Und wenn ihr zufällig da vorbeikommt, eilt nicht weiter, ich flehe euch an - wartet ein bißchen, gerade unter dem Stern. Wenn dann ein Kind auf euch zukommt, wenn es lacht, wenn es goldenes Haar hat, wenn es nicht antwortet, so man es fragt, dann werdet ihr wohl erraten, wer es ist. Dann seid so gut, und laßt mich nicht weiter traurig sein: schreibt mir schnell, wenn er wieder da ist..." Soweit Antoine deSaint-Exupéry in seinem berühmten Buch "Der kleine Prinz".
Und jetzt passiert es tatsächlich, da scheint jemand den kleinen Prinzen wiedergetroffen zu haben. Und so schreibt er in einem Brief an "Herr von Saint-Exupéry" seine Erlebnisse nieder. Wie er auf großer Weltreise mit einem alten vergammelten Frachter im Sturm über Bord geworfen wird, auf einer kleinen Insel strandet und plötzlich über Nacht ein kleiner Junge auftaucht, der dringend einen Tigerjäger braucht, um seinen kleinen Planeten von einem übriggebliebenen Zirkustiger zu befreien. Und auf der Suche nach besagtem Tigerjäger fliegt der kleine also von Planet zu Planet und im Laufe der Zeit erzählt er eine nette Geschichten über seine Erlebnisse.
Wirkt das irgendwie vertraut!? - Natürlich, das ist exakt die Handlung der Geschichte vom kleinen Prinzen, in kleiner Variation. Das "Remake" könnte durchaus ganz nett sein, wenn man nicht bei jedem Satz das Original so deutlich durchspüren würde. Das ist das eine Problem des Buches, das von Anfang an schon ganz klar ist, wie die Geschichte weitergeht...
Aber auch in anderer Hinsicht kann der neue Kleine Prinz seinem Vorbild nicht das Wasser reichen: Es ist eine nette Geschichte - das muß wahr sein, aber es ist auch nicht mehr. Da gibt es nichts zwischen den Zeilen zu lesen, nichts worüber sich über den Augenblick des Lesens hinaus lohnt nachdenken, da spricht kein Weiser der auf dem einen Auge nachsichtig und auf dem anderen Auge wehmütig lächelnd über die Menschheit sinniert. Nichts dergleichen, da schreibt einfach jemand ein nettes kleines Kinderbuch und die Geschichte plätschert milde vor sich hin. Und das ist das andere Problem, denn wer für sich in Anspruch nimmt, gewissermaßen eine Fortsetzung zum "Kleinen Prinzen" schreiben zu wollen, der muß sich auch an seinem selbstgewählten Vorbild messen lassen.