Wie groß die Überflutung mit Agenden in einigen Monaten sein wird, hängt von der beruflichen Tätigkeit und der Anzahl Bankkonti ab. Vielleicht beginnt diese Agenda bereits Ende November 2009, weil man damit den Gebrauch von Werbegeschenken etwas eindämmen will. Aber wer gerne einen besonderen Jahresbegleiter möchte, ist ohnehin nicht gefährdet. Und was der Diogenes Verlag anbietet, unterscheidet sich klar von lieblos gestalteten Produkten. Das ist auch deshalb notwendig, um die iPhone-Generation und die BlackBerry-Benutzer für sich gewinnen zu können. Immerhin stelle ich mit Freuden fest, dass ich mit meiner Kombination von Elektronik und Print in bester Gesellschaft bin.
Diese Agenda gefällt mir, weil sie nicht in die Kategorie "Weisheiten für jeden Tag, eine bessere Gesellschaft und ein gutes Leben" gehört. Zumindest nicht so offensichtlich. Denn wer Goscinny und Sempé kennt, liebt einen Humor, der vor allem an die eigene Kindheit erinnert. Und selbst wenn es in den ersten Jahren nicht immer so lief, wie man sich dies wünschte, hat diese Zeit doch eine Art von Unbeschwertheit, die sich im Erwachsenenalter nur noch in besonderen Situationen einstellt. Zum Beispiel, wenn man einen Schupser erhält, nicht alles so schwer zu nehmen. Genau solche Anstöße gibt diese Agenda. Der kleine Nick hat die Herzen zahlreicher Leser gewonnen, weil er seine Weisheiten in Geschichten verpackt und es seinen Zuhörern überlässt, was sie damit anfangen wollen.
Die Agenda beginnt mit einer Zeichnung, die zum Programm für das ganze 2010 werden könnte: Der strahlende Nick inmitten seiner Schulklasse. Weniger gut gelaunt ist er dann in der folgenden Szene, in der Nick verloren zwischen Lehrerin und Kameraden nach Antworten sucht. Aber schließlich geht es auf den nächsten Seiten ja auch um die Jahresplanung und damit um den Ernst des Lebens. Und weil Planung auch mit Urlaub zu tun hat, sind auf drei Seiten alle schulfreien Tage aufgeführt, in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wer die Agenda auf Reisen mitnimmt, hat auch gleich alle Notfallnummern dabei. Und die Geburtstage seiner wichtigsten 14 Freunde und Freundlinnen. Mehr Kolonnen hat diese Seite nicht, was im Facebook-Zeitalter akzeptiert werden kann.
Jeder Monat beginnt mit einer Geschichte von Nick und seinen Freunden. Und jede Wochenseite klingt mit einer Zeichnung und einem kurzen Text aus, bis das Jahr zu Ende ist. Dass ich eigentlich gar nicht zum Zielpublikum dieser Agenda gehöre, merkte ich erst am Schluss. Denn da sind unter der Überschrift "Der kleine Nick macht Hausaufgaben" noch einige Seiten reserviert, die ich wohl anders nutzen muss. Denn was ich später einmal werden möchte, weiß ich inzwischen, Rechenaufgaben überlasse ich dem Treuhänder, Zeichnen kann ich nicht und Geschichts- sowie Erdkundeaufgaben lösen muss ich nicht.
Mein Fazit: Wer den Tag nicht grummelig beginnen möchte, seine Termine noch immer auf Papier festhält und sein Kind in sich am Leben erhalten will, wird sich bestimmt gerne von Nick durchs 2010 begleiten lassen. Der Einband meines Exemplars ist übrigens blau.