Man geht gewiß nicht fehl mit der Feststellung, in Dietmar Zobel, ehemaligem Industriechemiker in Wittenberg, den Nestor der Wissenschaft vom Erfinden vor sich zu haben, jedenfalls für den deutschen Sprachraum. Seit dieser bis dahin schon sehr erfolgreiche Erfinder vor fast 40 Jahren mit ARIS bekannt wurde, dem "Algorithmus zur Lösung erfinderischer Aufgaben" des Russen Heinrich Altschuller, hat er sich unablässig neben seiner eigentlichen Berufstätigkeit mit der Weiterentwicklung von Methodik und Prinzipien des systematischen Erfindens befaßt. Mit Vorträgen, Seminaren und zahlreichen Publikationen in Journalen und Monographien hat er kontinuierlich seine Erkenntnisse publiziert - auch schon in der DDR. Vorläufiger Höhepunkt dieses Schaffens ist zweifellos die uns nun vorliegende fünfte Auflage von "Systematisches Erfinden". Diese mit dem Untertitel "Methoden und Beispiele für den Praktiker" näher beschriebene Erfindungslehre ist inzwischen zum Standardwerk einer Methodenlehre geworden, die die gesamte Technik betrifft und nicht nur für den Praktiker (wie der Autor bescheiden einschränkt) interessant ist, sondern ohne Zweifel für jeden schöpferisch arbeitenden Menschen, besonders in einem naturwissenschaftlichen Fach.
Es gibt in diesem Werk natürlich, wie man es von diesem Autor erwartet, ein fast ein Viertel des Buches umfassendes Kapitel mit der Darstellung von TRIZ, der Theorie zur Lösung erfinderischer Aufgaben, die den potentiellen Erfinder im wesentlichen mit Hilfe einer Widerspruchsmatrix zur gezielten Anwendung bestimmter "Innovativer Prinzipien", also Lösungswege, führt. Dieses Kernkapitel ist umrahmt mit Kapiteln über die Geschichte der Kreativität des Menschen - nicht nur im Hinblick auf seine technisch geprägte Umgebung - und mit zum Teil bis tief in die Erkenntnistheorie dringenden Betrachtungen über Grundlagen, Hilfsmittel und Denkschemata Kreativer. Und natürlich fehlt es nicht an vorzüglich beschriebenen Anwendungsbeispielen aus dem schier unerschöpflichen Fundus des Autors und der von ihm untersuchten fremden Arbeiten. Verständlich, daß das Buch durch diese üppigen, werterhöhenden Zugaben gegenüber früheren Auflagen deutlich an Umfang zugenommen hat (es hatte einmal mit 148 Seiten angefangen!), den man aber gern sieht. Denn dieser Autor versteht es, seinen an sich ja recht trockenen Stoff nicht nur lebendig erfrischend abzuhandeln, sondern uns regelrecht zu unterhalten, oft durch Bonmots großer Geister, die aber nie abschweifen.
Sein Schlußkapitel verdient besondere Erwähnung: Hier setzt er Hugo Junkers ein Denkmal, der meist "nur" als Flugzeugkonstrukteur apostrophiert wird, sich jedoch in der sachkundigen Analyse Zobels als ein großer Erfinder erweist, dessen methodisches Vorgehen auch heute beispielhaft vor uns steht. Auch Junkers-Kenner dürften überrascht sein, so viele mit der Erfindungslehre verbundene Züge bei Hugo Junkers zu entdecken.
Jedem, der an Innovation als einer auch von der derzeitigen deutschen Regierung anerkannten notwendigen Voraussetzung für Wirtschaftswachstum interessiert ist, sei die neueste Auflage dieser Erfindungslehre zum Studium sehr empfohlen!