Historienromane sind nur scheinbar einfach. Auch wenn exotische Schauplätze dankbare Bühnenbilder sind, so braucht es trotzdem einen Autor, der ferne Länder und vergangene ohne Verklärung und Reiseführerromantik so klar herausarbeitet, als wäre er dabei gewesen.
Peter Prange wählt für seinen Roman "Der letzte Harem" eine interessante, nämlich wahre, Ausgangssituation. Sein spannender Grundkonflikt ist die scheinbar heile Welt des letzten Harems in der Türkei des jungen zwanzigsten Jahrhunderts, in die der politische Umbruch und schließlich der heraufziehende erste Weltkrieg hereinbrechen.
Im Zentrum stehen die beiden Freundinnen Elisa und Fatima, eine Moslem, die andere Christin, die nach einem Massaker in ihrem Heimatdorf in den namensgebenden Harem verschleppt werden.
Nach der eiligen und gewaltbeladenen Eröffnung lockt zunächst die exotische Fremde des Harems mit farbenfrohen und intensiven Bildern in die Handlung hinein, doch als würde Prange der Tragkraft seiner Geschichte nicht trauen, wird der Leser zusammen mit den Protagonistinnen nachfolgend durch eine Handlung gescheucht, die um des Effekts willen nicht vor unglaubwürdigen Wendungen, übertriebenen Zuspitzungen, Intrigen und Zufällen zurückschreckt.
Wären wenigstens die handelnden Personen echte Menschen. Stattdessen wimmelt der Roman vor schablonenhaften Charakteren, die den ganzen Bogen von rechtschaffenen Sklavinnen, schönen aber naiven Frauen, wankelmütigen Eunuchen bis hin zu durchtriebenen Generälen und zivilisierten Deutschen spannt.
Auch sprachlich verfällt der Autor in abgenutzte Klischees. Zu oft fährt Schmerz wie ein Dolch in die Herzen, Oberlippen beben und Geschlechtsteile ragen stolz empor. Überhaupt scheinen die Personen emotional stets am oberen Limit zu agieren. So viel verzehrende Liebe, Entbehrung, Demut, vergifteten Hass und brodelnde Eifersucht mutet wie eine frühe Folge des "Denver-Clans" an.
Am Ende sind es die Schilderung der Gewalt, die Pranges Fähigkeiten vollends übersteigen. Er findet für die Schrecken des Krieges keine authentische Sprache, sondern schildert vor allem die Gräueltaten gegenüber dem armenischen Volk mit grotesk ausgeschmückten Worten und großer Theatralik. So verkommt der Krieg zum billigen Tableau für die unglaubwürdige Geschichte der beiden Frauen.
Das ist zwar genug Unterhaltung für ein paar Abende. Leider ist es weder gute Literatur, noch eine authentische historische Lektion, und sollte nicht genau dies ein historischer Roman leisten?