeldt bereit sein, seine ehernen Prinzipien sausen zu lassen. Pedroni bekommt durch Lorena Wind von dem Betrugsversuch. Sein Wissen nutzt er für eine schamlose Erpressung. Und Lorena steht vor einer Zerreißprobe.

Die Erfahrung, dass man Suter-Romane nicht mehr aus der Hand legen kann, habe ich zwar trotz der vielen Vorhersagen diverser Rezensenten bei diesem Werk nicht gemacht, aber man muss zugeben, dass der Autor sein Handwerk versteht: Er knüpft ein vielschichtiges Geflecht aus interessanten Figuren und kriminellen Energien, verschränkt geschickt die Handlungsebenen und lässt alles in der Versteigerung kulminieren, auf die sich alle Fäden der Handlung zubewegen. Vor allem seine Hauptfigur, der genügsame, fast lethargisch in sich ruhende und stets berechenbare Weynfeldt, ist Martin Suter sehr gut gelungen, weshalb man auch das Bockshorn ahnt, in das er den Leser im gelungenen Finale jagen will. Ein paar nette Überraschungseier gibt es trotzdem noch und der gelegentliche Griff in die Klischee-Kiste ist auch verschmerzbar. Insgesamt also ein Vier-Sterne-Roman, wäre da nicht dieses blasierte Wir-sind-so-hip-Englisch, das kolossal nervt.
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Weynfeldt ging ins Bad, duschte und zog einen frischen Pyjama an. Wie jeden Abend. Er besaß vierzehn Pyjamas, alle von seinem Hemdenmacher, alle mit Monogramm, sechs hellblaue für gerade Tage, sechs blauweiß gestreifte für die ungeraden, zwei weiße für die Sonntage. Eine der kleinen Marotten, die er sich leistete und mit denen er ein wenig Luxus und ein wenig Regelmäßigkeit in sein Leben brachte. Denn er glaubte an die Regelmäßigkeit als lebensverlängernde Maßnahme.
Es auch die andere Theorie: Die Regelmäßigkeit mache die Tage gleichförmig, und je mehr sich die Ereignisse und Gewohnheiten wiederholten, desto ähnlicher würde sich die Tage und damit die Jahre. Bis das Leben einem wie ein einziges Jahr vorkomme.
Weynfeldt war vom Gegenteil überzeugt. Je öfter man die gleichen Dinge tat, die gleichen Orte besuchte und die gleichen Leute traf, desto kleiner würden die Unterschiede. Und je kleiner die Unterschiede, desto unmerklicher vergehe die Zeit. Jemand, den man jeden Monat sieht statt nur jedes Jahr, bleibt immer gleich alt. Und man selbst kommt dem andern auch immer gleich alt vor.
Die Regelmäßigkeit verlangsamt den Lauf der Zeit. Davon war Weynfeldt fest überzeugt. Die Abwechslung mag das Lebens ereignisreicher machen, aber sie machte es bestimmt auch kürzer.
("Der letzte Weynfeldt", Seiten 16, 17).

Zwischen Kunstbetrug und Liebesspagat siedelt Martin Suter seine Geschichte an, die durch ihre schlichte Eleganz bezaubert, mit subtiler Spannung angereichert und mit feinem Humor garniert ist. Es ist eine reine Freude diesen Roman zu lesen, den man wahrscheinlich nach einem Abend durchliest und sich dabei niveauvoll und angenehm unterhalten fühlt.

Adrian Weynfeldt heißt der Held dieser Geschichte. Weynfeldt führt als respektabler Kunstexperte und Junggeselle im mittleren Alter ein sehr geregeltes Leben. Und doch beginnt dieser Roman mit einer dramatischen Eingangssituation: Eine Frau steht vor ihm auf dem Balkongeländer, entschlossen ihrem Leben ein Ende zu setzen. Diese Frau hatte Adrian, ganz gegen seine sonstigen Gewohnheiten nach erster Bekanntschaft in einer Bar zu sich nach Hause mitgenommen. Jetzt ist der nächste Morgen und seine neue Bekannte fordert ihn auf, nur einen Grund zu nennen, damit sie das Balkongeländer nicht los lassen wird. Nur einen einzigen. Wie durch ein Wunder findet Adrian zu einer Geste voller Gefühl und damit zu einer ganz neuen Situation. Denn die rothaarige Dame, die sich nun doch überreden lässt, nicht zu springen, ist überzeugt, dass Weynfeldt nun für ihr Leben verantwortlich ist. Eine Verantwortung mit weit reichenden Konsequenzen - und zwar für einige Personen dieser Geschichte.
Und dann ist da noch das Kunstgeschäft Adrians. Es geht um das Gemälde "Femme nue devant salamandre", des Malers Félix Vallottons, welches man abgedruckt auf dem Umschlagbild des Buches betrachten kann. Ein langjähriger Kunstsammler hat sich entschlossen, sich von diesem wertvollen Bild zu trennen. Es wird Weynfeldt anvertraut. Er soll es bei einer Kunstaktion zu einem Höchstgebot versteigern. Eine Herausforderung, die der Kunstexperte mit Ehre und Gewissen zur Zufriedenheit seines Kunden meistern kann. Doch diesmal hat dieser Auftrag einen Haken.

Mit der Figurenzeichnung des Adrian Weynfeldt ist dem Autor ein ganz besonderes Kunststück gelungen. Die Tiefe der Darstellung seines Charakters beeindruckt den Leser und macht ihn neugierig auf die Entwicklung der Geschichte, die mit einigen, kleinen Überraschungen aufwartet. Der moralische und doch so humorvoll vorgetragene Schluss ist ein gelungener Schachzug des Autors. Zufrieden lächelnd beschließt man das Buch und freut sich schon auf weitere anregende Geschichten von Martin Suter.
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am 7. Mai 2008
Die Ausgangslage ist interessant: Reicher Mitfünfziger, Kunsthistoriker mit Zugang zu Kunstwerken und den damit zu machenden Geschäften lernt junge, "halbseidene" Frau kennnen und verliebt sich. Gleichzeitig lässt er sich von allen möglichen "Freunden" finanziell ausnutzen und tappt als vermeintlich Naiver durch die Welt. Und so wird er in einen Kunstfalscher-Deal verwickelt. So weit so gut. Aber allein für diese Exposition braucht Suter das halbe Buch - und das ist wörtlich gemeint. Bis zur Hälfte passiert in diesem Roman kaum etwas. Leider ist auch das Seelenleben der Personen nicht so, dass man davon wirklich gefesselt würde. Dann kommt so langsam (mit Betonung auf langsam) etwas in Gang, das Spannung aufbaut. Nun können ja auch sehr ruhig verlaufende Romane fesseln - man denke an Anne Tylers Bücher. Leider gelingt das Suter hier nicht: Es wird zuviel behauptet und zu wenig nacherlebbar gemacht. Bestes Beispiel dafür ist Suters Beschreibung der Wohnung des "letzten Weynfeldt": Er traut seinen sprachlichen Umschreibungen zu wenig, weshalb er das jeweilige Möbelstück mit Name des Designers, dem Entstehungsjahr und der Bezeichnung präsentiert, bevor er es beschreibt. So entsteht eher ein Katalog "Schweizer Design des frühen 20. Jahrhunderts" als ein Roman, in dem man mit den Figuren lebt. Natürlich kann Suter trotzdem schreiben - aber eigentlich besser als im "letzten Weynfeldt".
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am 29. September 2010
Vielleicht liegt es an meiner mangelnden Bekanntschaft mit sehr reichen Menschen (gibt ein Mensch wirklich bedenkenlos großzügig Geld für andere aus, auch wenn sie ihm nicht viel bedeuten?), dass ich den Roman nicht realistisch finde, aber als modernes Märchen ist er gut lesbar.
Reichtum und eine gute Erziehung haben einen Kokon um Adrian Weynfeldt geschaffen, aus dem er zwar gelegentlich seine Fühler streckt, aus dem er sich aber wohl nie ganz lösen wird. Dieser Kokon schirmt ihn von seiner Umwelt ab und schafft eine Distanz zu seinen Mitmenschen, verhindert aber auch Einblicke in seinen Charakter - für Außenstehende (und somit auch den Leser) bleibt er weitgehend ein Mann ohne Eigenschaften. Er geht in seinem Beruf auf und schätzt kulinarische Genüsse, viel mehr erfahren wir nicht über seine Vorlieben. Ist er fähig zu lieben? Ist seine Zuneigung zu der wesentlich jüngeren Lorena (die sich lange nicht entscheiden kann, ob sie ihn ausnutzen oder Halt bei ihm suchen soll) nur Ausdruck von Nostalgie, der Erinnerung an eine Jugendliebe, die er gehen ließ, weil er nicht wusste, wie er sie halten sollte, oder mehr? Wie viel Gefühl ist er bereit zuzulassen, zu wie viel Gefühl ist er überhaupt fähig?
Er konstatiert bei sich selbst einen "irreparablen Erziehungsschaden", und so wird er wohl nie eine gewisse Distanz (mehr oder weniger verborgen hinter ausgesuchter Höflichkeit) zu seinen Mitmenschen überwinden, während seine wahre Leidenschaft der Kunst gilt. Wie groß diese Leidenschaft ist, verbirgt er selbst vor der Person, die ihm am nächsten steht.
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am 14. Juni 2008
... ist dieser Roman, den ich unter anderem auch als Reiselektüre für Zürich empfehlen möchte. Das Buch ist elegant geschrieben und für Kunstinteressierte ebenso geeignet, wie für die Liebhaber von Designermöbeln der klassischen Moderne. Autor Martin Suters packende Handlung enthält aber auch handfeste Action und wunderbar beobachtete Psychologie sowie Romanfiguren, die man nie vergisst, so wie zum Beispiel Frau Hauser oder Giuliano Diaco. Es kommen auch eine Menge gutes Essen und edle Getränke in dem Buch vor. Obwohl der Roman kühl geschrieben ist, geht es darin sehr sinnlich zu. Genau beobachtet werden gewisse menschliche Schwächen und die Entwicklung der Personen erscheint insgesamt sehr glaubwürdig. Trotzdem hat das Buch viele überraschende Wendungen. Diese Mischung aus Kalkül und Atmosphäre hat mir persönlich gut gefallen, und ich werde mir gleich noch mehr Bücher dieses Autors besorgen.

Immer wieder grübelte ich auch, woran mich dieser Roman eigentlich erinnerte und irgendwann hatte ich es: Thomas Manns "Die Buddenbrooks" und "Königliche Hoheit" haben hier in gewisser Weise Pate gestanden. Suter erzählt die Geschichte einer zutiefst einsamen Person, dem letzten Sproß einer reichen Familie, die es durchaus nicht so leicht hat, wie viele des denken könnten, und die einem im Laufe der Geschichte immer sympathischer wird.

Querdenker, Gebildete und Zürichfans werden diesen Roman gleichermaßen lieben.
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am 20. Januar 2008
Martin Suter Der letzte Weynfeld Diogenes
ISBN 3257066309

Der letzte Weynfeldt: das ist Adrian, Sohn einer wohlbetuchten Familie, einziger und spät geborener Sohn seiner Eltern.

Er ist Kunstmäzen, Experte und Auktionator.
Schon Mitte fünfzig, bewegt er sich in zwei Freundeskreisen: der eine setzt sich aus den älteren Freunden seiner Eltern zusammen, der andere aus jüngeren Künstlern, Architekten, Dichtern und solchen, die sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlagen.
Er führt ein Leben im Wohlstand und hilft gerne und diskret seinen Freunden mit finanziellen Mitteln aus, wenn diese sich einmal in einem Engpass befinden.
Klaus Baier befindet sich in einer Notlage, als er Weynfeldt ein Bild anbietet. Schon auf dem Cover des Buches findet man die Abbildung von: 'La femme nue devant une salamandre' des Schweizer Malers Felix Vallotton. Das Bild wird hoch gehandelt, und Baier verspricht sich viel von dem Verkauf.

Mit diesem Bild hat es eine besondere Bewandtnis, die im Verlauf der Geschichte zu aufregenden Verwicklungen führt.

In einer seiner nicht üblichen Handlungen hat Weynfeldt Lorena, die er in einer Bar traf, mit zu sich nach Hause genommen. Zu seiner Überraschung will sie sich am Morgen danach das Leben nehmen. Mit einigem Glück gelingt es ihm, sie davon abzubringen.

Neben dem geheimnisvollen Verkauf des Bildes ist es Lorena, die das Geschehen mit ihren ungewöhnlichen Auftritten bestimmt. Sie treibt ein Versteckspiel mit ihm, lässt ihn zappeln und fängt ihn mit ihren Spielchen ein, ihn, der nach einer betrauerten ersten Liebe sich mit dem Alleinsein schon eingerichtet hatte!

Suter baut seine Geschichte gemächlich auf. Mit der Beschreibung der Atmosphäre im Umfeld von Weynfeldt, seiner herrschaftlichen Wohnung, in der er residiert, seinem Tagesablauf, den Begegnungen mit Freunden und Mitarbeitern entsteht das freundliche Bild einer Stadt in der Schweiz mit ihren Bewohnern. Hinter der Fassade der guten Bürgerlichkeit und Weynfeldts argloser Wohlanständigkeit umgeben ihn subtile Machenschaften, von denen er nichts ahnt.

Sehr lange wissen wir nicht: handelt es sich hier um einen Liebesroman oder erwartet uns ein spannender Krimi?
Unermüdlich spinnt Suter die Geschichte fort. Mit der Ruhe des geübten Erzählers, der durch ausgefeilte Sätze und wortreiche Charakteristiken ein Bild der Menschen mit ihren Gewohnheiten zeichnet, steckt er den Rahmen für die Handlung ab. Das Thema Kunst, Kunstauktion und Handel bietet Gewähr für kultivierte und anspruchsvolle Unterhaltung.

Suter ist der Meister der subtilen Geschichten, die er langsam aufbaut, um sie zuletzt zu unerwarteten Höhen der Spannung und zu ebenso unerwarteten Lösungen hin zu treiben.

Mit diesem Roman ist ihm wieder ein Glanzstück gelungen!
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am 2. Januar 2010
Das Buch ist sehr anschaulich geschrieben. Durch die vielen Details wirkt aber gerade der Mittelteil sehr langatmig. Wie einer vor mir rezensierte, sind ähnliche Details wie in Thomas Mann's Büchern beschrieben. Sehr präzise und genau. Sehr schweizerisch halt. Das muss man mögen. Mir persönlich fehlt es jedoch deutlich an Abwechslung. Die Fantasie des Lesers wird viel zu wenig angeregt indem zu viele unwichtige Kleinigkeiten beschrieben werden. Das stört mich genauso bei Thomas Mann. Das Buch wäre klasse, wenn die gleiche Story auf halb so vielen Seiten verpackt geworden wäre. Sicherlich nicht der beste Suter-Roman.
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