Eines der Bücher, für die 5 Sterne kaum ausreichen. Ich habe »Der leere Spiegel« ungelogen schon mindestens 5x gelesen und darin jedes einzelne Mal wieder Neues entdeckt.
Zunächst ist es der völlig unprätentiöse Schreibstil van de Weterings, der sich ungemein wohltuend von so manchen geradezu missionarisch anmutenden Lebenshilfe-Büchlein vermeintlich Erleuchteter abhebt. Willem van de Wetering beschreibt, wie er sich abmüht, die Lehren des Zen aufzunehmen ohne sich dabei selbst zum Guru zu stilisieren, ganz im Gegenteil beschreibt er all zu menschlich wie er während der Meditationszeiten an verflossene Liebesbeziehungen oder sonstwas denkt, vom langen Sitzen Hämorrhoiden bekommt, wie überheblich er sich gegenüber den vermeintlich so dummen Jesuiten verhält und schließlich sein Sinnsuche-Projekt nach anderthalb Jahren frustriert abbricht. Eigentlich die Geschichte eines Scheiterns, doch an vielen Stellen im Buch wird klar, dass van de Wetering keineswegs gescheitert ist sondern lediglich einen unbequemen Lernprozess begonnen hat, an dem der Leser teilhaben kann. Nein, das ist kein Buch von einem »authentischen Zenmönch« sondern »nur« von einen ganz normalen Menschen, der sich in einem fremden Kloster so abmüht, wie es jeder von uns tun würde. Keine »ready-to-use« Weisheiten vom weisen Meister sondern eine mühsame Sinnsuche. Trotzdem steckt in dem Buch enorm viel drin. Wer in »Der leere Spiegel« lediglich sowas wie eine drollige Autobiografie sieht, verschenkt den besten Teil des Buches. Gerade weil van de Wetering nicht von oben herab predigt sondern seine Erfahrungen auf selber Augenhöhe dem Leser vermittelt, kann man sich in vielen beschriebenen Situationen selbst entdecken und profitiert so indirekt vom Lernprozes des Autors. Ich habe während meines Japanologie-Studiums und während meiner Studienzeit in Japan viel über Zen gelesen, aber dieses Buch ist nach wie vor mein Lieblingsbuch über Zen. Ohne irgend eine Einschränkung zu empfehlen.