carlo bergmann reist seit den 80er jahren auf den spuren des deutschen forschungsreisenden gerhard rohlfs, des persischen kambyses-heeres und der altägyptischen (schmuggler-?)karawanen mit einer kleinen eigenen kamelkarawane durch die sahara.
er erzählt ohne jammern, ohne frust, ohne effekthascherei ruhig und interessant von seinen reisen - zu denen er anfänglich manchmal (um etwas geld für seine reisen einzunehmen) begleiter mitnimmt. über diese teilweise eigenwilligen typen liefert er herrliche unterhaltsame beschreibungen, die oft zu einem lacher anlaß geben.
hauptsächlich aber erzählt er wissenswertes über den ägyptischen porphyrabbau und export zu römischen zeiten (der ganz europa kunstwerke beschert hat), den kamelmarkt in kairo, den berühmten historischen heereszug des kambyses, der mit mann und maus spurlos in der wüste verschwunden sein soll, frühe ägyptische jagdgesellschaften, schmugglerpfade, gastfreundschaft, die anerkennung der einheimischen, die er sich erwirbt, stellt betrachtungen und überlegungen an über das wie und wo alter wüstenwege, er berichtet über das mühselige erforschen und kartografieren von archäologischen fundstätten, fehlversuchen, neuem ansetzen, wachhalten der hoffnung, von immer gezielterem suchen nach alten beweisen der frühen besiedlung, von seltenen aber gehaltvollen begegnungen in der wüste...
manchmal verfällt er in seiner wüsteneinsamkeit in philosophische betrachtungen und er macht deutlich, daß seine reisen alles andere sind als wüstenromantik, denn es gibt auch viele ernste gefahren, denen er sich ausgesetzt sieht: neben ständigem durst auch begegnungen mit uniformierten, räuberbanden, schlangen, hunger, verlaufen in der eintönigen weite, sandsturm, minenfeldern aus dem 2.weltkrieg,...
seine genauen und von hoher geschichts-, geologie-, archäologie und völkerkundekenntnis durchsetzten beobachtungen kommen schlicht und ohne wissenschaftliche angeberei daher. das wird belohnt, indem er bei seinen späteren reisen mit wissenschaftlern zusammenarbeitet und sehr anerkannt ist.
immer wieder angenehm zu lesen, welches gute verhältnis er jedesmal zu seinen kamelen entwickelt - die er als treue und zuverlässige kameraden bei seinen einsamen reisen betrachtet und nicht als "sklaven", die bis zum umfallen ausgebeutet werden.
besonders interessant war für mich das erste kapitel zu lesen: hier reist er das erste mal - als gast - mit einer "richtigen" karawane durch die wüste. er geht in die harte schule des kebir abdallah und zahlt einiges lehrgeld, um sich das rüstzeug für seine späteren allein-touren zu erwerben. er beschreibt die kleinen und größeren schikanen, denen er durch den führer ausgesetzt ist, welche ersten erfahrungen und erkenntnisse er sammelt, insbesondere beim umgang mit den kamelen und die charaktere und strengen sitten der karawanenmitglieder, die sich den uralten ungeschriebenen gesetzen der gemeinschaft willenlos unterordnen.
ich hoffe, daß carlo bergmann ein weiteres buch dieser güteklasse schreibt.