Zum Inhalt: Foden zeichnet ein schillerndes, lebendiges Portrait Idi Amins, schwankend in seiner Selbstüberschätzung, seiner Grausamkeit und seinem Hass und seiner "Liebe", nach "normalen" Maßstäben wohl ein Geistesgestörter, vielleicht auch "nur" ein "ganz normaler Diktator. Ob dies historisch treffend ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Auf der anderen Seite ist da der junge schottische Arzt Nicolas Garrigan, aus dessen Ich-Perpektive der Autor die Geschichte erzählt - ignorant, egoistisch und kaltschnäuzig. Beinahe ungerührt genießt er seine Privilegien als Leibarzt des Diktators, bis es ihn selbst beinahe das Leben kostet.
Zur Bewertung: Der Autor wagt sich an ein zugegebenermaßen ungemein schwieriges Thema: Wie ist es möglich, dass sich ein in jeder Hinsicht durchschnittlicher, "normaler" Mensch von einem Menschen wie Idi Amin korrumpieren lässt? Wie gerät er in seinen Einfluss, warum kann er sich nicht entziehen, wann verschwimmen "gut" und "böse"? Kommt die Einsicht, und wenn ja, an welchem Punkt? Ist es möglich, das jemand im Umfeld eines monströsen Massenmörders einfach nur "seine Arbeit tut"? Wohl kaum... Foden gelingt es, ein spannendes Buch zu schreiben, aber auf die brennenden Fragen weiß er leider keine Antworten. Einfache Antworten sind hier nicht zu erwarten, aber gewisse Innenansichten hätte ich mir schon gewünscht. Leider gelingt es dem Autoren nicht einmal ansatzweise, diese Person, sein Verhalten, seine Motivation zu ergründen, die Analyse bleibt absolut oberflächlich. Möglicherweise wäre diese Oberflächlichkeit aus einer anderen, neutraleren Erzählperspektive besser zu ertragen gewesen?
Und schließlich hätte ich mir wenn nicht vom Autor, so doch zumindest vom Verlag, ein paar erläuternde Worte zum historischen Hintergrund gewünscht, zB zu der Frage zum Wahrheitsgehalt der einzelnden Ereignisse... Insgesamt bleibt ein sehr zwiespältiger Eindruck zurück.