Das Buch ist ein SciFi Military Roman. Es hat also wenig Zweck sich über Pathos, falsche Heldenbilder und Metzeleien aufzuregen - wer so etwas nicht mag, sollte keine Military Romane lesen, das liegt in der Natur dieses Genres - die diesbezüglichen Rezensionen gehen meiner Ansicht nach daher an der Sache vorbei. Wenn jemand im übrigen wirkliche übertriebene Gewaltdarstellungen lesen möchte, sollte er beispielsweise die Bronze Batallion Reihe von Ringo lesen, dagegen ist der vorliegende Roman eher harmlos.
Die Idee des Romans (und der Serie) ist interessant. Eine plötzliche und unerklärliche Versetzung eines Truppentransporters des amerikanischen Bürgerkriegs auf eine andere Welt und dort findet man bereits Menschen aus unterschiedlichen vergangenen Episoden der Menschheitsgeschichte vor, deren Vorfahren ebenfalls dorthin versetzt wurden - in diesem Roman Russen, die im Zeitalter der Leibeigenschaft verblieben sind. Man nehme eine degenerierte Alien Rasse hinzu, die die Menschen als Nahrung ansieht und nomadisch über die Welt streift und in regelmäßigen Abständen wieder einfällt und aberntet und hat einen interessanten Plot.
Hinzu kommt die immer interessante Mischung moderner Ausstattung in einer antiken Welt. Obgleich hier der Dramaturgie zuliebe viel zu viel Modernisierung/Industrialisierung in viel zu kurzer Zeit erfolgt. Innerhalb eines Jahres von Speeren und Bögen zu Erntemaschinen, Eisenbahn, Kanonen, Musketen, Steinschloßgewehren, Papier, Druckerei und riesigen Staudämmen - da fällt einem die Kinnlade herunter. Der Dramaturgie zuliebe sei noch geglaubt, das in einem 500 Mann starken Regiment im US Bürgerkrieg genügend technisch Versierte sind, die das tatsächlich umsetzen können (wer's glaubt), aber der Zeitrahmen macht das ganze unwirklich. Dramaturgisch bestand im übrigen gar kein Grund für eine derartige Hetze - ein Zeitsprung von 10 oder 15 Jahren zwischen Teil 1 und 2 des Romans hätte der Story keinen Abbruch getan. Wer einmal wirklich nette und glaubwürdigere Storys in diesem Kontext lesen will, sollte die Kurzgeschichten "Ein Falke unter Spatzen" oder auch "Der Schießpulvergott" lesen.
Der Kontakt der russich stämmigen Bevölkerung mit den Ideen der neu Hinzugekommenen gibt dem Roman die Gelegenheit den russischen Bauernaufstand dramaturgisch nachzuvollziehen. Wieso das abwegig oder anrüchiger Amerikanismus sein soll, wie in einigen Rezensionen nachzulesen ist, kann ich nicht nachvollziehen - wer so etwas denkt sollte sich lieber einmal die Unzahl von Bauernaufständen der Geschichte ansehen, die aus ähnlichen Gründen und Auslösern stattgefunden haben.
Und der Höhepunkt des Romans ist die Wiederkehr der nomadischen Aliens, die zu hunderttausenden auftauchen. Hier wirkt sich dann die technische Überlegenheit aus - doch schon wie in der Geschichte bei den Hunnenkriegen zeigt sich, das auch eine technisch überlegene Armee gegen eine tausendfache Übermacht, die den Tod nicht fürchtet, nichts ausrichten kann. Die höherentwickelte Technik des Bürgerkriegsregiments führt nur dazu, das die Verluste auf Seiten der Angreifer höher werden.
Also bedarf es eines hollywoodreifen Endes um den Sieg der Guten herbeizuführen - das allerdings ist dann doch völlig unglaubwürdig. Ohne es vorwegzunehmen, dieses Ende hätte beide Armeen vernichtet, die bereits im Kampf von Mann zu Mann standen.